BVB-Spieler feiern nach Abpfiff auf dem Rasen des Olympiastadions die deutsche Meisterschaft.

Deutscher Meister 1955/56

Im Juni 1956 steht Borussia Dortmund im Finale um die Deutsche Meisterschaft und trifft im Berliner Olympiastadion auf den Karlsruher SC. Mit einem überzeugenden 4:2-Sieg sichert sich der BVB den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Fakten zum Finalspiel

24. Juni 1956
Borussia Dortmund – Karlsruher SC 4:2
Stadion: Olympiastadion (Berlin)
Zuschauer: 75.000

Borussia Dortmund: Heinrich Kwiatkowski – Helmut Bracht, Wilhelm Burgsmüller, Herbert Sandmann, Max Michallek – Alfred Kelbassa, Elwin Schlebrowski, Alfred Niepieklo – Wolfgang Peters, Alfred Preißler, Helmut Kapitulski
Trainer: Helmut Schneider

Karlsruher SC: Rudi Fischer – Max Fischer, Walter Baureis, Siegfried Geesmann – Heinz Ruppenstein, Kurt Sommerlatt, Herbert Dannenmeier – Oswald Traub, Heinz Beck, Ernst Kunkel, Bernhard
Termath Trainer: Adolf Patek

Tore: 0:1 Ernst Kunkel (10.), 1:1 Alfred Niepieklo (15.), 2:1 Alfred Kelbassa (26.), 3:1 Alfred Preißler (53.), 4:1 Wolfgang Peters (57.), 4:2 Wilhelm Burgsmüller (66., Eigentor)

Schiedsrichter: Albert Dusch (Kaiserslautern)

Adi Preißler hebt die Meisterschale in den Himmel.

Nach drei vergeblichen Anläufen auf die Meisterschaft (Vizemeisterschaft 1949, Achtelfinale 1950 und Vorrunde 1953) qualifizierte sich der BVB 1956 abermals für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Nach der Vorrunde gegen den Hamburger SV, den VfB Stuttgart und Viktoria Berlin zog der BVB ins Finale ein und traf dort auf den Karlsruher SC.

Wegen der kurzfristigen Vergabe des Finales gab es kaum passende Stadien. Die Wahl fiel schließlich auf das geteilte Berlin. Ein Grund für die Vergabe des Finales nach Berlin war bestimmt auch die veränderte politische Lage. Aufgrund des schlechten Wetters gab es erstmals seit Jahren wieder Karten für das Finale an der Tageskasse. 5.000 BVB-Anhänger begleiteten die Mannschaft nach Berlin, wo 75.000 Besucher das Olympiastadion füllten. Ein weiterer Grund für den schleppenden Verkauf war die Befürchtung, dass durch den klaren Favoriten Borussia Dortmund das Finale recht einseitig würde. Auch hätten die neutralen Berliner Fans lieber einen Gegner von Format gesehen als den Überraschungsfinalisten Karlsruher SC.

Seit den Morgenstunden hatte es in Berlin geregnet. Erst kurz vor dem Anpfiff hörte der Dauerregen auf. Die Frage war, welche Mannschaft besser mit dem schweren Rasen zurechtkommen könnte. Die kämpferischen Karlsruher oder die technisch beschlagenen Dortmunder? Bei den Aufstellungen gab es keine großen Überraschungen. Die Dortmunder spielten mit ihrer Stammmannschaft (Kwiatkowski, Burgsmüller, Sandmann, Schlebrowski, Michallek, Bracht, Peters, Preißler, Kelbassa, Niepieklo, Kapitulski). Der Karlsruher Trainer Patek schickte folgende Mannschaft auf den Platz: Dannemaier, Sommerlatt, Termath, Kunkel, Beck, Ruppenstein, Geesmann, Traub, Max Fischer, Kapitän Baureis und Torwart Rudi Fischer. 

Wer auf einen Durchmarsch der Borussen gehofft hatte, wurde enttäuscht. Die ersten Torchancen hatten die Karlsruher durch Sommerlatt und Kunkel. Die Dortmunder wurden früh gestört, und so war die Führung der Karlsruher nicht überraschend. In der neunten Minute erlief Kunkel einen Steilpass von Ruppenstein, ließ Michallek und Schlebrowski, die sich gegenseitig behinderten, stehen und schoss am machtlosen Kwiatkowski zur Führung ein. Und wieder eine Überraschung: Nicht die Karlsruher wurden durch diesen Treffer beflügelt, sondern die Borussen. Preißler lenkte nun das Spiel in gewohnter Weise und leitete das Angriffsspiel. Unübersichtlich wurde es in der 15. Minute im Strafraum des KSC. Nach einem Schuss von Kapitulski bekam Max Fischer den Ball an die Hand. Das Spiel lief trotzdem weiter, der Ball kam auf rechts zu Niepieklo, der aus sechs Metern ins lange Eck schoss und Torhüter Rudi Fischer keine Chance ließ. 

