Am Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, dem 27. Januar, lud das BORUSSEUM bereits zum siebten Mal in Folge Interessierte ein, um der Opfer des Nationalsozialismus im Rahmen eines Vortrags über die Verfolgung Homosexueller am Beispiel Dortmunds und des Ruhrgebiets zu gedenken.

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BVB-Schatzmeister Dr. Reinhold Lunow begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter den Präsidenten von Borussia Dortmund, Dr. Reinhard Rauball, Mitglieder des Ältestenrats und viele weitere Mitglieder der BVB-Familie. Zudem hieß er die Akteure des Abends, Referent Dr. Frank Ahland sowie die Musiker Dr. Maik Hester und Peter Sturm, herzlich im Borussia Dortmund-Museum willkommen. Dr. Lunow wies darauf hin, dass Widerstand geleistet werden müsse, wo Hass aufkommt. Dies sei in aktuellen Zeiten wichtiger denn je. Zudem betonte er, dass Achtung, Toleranz, Vielfalt und Demokratie Bestandteil der Satzung des BVB sei und sich alle Mitglieder dieser Satzung verpflichtet hätten.

Im Anschluss führte Dr. Ahland in das Thema des Abends, der Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit, ein. Auch er betonte die Wichtigkeit der Erinnerungskultur, da gerade in diesen Zeiten überall in der Welt Ressentiments gegen Minderheiten auf der ganzen Welt steigen.

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Thematisch begann Dr. Ahland seinen Vortrag in der Weimarer Republik. Obwohl Homosexualität auch in der Weimarer Republik ein Straftatbestand war, wird über diese „Straftat“ meist hinweggesehen. Vor allem Berlin gilt als Paradies der Homosexuellen in der ganzen Welt.

Auch in der Nazi-Zeit waren Homosexuelle in allen Schichten der Gesellschaft vertreten, somit natürlich auch in der NSDAP. Das bekannteste Beispiel ist Ernst Röhm, Chef der SA, der aufgrund vermutlicher Putsch-Planungen 1934 erschossen wurde. Im September 1935 wurde der §175 Reichsstrafgesetzbuch, der Homosexualität als Straftatbestand behandelte, verschärft, was der Verfolgung bei dem leisesten Verdacht Tür und Tor öffnete. In der Dortmunder Steinwache waren über 600 der verhafteten Männer aufgrund §175 inhaftiert, dies geht aus den Haftbüchern hervor. Im Januar 1937 kam es aufgrund einer Hetzkampagne in der Presse zu einer weiteren Steigerung der Verfolgung von Homosexuellen. Ein Großteil der Verhaftungen erfolgte aufgrund von Denunziation, was zu einer hohen Selbstmordrate unter Verdächtigen führte.

Im Anschluss berichtete Dr. Ahland über das Schicksal von Louis Schild.  Dieser wurde im August 1935 von einem Nachbarn verraten, die Polizei konnte ihn jedoch aufgrund der Gesetzlage nicht überführen. Die Gestapo verschleppte ihn trotzdem. Louis Schild starb im November 1935 nach Folter und Misshandlungen im KZ Esterwegen. Das besondere an diesem Mord ist, dass er aufgeklärt werden konnte, da der Täter geständig war. Der Täter wurde in der Bundesrepublik verurteilt und starb in Haft.

Nach dem Ende des Vortrags kam es zu einer kurzweiligen Diskussion zwischen Redner und Publikum, die auch neue Fragen für die Forschung aufwarfen.

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Die musikalische Begleitung durch Dr. Maik Hester und Peter Sturm stellte das perfekte Pendant zum Vortrag dar und packte die Zuschauer ebenfalls auf emotionaler Ebene. Die Lieder mit yiddischen Texten, die in Ghettos und Konzentrationslagern entstanden sind, waren ergreifend und wurden von den beiden Musikern toll präsentiert. Bemerkenswert an den Musikstücken ist, dass sie trotz oder gerade wegen ihrer Entstehungszeit den Hörern die Möglichkeit gab, für den Moment von den nahe gebrachten Sorgen im KZ oder Ghetto abzulenken.

Zum Ende der Veranstaltung wurde den Opfern des Nationalsozialismus mit einer Schweigeminute gedacht.