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Sebastian Kehl

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Sebastian Kehl Story

KARRIERE

"In der Position vor der Abwehr können ihm nicht viele das Wasser reichen", schreibt der renommierte Sportjournalist Thomas Hennecke über Sebastian Kehl, den Vize-Weltmeister von 2002 und den WM-Dritten von 2006. Doch seit dem "deutschen Sommermärchen" hat Sebastian Kehl nur 54 der möglichen 136 Bundesligaspiele absolvieren können.

Alles begann mit einem Tritt des damaligen Münchners Hasan Salihamidzic am 11. August 2006. Der war mit gestrecktem Bein voraus zum Ball gegangen, ohne Rücksicht auf den Dortmunder zu nehmen, der einen Augenblick früher das Leder berührte und von Salihamidzic' Stollen das Knie aufgeschlitzt bekam. In der Folge machte das Narbengewebe immer wieder Probleme. In den beiden folgenden Spielzeiten konnte Kehl aufgrund dieser schweren Knieverletzung nur 1.471 von 6.120 Bundesliga-Minuten bestreiten.

Nachdem er die Spielzeit 2008/2009 fast komplett verletzungsfrei absolvieren konnte, zog er sich im Juli 2009 eine Verletzung im Adduktorenbereich zu. Eine komplizierte und langwierige Sehnenentzündung am Schambein, die zwei Operationen notwendig machte, setzte ihn bis in Frühjahr außer Gefecht, ein Faserriss im Adduktorenbereich beendete die Saison dann vorzeitig. "Hinter mir liegt kein schönes Jahr", bekennt Kehl, "sich immer wieder heranzukämpfen, kostet eine Menge Kraft." Doch Kämpfer Kehl gibt nicht auf, startet die Saisonvorbereitung deutlich vor den Kollegen und kündigt an: "Mich sollte niemand abschreiben."

Aus der Jugend von Borussia Fulda wechselte der Sohn einer hessischen Gastronomen-Familie im Alter von 16 Jahren zu Hannover 96, wurde dort frühzeitig in die U21-Nationalmannschaft berufen, setzte sich nach seinem Wechsel im Jahr 2000 zum SC Freiburg prompt in der Bundesliga durch und schaffte sogar den Sprung in die Nationalelf (Debüt im Mai 2001). Im Januar 2002 wechselte Kehl zum BVB, wo er seinen ersten Meistertitel und anschließend mit der Nationalelf den Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft feiern konnte.

Vier Jahre später zählte der defensive Mittelfeldspieler zu den Protagonisten des "Sommer-Märchens" von 2006. Nach zwei Einwechselungen in den WM-Spielen gegen Costa Rica und Schweden schlug die große Stunde im Halbfinale gegen Italien: Kehl vertrat den gesperrten, bis dahin herausragenden Torsten Frings und lieferte bei der unglücklichen 0:2-Niederlage nach Verlängerung gegen den späteren Weltmeister selbst eine Weltklasse-Leistung ab.

"Dass er sich in der Balleroberung hinter keinem Bundesligaprofi verstecken muss und das Herz am rechten Fleck hat, ist allgemein bekannt. Gegen Italien aber überraschte er mit einer Dynamik in der Vorwärtsbewegung, er verteilte die Bälle weiträumig und mit selten erlebter Präzision", lobte die Westfälische Rundschau. Im Spiel um den dritten Platz gegen Portugal (3:1) spielte er so stark auf, dass der kicker feststellte: "In der Ballack-Rolle mit größerem Radius als das 'Original'." Kehl selbst zog folgendes Fazit: "Es war eine tolle Zeit mit unglaublich vielen Emotionen und großer Leidenschaft. Ich habe gezeigt, dass man sich auf mich verlassen kann."

Der Abiturient interessiert sich auch für Politik, liest gerne mal ein Buch und versucht insgesamt, über den Tellerrand des Profifußballs hinaus zu schauen: Gemeinsam mit Florian Kringe und Roman Weidenfeller engagiert er sich für das Projekt "roterkeil.net", das gegen Kinderprostitution kämpft. In diesem Zusammenhang wurde Kehl als ehemaliger Ministrant am 19. Januar 2005 auch Papst Johannes Paul II. vorgestellt.

In Dortmund fühlt sich Kehl, der mit Lebensgefährtin Tina zwei Kinder hat, heimisch: "Ich stehe hundertprozentig zum Verein. Er geht in sein zehntes und bestimmt nicht letztes Jahr beim BVB: Der aktuelle Vertrag läuft bis 2012.

STÄRKEN

Kehl lebt Einsatz und Leidenschaft vor, verfügt über einen strammen Linksschuss sowie ein gutes Timing im Kopfballspiel. Und: "Sebastian kann ein Spiel lesen", lobt Sportdirektor Michael Zorc. Übersicht und Gespür für die Spielentwicklung zählen zu den weiteren Qualitäten des laufstarken defensiven Mittelfeldspielers. Sein Markenzeichen aber ist der beherzte Einsatz: Ballgewinn und -behauptung. Selbstbewusstsein und Respektlosigkeit machen Kehls internationale Klasse aus.

SAISON-RÜCKBLICK

Kehl kam in der vergangenen Spielzeit nur in sechs von 37 Pflichtspielen zum Einsatz. Beim Derby in Schalke am 26. Februar 2010 feierte er sein Comeback und stand in den folgenden fünf Bundesligaspielen durchgängig in der ersten Elf, ehe er sich im Spiel gegen Bremen erneut verletzte. Sein einziges Saisontor gelang ihm beim 4:1-Auswärtssieg in Bochum.

 
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