22/23, Bundesliga, Bundesligasaison, Borusseum
Donnerstag, 26.01.2023, 1. Fussball - Bundesliga Saison 22/23 - Tag gegen das Vergessen: Dortmunder Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Hansa-Platz .BV Borussia Dortmund..Copyright:.Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA.Rheinlanddamm 207-209.44137 Dortmund
27.01.23

Sonstige

BORUSSEUM erinnert an vier mutige Dortmunder Frauen im Widerstand

Zum „Tag gegen das Vergessen“, an dem der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und der Millionen Opfer des Naziregimes gedacht wird, lud das BORUSSEUM zu einer Erinnerungsveranstaltung in den SIGNAL IDUNA PARK. Thema am Donnerstagabend war „Dortmunder Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“.

Der Raum „Hansaplatz“ im SIGNAL IDUNA PARK war gut gefüllt. 300 Zuhörer waren gekommen, darunter auch das BVB-Präsidium um den Vereinspräsidenten Dr. Reinhold Lunow. Im Publikum sah man auch etwas Schwarzgelb, um Fußball ging es an diesem Abend aber nicht. Im Stadion war es leise, stilles Gedenken statt lauter Anfeuerungsrufe. „Die Widerständigen hat es gegeben, am Borsigplatz und anderswo. Und daran wollen wir heute erinnern“, sagte Wilfried Harthan von der AG Tradition der Fan- und Förderabteilung des BVB. 

„Sie begaben sich in Gefahr, in große Gefahr, häufig sogar in Lebensgefahr und sie wussten um das, was ihnen drohte, wenn man ihnen auf die Spur kam“, sagte der Historiker Dr. Rolf Fischer über die Menschen, die sich damals gegen den Nationalsozialismus stellten. „Widerstand war nur mit großem Risiko für das eigene Leben und die Sicherheit der eigenen Familie verbunden.“ Charlotte Temming, Martha Gillessen, Johanna Melzer und Marga Spiegel – vier mutige Dortmunderinnen gingen das Risiko ein. Sie blieben standhaft und widersetzten sich dem Regime. Zwei von ihnen waren in die konspirative Arbeit der verbotenen Kommunistischen Partei eingebunden, die zwei anderen waren als Jüdinnen der rassistischen Judenverfolgung der Nationalsozialisten ausgesetzt. 

Untrennbar verbunden

„Seht sie euch an,
Die zum Kriege hetzen,
Seht sie euch an,
Die vom Heldentum schwätzen.“ 

So beginnt das Gedicht „Kriegshetzer“ von Charlotte Temming, die als Jüdin und Kommunistin gleich doppelt bedroht war. Ein Teil des Gedichts wurde bei der Gedenkveranstaltung vorgetragen ebenso wie ein Brief an ihre Schwester, in dem sie schilderte, wie sie das Kriegsende unter dramatischen Umständen erlebt hatte. Zunächst hatte Charlotte Temming sich in Dortmund versteckt, um dem Abtransport in den Osten zu entgehen. Anschließend wäre sie fast der Gestapo in die Hände gefallen, die nach ihr gesucht hatte, weil sie einer illegalen Widerstandsgruppe angehörte, der sich auch BVB-Platzwart Heinrich Czerkus und Vereinsmitglied Franz Hippler angeschlossen hatten. Schließlich fand Temming Unterschlupf im Sauerland, wo sie später bei einer Hausdurchsuchung fliehen musste. Zurück in Dortmund versteckte sie sich bis zum Kriegsende in einem Keller. 

Ab 1944 war ihr Lebensweg eng mit dem von Martha Gillessen verbunden, die der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) angehörte und als entschiedene Hitler-Gegnerin Flugblätter verteilte. Sie floh ebenfalls ins Sauerland und bot anderen verfolgten Personen Unterschlupf an, darunter auch Charlotte Temming. Diese schrieb über die später verhaftete Martha Gillessen: „Sie hatte ihre Widerstandsaktivitäten erkennbar aus eigener Initiative betrieben, vor allem aber hatte sie einer Jüdin zur Flucht verholfen. Und das wurde ihr nicht verziehen. Sie wurde auf das Übelste beschimpft, misshandelt und schließlich brutal ermordet. In der Bittermark hat sie ihre letzte Ruhestätte gefunden, zusammen mit Heinrich Czerkus, Franz Hippler und ihren anderen Kameraden von der Dortmunder Widerstandsgruppe.

Bereit, Opfer zu bringen

Auch Johanna Melzer war Mitglied der KPD. Sie organisierte Streiks und verteilte Flugblätter, bevor sie verhaftet wurde. „Ich lebe und kämpfe für meine Überzeugung und bin bereit, dafür auch schwere Opfer zu bringen“, schrieb sie in einem Brief aus dem Gefängnis an ihre Familie. Johanna Melzer war zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Nach dem Krieg schilderte sie in einem Brief an die Militärbehörde die Misshandlungen, die ihr in der Dortmunder Steinwache widerfahren waren.  

Die Jüdin Marga Spiegel lebte mit ihrer Familie zwischenzeitlich in einem Judenhaus in Dortmund, anschließend zogen sie ins Hoesch-Viertel. Die Familie Spiegel wurde später im Münsterland von Bauern versteckt, wo sie sich unter falschem Namen als ausgebombte Dortmunder ausgaben. Als einzige jüdische Dortmunder Familie überlebte sie so den Krieg. Auch aus ihrem Buch „Retter in der Nacht“, in dem sie ihre Lebensgeschichte erzählt hat, wurde vorgelesen. 

Die Lesungen von Kirstin Zeidler, Käthe Kraus und Charlotte Claaßen gaben den Frauen eine Stimme und sorgten für Gänsehaut im Publikum. Begleitet wurde der Abend musikalisch von Dr. Maik Hester und Peter Sturm, die mit ihren Interpretationen für weitere bewegende Momente sorgten. Der Abend schloss mit „Schließ Aug und Ohr für eine Weil“, dem Lieblingslied der Widerstandskämpferin Sophie Scholl.

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