Spielszene aus dem meisterschaftsfinale 1956.

Nach dem Treffer wurden die Borussen immer selbstbewusster und blieben spielbestimmend. Dann aber in der 21. Minute eine große Chance für Termath, der das Tor aber um wenige Zentimeter verfehlte. Auf der anderen Seite war es dann Baureis, der vor dem völlig freien Kelbassa den Ball gerade noch über die Latte bekam und zur Ecke klärte. Bei dieser Ecke macht Torwart Fischer eine unglückliche Figur, und Kelbassa musste in der 27. Minute nur noch den Ball ins Tor einnicken. 2:1 für Borussia! Die Schwarzgelben ließen nicht locker und erarbeiteten sich weiterhin Chancen. In der 43. Minute nahm sich Jockel Bracht ein Herz und verfehlte das Tor aus 16 Metern nur um Haaresbreite. Das hätte die Vorentscheidung sein können.

Nach dem Wechsel hatte wieder der KSC die erste Großchance. Traub flankte in den Strafraum, Beck legte ab auf Sommerlatt, wurde aber durch Schlebrowski gestört. Der Ball gelangte zu Kunkel, dessen Weitschuss von der Strafraumgrenze von Kwiatkowski an den Pfosten gelenkt werden konnte und von da ins Aus ging. Die Karlsruher blieben am Drücker. In der 52. Minute hatte Beck die Chance zum Ausgleich. Aber er bekam den Ball nach einem Dannenmaier-Freistoß nicht unter Kontrolle und köpfte ihn auf das Tornetz. 

Die Borussen machten es besser. In der 53. Minute hatten sie die erste Chance in der zweiten Hälfte und machen daraus gleich das 3:1. Ein Fernschuss von Preißler wurde von Geesmann so unglücklich abgefälscht, dass Torhüter Fischer keine Abwehrchance hatte. Dieses Tor verunsicherte den Torhüter so stark, dass er nur kurz danach die Vorentscheidung verursachte: Halbhoch zirkelte Kelbassa einen Freistoß hart in Richtung KSC-Tor. Obwohl der Ball direkt auf Torwart Fischer ging, ließ er ihn nach vorne abprallen. Diese Chance nutzte Peters zum 4:1. 

In der 66. Minute fiel doch noch der Anschlusstreffer. Eine harmlose Flanke von Beck, die Kwiatkowski gerade aufnehmen wollte, wurde durch Burgsmüller an dem völlig verdutzten Torhüter vorbei ins eigene Tor gelenkt. Die Badener blieben am Drücker, aber erspielten sich bis zur 75. Minute keine richtige Torchance mehr. Dann aber eine hochkarätige: Termath erhielt den Ball völlig freistehend, versuchte noch Burgsmüller zu umspielen, aber dadurch versprang ihm der Ball, und aus dem Schussversuch wurde nur ein Schüsschen. Bei den seltenen Entlastungsangriffen der Borussen springen in der Schlussphase noch zwei Chancen heraus. Kurz vor Schluss haben sie Glück, dass Schiedsrichter Dusch Kelbassa nicht vom Feld stellt. Der hielt den davonziehenden Baureis fest, kassierte aber nur eine strenge Ermahnung. Das Spiel war gelaufen, die Borussen halten den Ball in den eigenen Reihen. Nach dem Schlusspfiff verwandelte sich das Berliner Olympiastadion in ein schwatzgelbes Fahnenmeer. 

Jubel nach dem Abpfiff im Olympiastadion.

Endlich hatte der BVB die Meisterschaft errungen. Spieler und Trainer mussten sich Tränen wegdrücken. Bei der Siegerehrung lobte der DFB-Vorsitzende Dr. Bauwens Adi Preißler als echtes Vorbild für junge deutsche Fußballer. Einzig Max Michallek machte sich Sorgen: Da er sich im Spiel eine Rippenverletzung zugezogen hatte, musste er zum Röntgen ins Krankenhaus und fürchtete, den Umtrunk zu verpassen.

