STADTNAHTOUR

Die Projektpartner möchten mit der Stadt.Nah.Tour gemeinsam einen Beitrag zur Aufwertung der Stadtnatur leisten und für die heimische Artenvielfalt und den Naturschutz begeistern. An einem Ort, wo Menschen arbeiten, spazieren gehen - oder eben auf dem Weg ins schönste Stadion der Welt sind - wollen wir Eure Aufmerksamkeit auf unsere heimische Natur lenken.

Wir wollen Euch motivieren, gemeinsam mit uns in unserer Stadt und unserer Region, nachhaltige Veränderungen zu schaffen.

EMMAs Entdeckerrunde: Übersichtskarte

Wir laden Euch ein, mehr über unsere Umwelt und vor allem über die Bedeutung der Bienen, Insekten und anderen Lebewesen in der stadtnahen Natur zu lernen. Begleitet EMMA auf ihrer Entdeckerrunde nach Hummelhausen oder ins Igel-Idyll. Erfahrt spannende Fakten über Bienen, Hummeln und Co und vor allem: Entdeckt, wie wichtig die naturbelassenen Lebensräume für die Tiere aber auch für uns Menschen sind. Auf unserer Übersichtskarte findest Du die kleine und große Entdeckerrunde.

Übrigens: Du kannst an jedem Ort auf den Entdeckerrunden einsteigen!

Die Entdeckerrunden: Entdeckt gemeinsam mit EMMA die STADT.NAH.TOUR. auf zwei Runden.

Die „kleine Entdeckerrunde“ führt Euch auf einem knappen Kilometer rund um das Gelände der SIGNAL IDUNA Versicherung. Ihr startet am „Grünen Klassenzimmer“, dem Steinkreis direkt zu Beginn des Parks, und folgt von dort dem Weg in Richtung Westfalenhallen. An der ersten Kreuzung biegt Ihr Richtung B1 ab und folgt dem Weg wieder zurück zum Gebäude. Hier kommt Ihr dann zur Station „8“, von wo aus Ihr entlang des Gebäudes alle weiteren Stationen findet, bis Ihr nach einem knappen Kilometer wieder am Ausgangspunkt seid.

Die „große Entdeckerrunde“ erstreckt sich von dem Gebäude der SIGNAL IDUNA Versicherung bis zur Strobelallee. Auf knapp 2,5 Kilometern erkundet Ihr die STADT.NAH.TOUR. vom „Grünen Klassenzimmer“, dem Steinkreis direkt zu Beginn des Parks, bis zu den Rosenterrassen. Ihr könnt von beiden Richtungen aus starten – die Übersichtskarten markieren die Startpunkte.

Bitte beachtet, dass die Wege nicht alle eben sind und je nach Witterung mit Kinderwagen oder Rollstuhl nur eingeschränkt befahrbar sind.

Anreise

Wenn Ihr Euch auf Entdeckerreise begebt, dann startet Eure Tour doch am besten schon bei Euch zu Hause. Egal, ob Ihr mit dem Auto, Bus & Bahn, dem Rad oder zu Fuß kommt – achtet einfach schon einmal darauf, wie viel „Grün“ Ihr in Eurer Umgebung entdeckt. Das klappt am besten mit dem Rad oder zu Fuß – das ist natürlich dazu noch am umweltfreundlichsten! Haben Bienen und Schmetterlinge genug Möglichkeiten Nahrung zu finden?

Auf der STADT.NAH.TOUR. erfahrt Ihr dann, warum das so wichtig ist. Und auf dem Rückweg könnt Ihr gemeinsam mit Euren Eltern und Begleitpersonen überlegen, ob auf Euren Wegen etwas verbessert werden kann.

Im Umfeld der Entdeckerrunden gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten. Bei Veranstaltungen im Westfalenpark / in den Westfalenhallen / im SIGNAL IDUNA PARK sind diese allerdings schnell ausgelastet, bitte daher im Vorfeld immer prüfen.

Wenn Ihr mit dem ÖPNV kommt, nutzt die Haltestelle „Westfalenhallen“ oder „Westfalenpark“.

Darf ich mich vorstellen? Ich bin EMMA!

Ich bin die Biene EMMA, Maskottchen und die Vorsitzende des KidsClub von Borussia Dortmund, auch BVB genannt. Ich begleite Euch auf den Entdeckerrunden und habe viele spannende Informationen für Euch vorbereitet. Wenn Ihr mehr über mich oder den BVB KidsClub erfahren möchtet, schaut doch mal auf www.bvb.de/kidsclub vorbei!

Nisthilfen

Hast Du schon einmal von einem Bienenhotel gehört? In einem Bienenhotel gehen EMMAs Freunde ein und aus und es dient ihnen als komfortable Unterkunft in Deinem Garten. Hier findest Du eine Anleitung zum Bau.

Projektpartner

Das Projekt STADT.NAH.TOUR ist ein gemeinschaftliches Projekt von der Stadt Dortmund und dem Grünflächenamt, der SIGNAL IDUNA sowie von BORUSSIA DORTMUND. Mehr über die Projektpartner findest Du auf den jeweiligen Websites. Die Projektpartner bedanken sich bei: Deutscher Imkerbund e.V. für die Bereitstellung der Informationstexte und Stadtnaturentwicklung für die Inhalte und das ökologische Konzept.

