Sage und schreibe drei Spiele benötigte der frischgebackene Deutsche Fußballmeister 1956 Borussia Dortmund, um sich für die erste Runde des Europapokals der Landesmeister 1956/57 zu qualifizieren. 4:3, 1:2 sowie 7:0 im Endscheidungsmatch hieß es gegen den „Fußballzwerg“ Spora Luxemburg, dann war das erklärte Ziel, erstamls „europäisch“ spielen zu dürfen,  erreicht.

Der Europapokal war erst im Jahr zuvor von der französischen Sportzeitung L` Equipe aus der Taufe gehoben worden und wurde zunächst ausschließlich von den „echten“ europäischen Landesmeistern in Hin- und Rückspielen ausgetragen.

Die Auslosung der UEFA für die erste Runde bescherte dem BVB einen fast übermächtigen Kontrahenten: Manchester United, Englands Meister, die legendäre Mannschaft des Trainers Matt Busby, liebevoll Busby-Babes genannt. Neben Real Madrid die damals wohl beste Mannschaft Europas.

Am 17. Oktober 1956 traten die Borussen vor 75. 598 Besuchern (englischer Flutlicht-Rekord) im legendären Old Trafford zum ersten Mal überhaupt gegen „ManUnited“ an. Sie wurden vor Ort von Bernd Trautmann betreut, dem legendären Torhüter des ManUnited- Ortsrivalen Manchester City.

Der BVB setzte bei seiner Europacup-Premiere ein besonderes modisches Ausrufungszeichen: Bei der bekannten Modefirma „Umbro“ hatte man die legendären goldenen „Flutlichtrikots“ anfertigen lassen, um die Borussia jahrelang  beneidet wurde und mit denen man bis zum Halbfinale 1964 gegen Inter Mailand die Europapokalspiele austrug.

ManUnited, mit den überragenden Tommy Taylor und Duncan Edwards, Torhüter Wood, Coleman, Violett  und den vielen anderen Cracks, führte zur Halbzeit bereits mit 3:0. Trotzdem war BVB-Keeper Heini Kwiatkowski der beste Dortmunder und avancierte in diesem Spiel zum „Helden von Manchester“. Der faire Beifall der englischen Fans spornte die Borussen in der zweiten Hälfte ungemeinan. Helmut Kapitulski und Ady Preißler verringerten das Ergebnis auf 2:3. Der verdiente Ausgleich wollte dann aber doch nicht mehr fallen.

Manchesters Coach Matt Busby: „Ich war über die Kondition der doch recht alten Dortmunder sehr erstaunt, die in der zweiten Halbzeit das Tempo noch steigerten, als wir schon glaubten, sie stünden kurz vor dem Knock Out. Bei Borussia gefiel mir neben dem großartigen Goalkeeper Kwiatkowski besonders der unermüdliche Ballschlepper Ady Preißler.“

Der gelobte BVB-Torhüter, liebevoll „Kwiat“ gerufen:“ Bernd Trautmann hatte mich vor den Kopfbällen Taylors gewarnt, die härter sind als Schüsse mit dem Fuß fast aller Stürmer, die ich kenne. Ich spiele gern unter Flutlicht. Die Atmosphäre ist sehr anregend!“

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Das Rückspiel, das die Entscheidung bringen musste, fand am Mittwoch, dem 21. November 1956, im Stadion Rote Erde statt.  Der damalige Buß- und Bettag brachte dem BVB leider kein Glück. Das Flutlicht im Stadion „Rote Erde“ mit seinen 600 Lux erlebte seine Premiere, sah aber in einem überaus spannenden Match kein einziges Tor, Das torlose Unentschieden bedeutete gleichzeitig das Aus für die Schwarz-Gelben, Die 45.000 Besucher waren aber trotzdem zufrieden. Hatten doch die Kwiatkowski, Preißler, Kelbassa und Co. den Nachweis erbracht, dass man auch mit den ganz Großen des europäischen Fußballs mithalten konnte.

Am 6. Februar 1958 wurde das Team von ManU von einer grausamen Tragödie heimgesucht: In München-Riem verunglückte das Flugzeug der Engländer, die von einem Europacupspiel aus Belgrad kamen und einen Zwischenstopp zum Tanken einlegten. Viele der großartigen Spieler aus Manchester ließen an diesem Tag ihr teilweise noch blutjunges Leben. In Old Trafford wird an einer würdigen Gedenkstätte an sie alle erinnert.

 

Ab sofort werden an dieser Stelle an einigen Jahrestagen von schwarzgelben Ereignissen kurze Geschichten oder Anekdoten veröffentlicht, die in Zusammenarbeit mit der AG Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung entstanden sind.

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