Tags darauf trafen die „Helden aus Berlin“ um 19 Uhr in zwei Bundesbahn-Sonderzügen am Dortmunder Hauptbahnhof ein. Als Adi Preißler aus dem Waggon stieg, gab es kein Halten mehr. Alleine 80.000 waren am Dortmunder Bahnhof, insgesamt waren wohl 250.000 Menschen an den Straßenrändern, als die Spieler zum Borsigplatz gebracht wurden. Am Abend gab „Adi“ das Versprechen ab, dass die Meisterschale in Dortmunds Mauern heimisch werden müsse.

Ein Jahr später war es dann wieder so weit, aber das ist dann eine andere Geschichte.

Fritz Lünschermann

Alfred „Adi“ Preißler führte Borussia Dortmund zu Ruhm und Glanz. Sein Name steht für die erste Goldene Epoche der Vereinsgeschichte, die 1947 mit dem Machtwechsel im Revier begann und zehn Jahre später mit der zweiten Deutschen Meisterschaft in Serie endete.

„Spiritus rector“ der 56er- und 57er-Meisterelf der Borussia, genialer Spielmacher und gleichzeitig Schütze wichtiger Tore in einer Mannschaft, in der er gemeinsam mit Alfred Kelbassa und Alfred Niepieklo das legendäre Innensturm-Trio Die drei Alfredos bildete: Alfred „Adi“ Preißler, geboren am 9. April 1921 in Duisburg, war der erste Borusse, der die Meisterschale emporrecken durfte, der gleichzeitig versprach, dieses im folgenden Jahr nochmals zu tun – und das Versprechen hielt! Mensch, was war der Mann doch ein unglaublich liebenswerter Kerl und zugleich auf dem Feld ein Imperator, dem seine Mitspieler bereitwillig folgten.

Die fußballerische Heimat dieser überragenden Spielerpersönlichkeit hieß Borussia Dortmund. Von Duisburg 1900, für das er von 1936 bis 1939 am Ball war, über WSG Minden (1939-45) und Husen 19/SuS Kaiserau (45- 46) gelangte er anno 1946 erstmals an den Borsigplatz, wo er zunächst für vier Jahre verblieb.

Deutschland, vor allem das Kohle und Stahl produzierende Ruhrgebiet, lag nach dem 2. Weltkrieg in Schutt und Asche. In Dortmund-Husen, bei einem „zweit-, ja drittklassigen Verein“, entdeckten Borussias Talentsucher den gebürtigen Duisburger, den es nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft nach Dortmund verschlagen hatte: „Ich spielte vielleicht vier oder fünf Wochen dort, da hatte sich bereits in der ganzen Stadt herumgesprochen: Da draußen, da ist einer, der macht Tore, das ist ein klasse Fußballer oder so ähnlich. Und schon standen die Herren von Borussia bei mir auf der Matte“, erzählte Preißler im November 1996 dem damaligen BVB-Monatsmagazin „Borussia live“.

Die frühen Nachkriegsjahre waren hart. „Da gab’s in den Städten kaum etwas zu essen. Und da haben wir oft im Paderborner Land oder im Münsterland gespielt, sind dann ein oder zwei Stunden vor dem Spiel da gewesen und haben erstmal sieben, acht Torten weggeputzt. Und nach dem Spiel gab‘s dann eben kein Geld, sondern für jeden Spieler einen halben Zentner Kartoffeln, ein Stück Speck oder andere Lebensmittel. Meistens haben wir dann sozusagen zum Dank bei 7:0 oder 8:0 einen Gang zurückgeschaltet.“

Adi Preißler Portrait.

Zweimal wurde der durch diese Landpartien gestärkte Preißler dann Torschützenkönig der Oberliga West (1948/49 und 1949/50) – und griff 1949 erstmals nach der „Viktoria“, doch in der Hitzeschlacht von Stuttgart mussten sich seine Borussen nach 120 Minuten dem VfR Mannheim mit 2:3 geschlagen geben.

Nach einem finanziell verlockenden zweijährigen Zwischenspiel bei Preußen Münster, wo er 1951 Deutscher Vizemeister (1:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern) wurde, kehrte er zu seinem BVB zurück, für den er bis zu seinem Karriereende 1959 sehr erfolgreich agierte. In 294 Oberligaspielen erzielte der Mann mit der „hohen Stirn“ 175 Tore. In 28 Endrundenspielen traf er 19-mal. In zehn Europapokalpartien schoss er acht Treffer. Der Kapitän der 56-er und 57-er Meistermannschaft drückte seine tiefe Zuneigung zum BVB so aus: „Die schönsten Farben der Welt sind Schwarz und Gelb.“ Über den Fußball philosophierte er folgendermaßen: „Grau ist im Leben alle Theorie – entscheidend ist auf‘m Platz!“ Eine Weisheit für die Ewigkeit!