Weiterführende Informationen:

Schatten-Oase

Die Schatten-Oase

In der Schatten-Oase wachsen insbesondere Pflanzen, die Nachtfalterraupen als Futter dienen - z. B. Kriechender Günsel, Haselwurz, Wiesenschaumkraut, Roter Fingerhut, Wolfsmilch, Scharbockskraut, Nachtviole, Blutweiderich und Echter Beinwell. Nachtfalter (umgangssprachlich auch „Motten“) gehören zu den Schmetterlingen und sind vorwiegend nachts oder bei Dämmerung aktiv. Mit ihren 3.300 Arten stellen sie fast 95 % der heimischen Schmetterlingsarten dar.

Wenn Ihr wissen möchtet, wie aus den Raupen erwachsene Nachtfalter werden, dann lest gerne weiter unten beim Schmetterlings-Schauplatz nach!

Ausgewachsene Nachtfalter sind die Leib- und Magenspeise unserer heimischen Fledermausarten. In Deutschland gibt es 25 Fledermausarten. Alle ernähren sich von nachtaktiven Fluginsekten, wie Stechmücken, Stubenfliegen, Eintagsfliegen, Käfern und eben Nachtfaltern.

Bis auf zwei Fledermausarten gelten alle übrigen in Deutschland als gefährdet. Sie leiden unter dem Verlust geeigneter Quartiere und unter dem Gifteinsatz in der Landwirtschaft und im Garten, denn er tötet oder vergiftet ihre Beute. Daher gilt: Alles was zur Förderung heimischer Insekten dient, hilft deshalb auch den Fledermäusen.

Fledermaus-Jagd

Nach dem Winterschlaf gehen unsere Fledermäuse von Frühjahr bis Herbst bei Dämmerung auf die Jagd. Bei der Jagd verlässt sich die Fledermaus auf ihren Gehörsinn. Als einziges Landlebewesen orientiert sie sich über Ultraschallrufe und Echoortung. Dabei werden durch Mund oder Nase Ultraschallaute ausgestoßen und anhand der Echos Distanz, Richtung, Größe, Form und Struktur des Beuteinsekts analysiert.

Fließgewässer, Hecken, Feldgehölze und Alleen sind für viele Tierarten wichtige Vernetzungselemente in der Landschaft. Vor allem Fledermausarten mit Quartieren im Siedlungsbereich nutzen sie als Leitlinien auf ihren Flügen zu den Jagdgebieten. Hinter einer Hecke beispielsweise können sie nicht nur energiesparender im Windschatten fliegen, sondern finden auch mehr Nahrung sowie Schutz vor Feinden.

Je nach Lebensraum und Beutespektrum haben Fledermäuse verschiedene Jagdstrategien entwickelt. Manche Arten jagen im freien Luftraum, in der Nähe der Vegetation oder am Boden, andere Arten auch über Wasserflächen oder von Ansitzwarten aus. Fledermäuse gehen bevorzugt dort auf die Jagd, wo die vorhandenen Strukturen einen besonderen Insektenreichtum versprechen. Dazu gehören zum Beispiel Lichtungen, Wiesen, Brachflächen, Waldränder, Streuobstwiesen und Gewässer.

Hummelhausen

Das Jahr der Steinhummel

Die Steinhummel (Bombus lapidarius) erkennt man am samtschwarzen Körper mit einer rotbraunen Spitze am Hinterleib. Ihr Nest baut diese Hummelart oft unter Steinhaufen oder Mauern, wodurch sie ihren Namen erhalten hat. In Hummelhausen können Steinhummeln ihre Nester in Hohlräumen in den Steinhaufen anlegen.
Die Steinhummel bildet ein kleines Volk aus einer Königin, bis zu 300 Arbeiterinnen und Drohnen. Die Steinhummel fliegt in der Regel in einer Generation im Jahr. Das Hummelvolk überlebt nur ein Jahr. Alle Mitglieder des Insektenstaats sterben im Herbst – außer die neuen, begatteten Hummelköniginnen. Sie gründen im nächsten Frühjahr ein neues Volk.

Das Steinhummel Jahr beginnt | März

Während des Winters verschläft die Hummelkönigin die kalte Zeit geschützt in der Erde. Erst die warmen Strahlen der Frühlingssonne erwecken ihre Lebensgeister und locken sie Ende März aus dem Winterversteck. Steinhummeln sind damit eine der frühen Arten im Jahr.

Nestbau der Königin | April-Mai

Nach ihrem langen Winterschlaf benötigt die Hummelkönigin dringend Nahrung von den ersten Frühlingsblüten. Dort versorgt sie sich mit Energie aus frischem Blütennektar. In Hummelhausen wachsen daher Krokusse, Lungenkraut und andere Frühblüher. Danach beginnt die Steinhummel-Königin mit der Nestsuche. Noch ist sie auf sich allein gestellt und baut aus vorhandenem Material, wie Laub, Moos oder Tierhaaren, ein kleines kugelförmiges Nest. Sobald das Nest fertig ist, beginnt sie, einen Vorratsbehälter aus Wachs zu formen. Dieser wird mit Honig und Blütenpollen gefüllt. Auch ein kleines rundes Tönnchen, die Brutwabe, wird gebaut und mit Blütenpollen gefüllt. Nach zwei bis vier Tagen ist diese Arbeit erledigt und die Königin legt 5-15 Eier in die Brutwabe und verschließt sie mit Wachs. Die Königin bebrütet die Wabe mit den Eiern, indem sie durch schnelles Flügelschlagen Wärme erzeugt. In dieser Zeit verlässt die Königin das Nest nur selten. Sie ernährt sich von dem zuvor angesammelten Honigvorrat.

