Das Jahr 1966 war für den bundesdeutschen Vereins-Fußball das bis dato bedeutendste überhaupt. Die unvergesslichen Ereignisse ranken sich um den  BVB und den FC Bayern München, also um die Gegner des morgigen Samstags.

1965 hatte die Bundesliga eine außergewöhnliche Bereicherung erfahren: Der FC Bayern München war unter seinem begnadet-schlitzohrigen Traineroriginal Zlatko „Tschik“ Cajkowski in die fußballerische „Belle Etage“ aufgestiegen. Cajkowski gehörte in seiner aktiven Zeit zu den besten Spielern der Welt und wurde 1952 in Helsinki mit Jugoslawien Silbermedaillen-Gewinner beim olympischen Fußballturnier. 1962 war er nach München gekommen und hatte den FC Bayern zügig an die Bundesliga herangeführt. Begünstigt wurde sein Vorhaben dadurch, dass mit Torhüter Sepp Maier, Libero Franz Beckenbauer und und Mittelstürmer Gerd Müller die später weltberühmte Dreier-Achse der Bayern bereits bestand.
Beim BVB schwor man sogar auf ein filigranes Sextett, das aus  Hans Tilkowski, Wolfgang Paul, Stan Libuda, Aki Schmidt, Siggi Held und Lothar Emmerich bestand.

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Zwischen dem BVB und den Bayern gab es 1965 und 1966 die ersten Meisterschaftsspiele überhaupt. Darüber hinaus gibt es rückblickend ein paar erstaunliche Entwicklungen und Parallelen zu bestaunen.
Das erste gemeinsame Match hatte der BVB Ende 1965 in München mit 2:0 gewonnen. Reinhold „Zange“ Wosab avancierte als Doppel-Torschütze zum Garanten des Sieges.
Im folgenden März gab es das Rückspiel im Stadion Rote Erde, das 33.000 Besucher in die „Kampfbahn“ lockte: Der aktuelle Spitzenreiter BVB trat gegen seinen ärgsten Verfolger FC Bayern an.
Es entwickelte sich eine Spitzenpartie von Rang. Alles lief wie am Schnürchen bei den Schwarz-Gelben. Bis zur Halbzeit konnte sich Bayerns Keeper Sepp Maier mit mehreren Glanzparaden nach Schüssen von Libuda, Emmerich, Held und Wosab auszeichnen und das 0:0 halten.
Nach dem Pausentee kam der BVB mit noch größerem Elan zurück und berannte die „Festung“ Bayern München. Schon 60 Sekunden nach dem Wiederanpfiff klingelte es zum ersten Mal im gegnerischen Gehäuse. Lothar Emmerich hämmerte das Leder nach einem formvollendeten Hechtsprung per Kopf unhaltbar in die gegnerischen Maschen. Ein fast identisches Kunststück vollführte  die „Emma“ genau 20 Minuten später: 2:0. Als logische Konsequenz des überragenden BVB-Auftritts markierte Siggi Held in der 84. Minute das 3:0 und sorgte damit für den Endstand.

In der Schlusstabelle ihrer ersten Bundesligasaison belegten die Bayern einen sehr beachtlichen dritten Platz. Unmittelbar vor ihnen war allerdings der BVB angesiedelt, der hinter dem  TSV 1860 München deutscher Vizemeister geworden war.
Für den BVB folgte im Mai ein Meilenstein der Clubgeschichte mit entsprechenden Auswirkungen auf den gesamten deutschen Vereinsfußball: Englands Pokalsieger  FC Liverpool wurde im Glasgower Hampdon-Park mit 2:1 besiegt und die Borussia damit der erste deutsche Europapokalsieger aller Zeiten. Der Siegtreffer fiel in Minute 106. Das war der größte Erfolg des deutschen Fußballs seit dem WM-Triumph 1954 über die Ungarn!
Der FC Bayern München seinerseits gewann knapp einen Monat später den DFB-Pokal mit einem 4:2-Sieg über den MSV-Duisburg und wurde damit Nachfolger des BVB, der den Pokal 1965 gewonnen hatte.
Und auch im Europapokal der Cupsieger folgte selbiger FC Bayern en Jahr später dem BVB nach: Gegen die Glasgow Rangers siegte man durch ein Tor von „Bulle“ Roth mit 1:0 in der Verlängerung. Mit ihrem Siegtreffer in der 108. Minute ließen sich die Bayern nur einen Wimpernschlag mehr Zeit als der BVB zwölf Monate zuvor.

Mit diesen Europapokalsiegen befruchteten die beiden Spitzenclubs der Bundesliga den europäischen Fußball nachhaltig. Weitere internationale Titel sollten bekanntlich folgen...
Nachdem der BVB die beiden ersten Bundesliga-Spiele der gemeinsamen Fußball-Historie recht deutlich zu seinen Gunsten entschieden hatte, folgte Anfang Dezember 1966 in München die erste, wenn auch knappe Niederlage: Durch ein Tor von „kleines dickes Müller“, wie Tschik Cajkowski seinen einmaligen Goalgetter liebevoll nannte, siegten die Gastgeber nicht ganz verdient mit 1:0.
Herausragende Akteure waren auf Seiten der Münchener Franz Beckenbauer, der Zauberpässe schlug, und Dieter „Hoppy“ Kurrat, der einen außergewöhnlich guten Tag erwischt hatte und als der große Stabilisator in der BVB-Hintermannschaft wirkte.

An dieser Stelle werden an einigen Jahrestagen von schwarzgelben Ereignissen kurze Geschichten oder Anekdoten veröffentlicht, die in Zusammenarbeit mit der AG Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung entstanden sind.