„Adi war nicht nur ein hervorragender Techniker, der auch viele Tore für uns erzielte. Er war der Boss unserer damals tollen Mannschaft“, sagt Willi Burgsmüller, dreimaliger Deutscher Meister und Rechtsverteidiger der 56-/57-er Elf, und neben Helmut Kapitulski der letzte Überlebende aus dieser Zeit. Kapitulski, Linksaußen dieser doppelten Meistermannschaft, spricht heute noch in höchsten Tönen über den Kapitän. Am Telefon betonte er: „Adi war ein angenehmer Mensch. Auf dem Platz hatte er das Sagen. Er war unser Dirigent und Torjäger.“

Beginnen wir ganz von vorn! Vater Alfred, ein gelernter Maurer, der im 2. Weltkrieg fiel, und Mutter Klara freuten sich am 9. April 1921 über die Geburt des neuen Stammhalters. Alfred junior wuchs in Duisburg auf und erlernte den Beruf des Mechanikers bzw. technischen Angestellten. Knapp fünf Monate nach seinem 18. Geburtstag läutete das Deutsche Reich mit einem Donnerhall den 2. Weltkrieg ein, der Adi und Millionen anderen Menschen Leid, Not und Elend bringen sollte. Die Fußballer-Laufbahn schien passé, vielmehr musste der junge Rekrut mit in den Russland-Feldzug ziehen. Gottlob kehrte er zurück. Und kurz darauf heiratete er eine Dortmunderin. Mit Ruth stellte sich auch der erste Nachwuchs ein: Töchterchen Monika.

Als quasi „Spätberufener“ jagte der mittlerweile 25 Jahre alte Ball-Virtuose dem runden Leder hinterher und gewann am 18. Mai 1947 mit seinen Borussen auf der Sportanlage von Westfalia Herne, dem „Schloß Strünkede“, durch einen 3:2-Sieg die Westfalenmeisterschaft gegen Schalke 04. Die Phalanx der Knappen war gebrochen. Von nun an regierte Schwarzgelb im „Pott“. Aber die ganz große Zeit des Adi Preißler sollte erst noch kommen. 

Adi Preißler beim Einlauf.

In der Spielzeit 1952/53 errangen die Borussen die vierte von sechs westdeutschen Meisterschaften. So ging es wieder in die berühmten Endrundenspiele. Neben dem BVB waren der Berliner Vertreter Union 06, der Abonnementmeister der Oberliga Nord, Hamburger SV, und der Südvertreter VfB Stuttgart, drei Jahre zuvor Deutscher Meister geworden, in der Gruppe. Nach fünf siegreichen Spielen der Dortmunder kam es dann am 7. Juni 1953 im Stuttgarter Neckarstadion zum alles entscheidenden Spiel um den Einzug ins Finale. Der VfB, zuvor viermal siegreich in den Gruppenspielen und nur in Dortmund 1:2 unterlegen, gewann letztlich 2:1. Bei jeweils 10:2 Punkten (alte Zwei-Punkte-Regelung) entschied der Tor-Quotient bei 16:6 Treffern der Schwaben gegenüber 17:7 der Westfalen um Mückenflügelbreite von 0,23 Treffer zugunsten der Baden-Württemberger. Nach heutigen Kriterien, der Zahl der mehr geschossenen Tore, wäre der BVB als Erster durchs Ziel gegangen.

Adi und seine Borussen mussten bis zum großen Wurf noch warten. Doch die Spielzeiten 1955/56 und 1956/57 gehörten ihnen. Als Oberliga-Westmeister erreichten die nun von Helmut Schneider trainierten Männer vom Borsigplatz die Endrundenspiele und gelangten über Stuttgart, Viktoria Berlin und den Hamburger SV am 24. Juni 1956 in Berlin ins Finale gegen den Karlsruher SC. Mit überlegener Spielkunst und durch Treffer der „drei Alfredos“ (Niepieklo, Preißler und Kelbassa) sowie „Sully“ Peters bescherte der 4:2-Erfolg erstmals in der BVB-Vereinsgeschichte den begehrten „Kuchenteller“. Und Adi frohlockte: „Den holen wir uns im nächsten Jahr wieder!“

Solche Ankündigungen sollte man tunlichst vermeiden. Das lag dem Mann, dem nachgesagt wurde, dass er ein Spiel lesen könne, aber fern. Schließlich hatte jeder Spieler 1000 Deutsche Mark für den Titelgewinn erhalten. Am Abend vor der Partie hatte man noch vergeblich bei einem Kino-Besuch ein paar Pfefferminz-Rollen kaufen wollen, was der damalige Kassierer namens Sack (Nomen est omen) mit der Begründung abgelehnt hatte: „Wie soll ich das verbuchen?“ 

Die drei Alfredos.