Das Steinhummelvolk wächst | Mai-Juli

Nach etwa fünf Tagen ist es soweit: Aus den Eiern schlüpfen die ersten Larven, die sich nach weiteren acht Tagen verpuppen. Während der Verwandlung der Larven zu erwachsenen Hummeln entsteht in den Kokons Wärme, die wiederum hilft, neue Eier zu bebrüten. Aus den Kokons schlüpfen nach etwa weiteren zehn Tagen die ersten Arbeiterinnen, die bereits nach zwei Tagen bereit zum Arbeitseinsatz sind. Sie kümmern sich zunächst um die neue Brut. Danach fliegen die Steinhummeln aus, um Pollen zu sammeln.

Der erste Schlupf bringt zunächst nur einige wenige Arbeiterinnen hervor. Ihre Anzahl erhöht sich pro Schlupf, bis das Steinhummel-Volk 100 bis 300 Tiere umfasst. Im Juli schlüpfen die Drohnen – die männlichen Steinhummeln – sowie die Jungköniginnen. Diese paaren sich mit den gleichzeitig auftretenden Männchen.

Vorbereitung für den Winterschlaf der Königinnen | August-September

Gegen Herbst graben sich die befruchteten Jungköniginnen ein, um im Boden zu überwintern. Das übrige Volk verendet im Herbst.

Winterschlaf und ein neuer Anfang | Oktober-März

Der Winter zieht ins Land, bis erneut die Frühlingssonne eine verschlafene Hummelkönigin aus dem Winterquartier lockt. Der Kreislauf beginnt von vorn…

Schmetterlings-Schauplatz

Der Schmetterlings-Schauplatz

Bevor Schmetterlinge zu den zarten, flugfähigen Geschöpfen werden, die wir über bunte Wiesen flattern sehen, verwandeln sie sich mehrfach. Vom Ei über die Larve zur Puppe bis hin zur sogenannten Imago durchlaufen Schmetterlinge eine vollständige Metamorphose.

In der Regel legen die Falterweibchen ihre Eier auf die Pflanzen ab, an denen später die Raupen fressen. Auf dem Schmetterlings-Schauplatz in Dortmund haben wir dafür zum Beispiel Brennnessel, Besenheide, Echten Dost, Sand-und Feld-Thymian, Weißdorn, Kreuzdorn, Schlehe und Wildrose gepflanzt. Einige Arten lassen die Eier auch ins Gras fallen oder heften sie in der Nähe der Raupenpflanzen an.

Bei den meisten Arten schlüpfen die Raupen nach etwa acht Tagen aus den Eiern. Wenn ihre Haut zu eng wird, häutet sich die Raupe. Nach vier Häutungen ist in der Regel das letzte Raupenstadium erreicht. Diese Entwicklung dauert etwa vier Wochen – bei Arten, die in einem Raupenstadium überwintern, entsprechend länger.

Das Puppenstadium

Sobald die Raupe erwachsen ist, hört sie auf zu fressen und beginnt, sich einen geeigneten Platz für die Verpuppung zu suchen. Die Puppe ist beim Schmetterling das letzte Stadium vor dem adulten Falter (Imago). Bei den Tagfaltern kommen vor allem zwei unterschiedliche Arten von Puppen vor, die Gürtelpuppen und die Stürzpuppen. Einige Tagfalter verpuppen sich auch frei am Boden in einem Gespinst. Einige Nachtfalter bauen sich ein Gespinst aus Seide, welches als Kokon bezeichnet wird.

Viele Raupen scheiden während dieser Phase größere Mengen überschüssige Flüssigkeit aus und schrumpfen dabei etwas zusammen. Raupen, die sich an Rinde oder in der Erde verpuppen, färben sich oft rötlich-braun, um weniger aufzufallen.

Gürtelpuppe

Die Puppen von Weißlingen und Ritterfaltern (z.B. Schwalbenschwanz und Wandergelbling) befestigen sich in aufrechter Position zum Beispiel an Pflanzenstängeln und spinnen zusätzlich einen Haltefaden um ihre Körpermitte – dies führte zum Name Gürtelpuppe. Der Kopf dieser Puppen befindet sich am oberen Ende.

Die Raupen vieler Bläulingsarten verpuppen sich meist als Gürtelpuppe an der Erde und werden mit einem dünnen Gürtel zum Beispiel an Blättern befestigt, die am Boden liegen. Einige Arten verpuppen sich auch direkt am Boden in einem Gespinst. Die Puppen der Bläulinge haben fast alle eine ähnliche Form – sie sind gedrungen und abgerundet („tönnchenförmig“). Auch die Färbung ist bei fast allen einheitlich unauffällig braun-grau.

Stürzpuppen

Die meisten Edelfalter (z. B. Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs) verpuppen sich als Stürzpuppe. Bei den Stürzpuppen hängt der Kopf nach unten. Sie sind lediglich mit dem Hinterende an der Unterlage festgesponnen. Die meisten Edelfalter verpuppen sich freihängend an Blättern oder Teilen von Pflanzen. Stürzpuppen verfügen oft über Dornen und charakteristische Metallflecken. Der Admiral baut sich als Schutz eine Blatttüte, in der er sich verpuppt.

