KARRIERE
"Als ich 1998 hier hingekommen bin, habe ich gedacht, dass ich meinen
Dreijahresvertrag erfülle und dann wieder weg gehe. So wie viele
Brasilianer denken. Doch ich habe verlängert, immer wieder, und kann sagen:
Deutschland ist im Moment meine Heimat", ist eine Aussage, die Dede häufig
artikuliert hat: "Nach der Karriere kann das anders aussehen. Aber da ist
eine Entscheidung noch nicht gefallen. Ich fühle mich wohl in Deutschland,
in Dortmund, bei der Borussia."
Dabei war die vergangene Saison keine einfache für den 32-Jährigen. Nach
einem in der Saisonvorbereitung erlittenen Kieferbruch hatte sich der
Brasilianer mit deutschem Pass schnell wieder in die Mannschaft gekämpft,
doch eine am zwölften Spieltag in Bremen erlittene Knieverletzung
katapultierte ihn zunächst auf den Operationstisch und anschließend aus der
Mannschaft. Denn Vertreter Marcel Schmelzer schlug sich so gut, dass es
Trainer Jürgen Klopp als unfair empfunden hätte, den jungen Mann, der einst
auf ein zum Geburtstag erhaltenes BVB-Trikot den Namen "Dede" gemalt hatte,
auf die Bank zu setzen. Dede ertrug sein Schicksal mit bemerkenswerter
Loyalität und stellte fest: "Emerson (früher u.a. Rom, Mailand, Turin,
Madrid) hat mir in vielen Telefonaten gesagt: Ein Profi spielt höchstens
sieben, acht Jahre auf höchstem Niveau. Ich hatte elfeinhalb gute Jahre.
Jetzt habe ich einfach nur Pech gehabt."
Leonardo De Deus Santos geht in sein 13. Dienstjahr bei der Borussia und
steht für etwas, was zu einer Seltenheit geworden ist im Profifußball:
Vereinstreue. Dass er, der sich mehrmals ins Fadenkreuz der ganz großen
europäischen Vereine gespielt hatte, seit dem 23. Mai 2009 der ausländische
Profi ist, der die meisten Spiele für einen Verein (jetzt 318) absolviert
hat, ist deshalb umso bemerkenswerter.
Nach seinem Kreuzbandriss im August 2009 erlebte Dede, wie sehr ihn die
Menschen lieben, und wie richtig die Entscheidung war, in Dortmund zu
bleiben: "Ich wusste immer, dass die Leute großen Respekt hatten, aber in
dieser dunklen Zeit habe ich gemerkt, wie sehr sie mich mögen. Drei Tage
nach der Operation war ich im Stadion und habe gesehen, was für eine
Sympathie sie mir entgegenbringen."
Aufgewachsen ist er in der Industriemetropole Belo Horizonte, mit 2,2
Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt des riesigen Landes, mit Slums
und Favelas. Aber ihr Name bedeutet eben auch "schöner Horizont", und zu
Beginn der 1990er, als Dede im Teenager-Alter war, wurde sie von der UNO
zur "Großstadt mit der besten Lebensqualität in Lateinamerika" gekürt. Aus
dem kleinen, trickreichen Jungen, der im Alter von vier Jahren mit dem
Fußballspielen begann, wurde alsbald ein Abwehrspieler, den Experten im
Jahre 1997 zum zweitbesten Außenverteidiger Brasiliens wählten. Dede wurde
anschließend in die Olympia-Auswahl Brasiliens berufen. Ein Jahr später
wechselte er nach Europa - als 20-Jähriger zum BVB. Gleich in seiner ersten
Spielzeit bestritt er 23 Partien und wurde vom kicker zum "Gewinner der
Saison" in seinem Team erhoben.
Trotz seiner Jugend übernahm Dede das Kommando - und nicht nur auf dem
Platz. Er half den Brasilianern, die nach ihm zum BVB kamen (Evanilson,
Amoroso, Ewerthon, Tinga, Santana) bei der Eingewöhnung und versuchte,
ihnen den deutschen Sinn für Disziplin näher zu bringen. "Bei uns zu Hause
ist die Mentalität eine andere", sagt er: "Aber in Deutschland lernt man
Pünktlichkeit. Das sieht man ja an mir." Er gilt innerhalb der Mannschaft
als ein unbestrittener Führungsspieler, der bereits mehrfach die
Kapitänsbinde trug. "Ich bin stolz, als Brasilianer einen großen deutschen
Klub wie den BVB auf das Feld führen zu dürfen", sagt er.
STÄRKEN
Er ist enorm ballsicher, zweikampfstark und beim Spiel auf engstem Raum
nur schwer vom Leder zu trennen. Sowohl in der Offensive als auch in der
Defensive ist er im Dribbling-Duell kaum zu schlagen. Er gewann in den
letzten neun Jahren immer mindestens 60 Prozent seiner Duelle (09/10: 62%).
Dede ist zudem ein exzellenter Vorbereiter, der mit seinem harten Schuss
auch selbst den Abschluss sucht.
SAISON-RÜCKBLICK
Auch wegen zahlreicher Blessuren und Verletzungen (Kieferbruch,
Gehirnerschütterung, Innenmeniskus- und Innenbandriss im rechten Knie) kam
Dede nur in 16 Saisonspielen zum Einsatz. Seit Rückrundenbeginn hatte
Marcel Schmelzer als Linksverteidiger die Nase vorn - erstmals in seiner
Bundesligakarriere war Dede nicht mehr gesetzt. Dabei gehörte er auch in
der letzten Saison mit einer Quote von 62 Prozent zu den zweikampfstärksten
Außenverteidigern der Liga.
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