Nachtfalter-Puppen

Die Raupen der Nachtfalter verpuppen sich zumeist an oder in der Erde. Gelegentlich bevorzugen sie auch Ritzen in Baumrinden oder ähnliche Verstecke. Viele Nachtfalter spinnen sich einen Kokon aus Seide, der die Puppe vollständig umhüllt und so gegen äußere Einflüsse und gegen Austrocknung schützt (z. B. Königskerzenmönch). Manchmal ist der Kokon eher lose gefertigt oder fehlt ganz. Dies ist bei vielen Schwärmern und Spannern der Fall.

Das Puppenstadium kann sich von wenigen Wochen bis über viele Monate oder gar Jahre hinziehen. Man vermutet, dass die Tiere, die mehrere Jahre ruhen, ungünstige Jahre überdauern und so der Population das langfristige Überleben sichern (z. B. Nachtpfauenauge).

Im Inneren der Puppe vollzieht sich ein schier unglaublicher Prozess: Die Körperstrukturen der Raupe werden praktisch vollständig aufgelöst und zum Körper eines Schmetterlings umgeformt. Am Ende der Puppenruhe scheinen häufig schon die bunten Oberseiten der Schmetterlingsflügel durch die Puppenhülle. Dies ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Falter innerhalb weniger Tage schlüpfen wird.

Sobald das Klima günstig ist, bricht der Falter die Puppenhülle auf. Das Tier erinnert nun gar nicht mehr an die Raupe, die es einmal war. Bevor der geschlüpfte Schmetterling fliegen kann, müssen zunächst noch die Flügel aufgepumpt werden und aushärten. Dazu presst der Falter Körperflüssigkeit in die Flügeladern, so dass sich die Flügel langsam ausbreiten. Sobald dieser Vorgang beendet ist, wird die Flüssigkeit zurückgezogen und die Flügel trocknen, bis sie die nötige Festigkeit besitzen.

Die Lebensspanne der Falter beträgt in der Regel einige Tage bis wenige Monate. Manche Arten fliegen nur vierzehn Tage lang, während Zitronenfalter zehn bis elf Monate alt werden können. So schlüpfen fortwährend neue Falter, bei einigen Arten sogar mehrere Generationen pro Sommer.

Im Winter ruht das Schmetterlingsleben. Auf Pflanzen, in Fels- und Rindenspalten, Baumhöhlen, Mauerfugen, hinter Bretterwänden oder auf Dachböden überdauern Eier, Raupen, Puppen und Falter den Winter. Als erste Frühlingsboten erscheinen im Februar Schneespanner, Zitronenfalter und Kleiner Fuchs. Ab September nimmt die Artenzahl wieder ab. Der Frostspanner fliegt noch an kalten Abenden im November und Dezember.

Wilde Wiese

Blütenphänologie und ihre Bestäuber

Auf der Suche nach Nahrung hat jede bestäubende Insektenart ihre eigenen Vorlieben. Auf der Wilden Wiese gibt es daher ein zahlreiches Angebot unterschiedlicher Blütenformen und -farben. Auch im eigenen Garten und auf dem Balkon können Insekten mit einer großen Vielfalt heimischer Pflanzen unterstützt werden. Um für ausreichend Nahrung zu sorgen, sollte von März bis Oktober immer etwas blühen.

Farbe und Geruch von Pflanzen locken Insekten aus der Ferne an. Einige Blüten leiten Bestäuber mit sogenannten Farbmalen bzw. Saftmalen direkt zu ihrem Nektar oder Pollen. Diese Male sind Bereiche auf den Kronblättern, die kein UV-Licht reflektieren und sich dadurch farblich vom Rest der Blüte absetzen. Manche dieser Muster sind für Menschen nicht sichtbar. Ob ein Insekt allerdings an die Nahrung in der Blüte kommt, bestimmt ihre Form. Manche Bestäubergruppen werden durch eine spezielle Blütengestalt ausgeschlossen oder sogar ganz gezielt bedient. Dabei spielen die Länge und Form des Mundwerkzeugs des Insekts und die Größe und Form der Blüte eine wichtige Rolle.

Bienen

Honigbienen und Wildbienen, zu denen auch Hummeln gehören, ernähren sich von Nektar und Pollen und haben nur kurze Rüssel. Um an den Nektar, ihr „Flugbenzin“, zu gelangen, sollte er in greifbarer Nähe von etwa einem Zentimeter liegen. Daher fliegen Bienen mit Vorliebe Lippen- und Rachenblütler mit rauen Blütenblattflächen an, auf deren Unterlippe sie gut landen können. Manche Wildbienen sind auf Glockenblumen spezialisiert, in die sie komplett hineinkriechen. Die Farben der Wahl sind Gelb und Blau, über die Farbmale finden die Tiere die Bereiche mit Nektar und Pollen.

Schmetterlinge

Schmetterlinge haben einen langen Saugrüssel, den sie im Flug spiralig einrollen. Tagfalter saugen Nektar aus tiefen, langen Blütenröhren, die Bienen und Fliegen nicht erreichen können. Oft liegt der Nektar in den meist aufrechten Blüten bis zu vier Zentimeter im Inneren der Blüte verborgen. Bevorzugte Farben sind Rot, Blau oder Gelb. In der Blüte locken Farbmale die Tagfalter zu ihrer Nahrungsquelle. Tagfalter müssen gut auf den Blüten landen können, daher fliegen sie gern tellerförmige Blüten mit langen Röhren (Stieltellerblumen) wie Nelken an. Auch Schmetterlingsblütler wie Gewöhnlicher Hornklee, Ginster oder Frühlings-Platterbse und röhrenförmige Blüten, etwa von Karden, ziehen Tagfalter an.

Auch für Nachtfalter hält die Natur passende Blüten bereit. Nachtfalter fliegen auf meist hängende Röhrenblumen und Stieltellerblumen, deren Nektar bis zu 20 Zentimeter tief verborgen liegen kann. Sie favorisieren helle Blüten ohne Farbmale. Da es bei ihrer Nahrungsaufnahme schon dunkel ist, orientieren sich die Falter an dem starken süßlichen Geruch der Blüte. Nachtfalterpflanzen sind tagsüber geschlossen. Sie öffnen sich am Abend und verströmen dann ihr Aroma.

Käfer

Blüten besuchende Käfer fressen vor allem Pollen, da der Nektar für ihre kurzen, beißenden Mundwerkzeuge oft zu tief verborgen ist. Sie sind deshalb auf gut zugänglichen, offenen, pollenreichen Blüten zu finden, wie von Rosen, Apfelbäumen und Clematis oder von Doldenblütlern, wie Engelwurz und Wilder Möhre. Die Farben der Blüten bewegen sich im weißlichen oder gelb-bräunlichen Spektrum. Zudem lieben Käfer alles, was stinkt. Daher verströmen manche Käferblumen einen herben Duft, andere wiederum riechen fruchtig.

Wanzen

Wanzen haben einen kurzen, ausklappbaren Rüssel und fliegen vor allem gut zugängliche Blüten an. Knöterich- und Ampfersorten gehören zu ihren Vorlieben. An diesen legen sie auch gern ihre Eier ab. Die nächste Generation sitzt damit gleich an der richtigen Futterpflanze. Einige erwachsene Tiere bevorzugen Säfte von unreifen Früchten ihrer Wirtspflanzen, etwa Himbeeren und Brombeeren. Die Lederwanze, die häufigste Art, saugt an Heckensträuchern, verschiedenen Stauden, Disteln und Weidenröschen und bevorzugt Ampfer- und Knötericharten. Streifenwanzen und andere Wanzenarten stehen auf den süßen Saft von Doldenblütlern wie Dill oder Wilde Möhre.

Schwebfliegen

Schwebfliegen konsumieren Nektar und suchen möglichst offen zugängliche Blüten. Sie haben kurze und leckende Mundwerkzeuge und favorisieren etwa Doldenblütler, Korbblütler oder werden von Fallenblumen angelockt, aus der sie erst nach der Bestäubung wieder freikommen.

Wildbienen-Wunderland

Das Wildbienen-Wunderland

Merke: Nur einem Teil der zahlreichen heimischen Wildbienenarten ist mit Nisthölzern oder Niststängeln zu helfen. Viele Wildbienenarten legen ihre Nester im Boden an. Sie benötigen daher offene Bodenstellen, die vor Bewuchs und Verdichtung geschützt sind.

Alle Wildbienen brauchen nicht nur Nistmöglichkeiten zum Leben, sondern auch Nahrungsquellen in der Nähe ihrer Nester. Für ein reichliches Nektar- und Pollenangebot kannst du zum Beispiel Glockenblumenarten pflanzen, Taubnessel, Wilde Möhre, Hauhechel, Zaunwicke, Astern und Rainfarn – und lass gerne auch Disteln stehen. Sie sind für Wildbienen und Hummeln eine wichtige Pollenquelle.

Anleitung zum Bau einer Wildbienen-Nisthilfe

Nisthilfen für Wildbienen, die ihre Nester in hohlen Stängeln oder in Bohrlöchern in Holz anlegen, können ganz unterschiedlich aussehen. Größe, Form und Farben sind kaum Grenzen gesetzt. Wir stellen dir hier drei Nisthilfen vor, die du selbst, mit deiner Familie oder Schulklasse nachbauen kannst*.

Hier findest Du drei Anleitungen: zum Download

Hinweise zum Bau einer Wildbienen-Nisthilfe:

Beim Selbstbau sind einige Hinweise zu beachten, damit sich die Nisthilfe auch wirklich gut eignet und nicht zur ökologischen Falle wird:

  • Nisthilfe an einen sonnigen und windgeschützten Ort stellen
  • Mit Dach vor Regen schützen – Vorsicht: weit überladene Dächer halten zu viel Sonne fern
  • Dach z. B. aus Strangfalzziegeln (statt aus Dachpappe) oder Holz bauen – bietet zusätzliche Nistmöglichkeiten oder -materialien
  • Maschendrahtzaun in mind. 5 cm Entfernung vor der Nisthilfe hält hungrige Vögel fern
  • Gebohrte Holzklötze sind wertvoller als Baumscheiben
  • Nutzt man Baumscheiben, dann sollten die Löcher ins Längsholz gebohrt werden, um Splitterungen zu vermeiden
  • Sägekanten und Bohrungen von Schilf-/ Bambusröhren müssen glatt sein (feine Bohrer, Schleifpapier) – andernfalls besteht Verletzungsgefahr für die Wildbienen
  • Länge der Röhren mind. 10 cm mit verschiedenen Durchmessern von 2 bis maximal 9 mm
  • Die Enden der Röhren müssen geschlossen sein (blind-endig)
  • Lehmwände dürfen nicht zu hart sein – die Wildbiene kann ansonsten ihre Röhren nicht selbständig hinein bohren (vorgebohrte Lehmwände werden eher wenig genutzt)
  • Hohlziegel/ Lochziegel sind aufgrund der zu großen Löcher und der offenen Rückseite wenig geeignet
  • Keine Acrylglasröhrchen benutzen – die Tiere verenden oftmals darin
  • Kiefernzapfen bieten keine Nistmöglichkeit für Wildbienen
  • Neue Nisthilfen bestenfalls im Februar aufstellen

* Bauanleitungen aus „Wildbienen ein Zuhause geben“, Hrsg. BUND Niedersachsen, 2015.

Naschgarten

Der Naschgarten

Im Naschgarten sind essbare Kräuter und Früchte gepflanzt worden, von denen ihr gern kosten könnt.

Merke: Bitte esst nur, was ihr kennt – denn obwohl hier nur essbare Pflanzen eingepflanzt wurden, kann es vorkommen, dass sich andere Pflanzen, die ungenießbar oder giftig sein können, ausgesät haben!

Im Hochbeet findet ihr viele Kräuter, wie Schnittlauch, Wilder Majoran, Zitronenmelisse, Minze, Wiesen-Sauerampfer und Wiesen-Salbei. Leckere Früchte, wie Heidelbeeren, Stachelbeeren, Walderdbeeren und Rote und Schwarze Johannisbeeren laden zum Naschen ein.

Auf der Rasenfläche stehen im Naschgarten ein Kirschbaum, ein Birnbaum und ein Mirabellenbaum. Ihre Gießränder wurden mit Blutweiderich bepflanzt. Blutweiderich (Lythrium salicaria) ist eine Heilpflanze, die bereits im Alterum verwendet wurde. Essbar sind die Blüten des Blutweiderichs sowie seine jungen Blätter. Sie werden am besten im April und Mai geerntet, sonst schmecken sie sehr bitter.

Um die Bäume herum stehen einzelne Grüppchen aus Lavendel oder Salbei.

Kräuter - Schnittlauch

Kräuter - Schnittlauch

© pixabay

Kräuter - Salbeiblätter

Kräuter - Salbeiblätter

© pixabay

Kräuter - Salbeiblüten

Kräuter - Salbeiblüten

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Früchte - Erdbeere

Früchte - Erdbeere

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Früchte - Rote Johannisbeere

Früchte - Rote Johannisbeere

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Bäume - Mirabelle

Bäume - Mirabelle

© pixabay

Vogel-Fantasie

Die Vogel-Fantasie

Auf der Themeninsel Vogel-Fantasie werden mit vorwiegend heimischen Stauden und Sträuchern Nahrungsquellen für zahlreiche Vogelarten geschaffen. Die Pflanzen locken Insekten an, so dass für die Vögel ein primäres Nahrungsangebot in Form von Pflanzenbestandteilen, wie Knospen, Sämereien und Früchten zur Verfügung steht sowie auch ein sekundäres Angebot für die Insektenfresser unter ihnen.

Die heimischen Sträucher dienen vielen Vogelarten als Versteck und Rückzugsort und bieten darüber hinaus den freibrütenden Arten sichere Brutmöglichkeiten.

Freibrüter

Als Freibrüter werden in der Ornithologie solche Vogelarten bezeichnet, die ihre Nester frei anlegen und nicht in Höhlungen (Höhlenbrüter) oder in Nischen (Nischenbrüter) brüten. Darum können die Nistplätze von Freibrütern, je nach Art, an sehr unterschiedlichen Stellen vorkommen. Für viele Vogelarten kommen dafür häufig Bäume, Sträucher, Hecken, Reisighaufen oder Röhricht in Betracht. Für andere freibrütende Arten wiederum können Gebäude oder deren Dächer sowie Felswände und Gewässerinseln geeignete Niststätten bieten. Auch die sogenannten Bodenbrüter sind grundsätzlich zu den Freibrütern zu zählen.

In der Vogel-Fantasie können Freibrüter, wie Amsel, Wacholderdrossel, Buchfink, Dompfaff und Stieglitz, ihre Nester im oberen Teil der Sträucher und Bäume bauen. Im dichten Gestrüpp in Bodennähe finden zum Beispiel Grasmücken, Rotkehlchen, Zilpzalp und Zaunkönig ein geeignetes Plätzchen.

Häufig verweben die Vögel kleine Zweige, Blätter, Halme, Moos und Flechten zu kunstvollen napfförmigen Nestern, die nach oben offen sind. Als weiches Polster können Moos, Daunenfedern oder Tierhaare dienen. Diese halten die frisch geschlüpften Küken schön warm. Auch diese scheinbar ähnlichen Nester unterscheiden sich jedoch stark nach Vogelart, was die Vogelbestimmung erleichtert. Während etwa das Nest des Buchfinken aus Halmen, Moos und Haaren fest gefügt und innen sorgsam mit Haaren und Federn gepolstert ist, gleicht das Nest der Ringeltaube einem eilig zusammengetragenen wirren Haufen aus Zweigen und dünnen Stängeln. Es gibt auch Vogelarten, beispielsweise den Zaunkönig, die geschlossene Nester mit seitlichem Eingang bauen.

Käfer-Keller

Totholz lebt

Als Totholz bezeichnet man sowohl einzelne tote Äste an einem alten Baum wie auch abgestorbene, stehende oder umgefallene Bäume oder Teile davon (zum Beispiel Strünke). Im Käfer-Keller gibt es mehrere Totholzhaufen, die aus Abschnitten von vorwiegend Laubbäumen angehäuft wurden.

Xylobionten Insekten

Käfer sind nicht nur die artenreichste Insektengruppe generell, sondern auch die vielfältigste im Totholz. In Mitteleuropa sind über 1.300 Käferarten in irgendeiner Phase auf Alt- und Totholz angewiesen. Diese holzbewohnenden Käfer nennt man auch xylobionte Käfer. Doch im Totholz kommen nicht nur Käfer vor.

Zu den xylobionten Insekten zählen nicht nur Arten, die sich direkt von Rinde oder Holz ernähren. Es gehören alle Arten dazu, die in irgendeiner Phase ihres Lebens auf Totholz angewiesen sind. Das sind neben den eigentlichen holzfressenden (xylophagen) Insekten solche, die als Zweitbesiedler die von den Xylophagen geschaffenen Höhlen und Gänge für ihre eigenen Bruten benützen, ohne sich vom Holzsubstrat zu ernähren. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Wildbienen- oder Wespenarten.

Weitere Bewohner

Auch verschiedene Fliegen- und Mückenlarven leben von den in den Bohrgängen wachsenden Pilzen und Bakterien, oder sie ernähren sich von Mulm, abgestorbenem Material und Insektenkot. Baumschwämme an totem Holz wiederum beherbergen eine spezialisierte xylobionte Käfer- und Fliegenfauna. Von diesen Holz- und Pilzfressern ernähren sich wiederum viele räuberische und parasitische Insekten. Insekten sind wichtige Glieder im Recycling des Holzes. Sie tragen dazu bei, dass die im Holz gespeicherte Energie und die Nährstoffe schneller freigesetzt werden und der Umgebung wieder zur Verfügung stehen. Während die Zersetzung nach und nach weiter fortschreitet, dient das Totholz einer großen Zahl von Tieren und Pflanzen als ideales Nist-, Entwicklungs-, Nahrungs- oder Überwinterungshabitat.

An den Totholzhaufen sind die bis mehrere Zentimeter großen Bock- und Prachtkäfer einfach zu entdecken. Ihre Larven fressen in der Rinde und im Holz. Doch Totholz allein genügt nicht immer, viele Bock- und Prachtkäfer sind zur Nahrungsaufnahme auf Blütenpollen angewiesen.

Weitere Funktionen eines Totholz-Haufens

Doch nicht nur als Lebensraum vieler Insekten und Gliederfüßer spielt Totholz eine wichtige Rolle. Totholz wirkt sich auch positiv auf das Mikroklima aus. Dank seines hohen Wassergehaltes schützt es den Boden vor dem Austrocknen und kann Temperaturschwankungen sowie Feuchtigkeitsverhältnisse ausgleichen. Die dunkle Oberfläche und geringe Wärmeleitfähigkeit lassen Totholz zeitweise eine höhere Temperatur aufweisen als seine Umgebung. Umgekehrt kann es in heißen Sommern durch seine Wasserspeicherfähigkeit sein Umfeld vor Überhitzung schützen.

Igel-Idyll

Das Igel-Idyll

In Deutschland kommen zwei Arten von Igeln vor, wobei fast ausschließlich der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) im ganzen Land verbreitet ist. Der seltene Nördliche Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) kommt nur in wenigen Randgebieten Ostdeutschlands vor. Der Braunbrustigel lebt als Einzelgänger und gehört wie Spitzmäuse und Maulwürfe zu den Insektenfressern. Mittlerweile sind Igel besonders in Siedlungsbereichen mit Gärten und Grünanlagen häufig.

Ihr markantes Kennzeichen sind ihre Stacheln. Auf der Oberseite trägt der Igel ein robustes Stachelkleid zur Abwehr von Fressfeinden und ist in der Lage, sich in Gefahrensituationen zu einer Kugel einzurollen. Durch die so aufgestellten Stacheln ist er fast unangreifbar. Ein erwachsener Igel trägt 6.000 bis 8.000 der kleinen Nadeln, die jeweils mit einem eigenen Muskel ausgestattet sind. So wird das Einrollen zu einem komplexen Zusammenspiel vieler Muskeln. Durch die Farbe der Stacheln von Beige bis Braun, ist der Igel im dichten Laub und auf dem Boden gut getarnt.

Igel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Der Umgang mit unseren Igeln wird durch das Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Demnach dürfen zum Beispiel ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten nicht beschädigt oder zerstört werden.

Igel sind aus verschiedenen Gründen gefährdet: Siedlungen und Straßenbau schränken ihren Lebensraum ein, auf Straßen kommen jährlich hunderttausende zu Tode und in Gärten fehlt es häufig an Unterschlupfmöglichkeiten und Nahrung. Igel benötigen giftfreie Gärten, vor allem Schneckenkorn und Rattengift können ihnen zum Verhängnis werden. Daher empfehlen sich grundsätzlich Alternativen zum Gifteinsatz.

Igel-Erwachen im Frühjahr | März-April

Wenn die Außentemperaturen länger um zehn Grad Celsius liegen, wachen Igel aus dem Winterschlaf auf. Die Männchen sind schon ein paar Wochen früher auf den Beinen als die Weibchen, um sich für die Paarungszeit zu stärken. Der Aufwachvorgang dauert mehrere Stunden, bei dem der Igel viel Energie verbraucht. Dabei hilft ihm speziell das sogenannte „braune Fett“, das im Schulterbereich eingelagert ist.

Der Igel verliert während des Winterschlafs etwa 20 bis 40 Prozent seines Körpergewichts. Darum beginnt der abgemagerte Igel sofort mit der Nahrungssuche. Da Igel dämmerungs- und nachtaktiv sind, kann man sie im Frühjahr nur selten beobachten.

Paarungszeit | April-August

Igel sind Einzelgänger. Doch während der Paarungszeit von Mitte April bis Ende August gehen Igelmännchen auf Partnersuche und legen dabei mitunter mehrere Kilometer pro Nacht zurück. Der Paarungstrieb lässt die Männchen oft unvorsichtig werden, vor allem beim Überqueren von Straßen. Hat der Igelmann ein Weibchen gefunden, umwirbt er es heftig. Dabei schnaubt und schnauft, pufft und tuckert er deutlich vernehmbar.

Die Igelin wird immer wieder vom Männchen umkreist. Doch häufig genug stößt sie ihn mit ihren Kopfstacheln zurück. Dieses Paarungsspiel, das auch „Igelkarussell“ genannt wird, kann Stunden dauern und muss auch nicht zwangsläufig zum sofortigen Erfolg führen. Sobald die Igelin trächtig ist, geht das Igelpaar wieder getrennte Wege. Für die Aufzucht des Nachwuchses ist das Weibchen zuständig.

Nachwuchs bei den Igeln | Juni-September

Die Hauptfortpflanzungszeit liegt zwischen Juni und August, manche Igelkinder kommen noch im September zur Welt. Nach einer Tragzeit von rund 35 Tagen wirft die Igelin häufig vier bis fünf Jungtiere. Die neugeborenen Igel tragen bereits erste weiß gefärbte Stacheln, die bei der Geburt weich sind. Augen und Ohren beginnen sich erst nach zwei Wochen zu öffnen. Die Igeljungen werden rund 42 Tage gesäugt. Kurz danach sind sie selbständig und wandern auf der Suche nach Nahrung in andere Gebiete.

Nahrungssuche bei Jungigeln | Juli-November

Auf ihrer Futtersuche erkunden die Jungigel ihre nähere Umgebung. Sie kauen auf allem herum, was ihnen vor die Nase kommt und entdecken auf diese Weise, was genießbar ist. Igel haben ein breites Nahrungsspektrum: Sie fressen Laufkäfer, Larven von Nachtfaltern und sonstige Insekten, Regenwürmer, Ohrwürmer, Schnecken, Hundert- und Tausendfüßer sowie Spinnen. Igel sind also keine Vegetarier, sie fressen im Garten kein Obst und kein Gemüse. Fallobst wird höchstens beiläufig von Igeln gefressen, denn sie haben es auf die darin befindlichen Würmer und Maden abgesehen. Etwa ab Mitte Oktober nimmt das Angebot an Käfern und Larven schon deutlich ab. Nun können sich die Jungen pro Nacht nur noch wenige Gramm anfuttern.

Winterspeck ansetzen | September-November

Igel, die schon mehrere Jahre alt sind, haben bereits an wettergeschützten Stellen ihre laubgepolsterten Winternester gebaut. Jungigel und auch Igelweibchen können noch im November nach Essbarem stöbern. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit sind Igel im beginnenden Herbst auch tagsüber aktiv, denn insbesondere die Jungtiere müssen sich für den bevorstehenden Winterschlaf noch einige Fettreserven anfressen. Denn sie können nur mit einem guten Fettpolster den Winter überleben.

Nest bauen | Oktober-Dezember

Wettergeschützt und laubgepolstert bauen die Igel ihre gut isolierenden Winternester. Jungigel fangen manchmal zu spät damit an und arbeiten unordentlich – mit ein Grund, weshalb sie den kalten Winter manchmal nicht überleben. Igel lieben Hecken, Sträucher, Laub- und Holzhaufen. An sein Zuhause stellt der Igel wenig Ansprüche: Genügend Futter und Verstecke, sogenannte Tagesnester unter Sträuchern oder in Laubhaufen, sind ihm wichtig. Weil er die oft auf freier Flur nicht mehr findet, sucht er sich Behausungen in Gärten und Parks, Friedhöfen und Grünanlagen. Im Igel-Idyll stehen ihm gleich mehrere Igelhäuschen zur Verfügung. Wir sind schon gespannt, wer dort einziehen wird!

Winterschlaf | November-März

Igel halten Winterschlaf. Dazu suchen sie meistens im November bei anhaltenden Bodentemperaturen um den Gefrierpunkt ein Winterquartier auf. Um den Nahrungsmangel in der kalten Jahreszeit zu überbrücken, rollen sich die Igel in ihrem Nest zu einer Kugel zusammen und beginnen ihren Winterschlaf. Ihre Körperfunktionen sind während dieser Zeit auf ein Minimum reduziert. So sinkt die Körpertemperatur von 36 Grad auf etwa fünf Grad Celsius, die Herzfrequenz wird von 180 bis 250 Schlägen pro Minute auf acht bis 20 reduziert und auch die Atemfrequenz sinkt von 40 bis 50 Atemzügen auf drei bis vier pro Minute. Ende März wachen als erstes die Männchen, im April dann die Weibchen wieder auf, um sich hungrig auf Futtersuche zu begeben. Ihr Winterquartier nutzen sie bei Schlechtwetterperioden bis in den April und Mai.