In der Spielzeit 1956/57 erlebte Fußball-Deutschland eine Besonderheit. Der BVB durchlief nach der sechsten Oberliga-Meisterschaft nicht nur die Endrundenspiele gegen die Offenbacher Kickers (2:1), den 1. FC Kaiserslautern (3:2) und Hertha BSC Berlin (2:1) ohne Fehl und Tadel, sondern besiegte am 23. Juni 1957 im Endspiel in Hannover den Hamburger SV mit 4:1 – in der gleichen Aufstellung wie im Vorjahr. Die Treffer erzielten Niepieklo (2) und Kelbassa (2).

Adi hatte Wort gehalten.

Adi Preißler Begrüßung nach Meisterschaft 1956.

Und er hatte zum zweiten Mal sein privates Glück gefunden. Ingrid, auch eine Dortmunderin und glühende BVB-Anhängerin, wurde seine große Liebe. Zwei Söhne, Al (Kurzform aus Alfred und Michael) und Kai, komplettierten das Familienglück. Die Schar der Enkelkinder (Miriam, Philipp und Sina sowie Nele) erfreute den zwischenzeitlich in den „Ruhestand“ getretenen Altmeister. 

Zurück zum Fußball. Die meisten Spieler waren zwischenzeitlich in die Jahre gekommen. Und so bahnte sich ein Generationswechsel an. Der Kapitän dieser großen Mannschaft beendete 1959 seine aktive Laufbahn. Dass Preißler, dieser geniale Fußballer, nur zu zwei Länderspieleinsätzen gekommen war, hatte zwei Gründe. Zum einen nahm der 2. Weltkrieg dem lebensfrohen Mittelfeldstrategen schönste Fußballer-Jahre, zum anderen setzte Bundestrainer Sepp Herberger in den 50er Jahren ausschließlich auf Fritz Walter in der Rolle des Spiellenkers. Seine große Kompetenz um das runde Leder gab „Adi“ später noch als Trainer weiter, unter anderem bei Rot-Weiß Oberhausen, wo ihm 1969 der Bundesliga-Aufstieg gelang. Mit Borussia Neunkirchen wurde er 1972 Südwestmeister. Der Aufstieg blieb den Saarländern leider verwehrt.

Adi Preißler als Trainer.

Nach einigen weiteren erfolgreichen Trainerstationen in der hiesigen Region und der Beendigung seiner Tätigkeit als hauptamtlicher Sportlehrer im Jugenddorf Moers kam Adi Preißler abermals als Spätberufener zum BVB zurück. 71-jährig, im Jahre 1992, wurde er als Mitglied des Ältestenrates wieder in den Kreis der alten Kameraden aufgenommen. Sein Wort hatte sofort wieder Gewicht. Er plädierte für einen offensiven Spielstil. „Ich war Halbstürmer, das heißt ich habe immer direkt hinter den eigentlichen Spitzen gespielt. Die beiden Halbstürmer waren meistens die sogenannten Spielmacher, und dann hatten wir noch drei Spitzen, den Rechtsaußen, den Linksaußen und den Mittelstürmer. Das ist vielleicht der größte Unterschied zwischen damals und heute. Der Fußball war viel offensiver, und so hat, glaube ich, der Zuschauer früher oft schönere Spiele gesehen, in denen offensive Fußballkunst geboten wurde. In der heutigen Zeit sind manche Vereine schon stolz, wenn sie mit zwei Spitzen spielen, nach dem Motto: Bloß hinten keinen reinkriegen! So haben sich die Systeme gewandelt. Aber interessanter ist doch, wenn viele Tore fallen.“ 25 Jahre sind die Sätze alt. Sie haben nichts an Aktualität verloren.

Nichts an Aktualität verloren hat für alle Borussen der 24. Juni.

Wir schreiben das Jahr 1989. Ein heißer Sommertag in Berlin. In wenigen Stunden wird das DFB-Pokal-Endspiel zwischen Borussia Dortmund und dem haushohen Favoriten Werder Bremen im Olympiastadion angepfiffen. Ganze Legionen in Schwarz und Gelb haben sich über die damals noch vorhandene Grenze zwischen Ost und West in Richtung der geteilten Stadt aufgemacht, um das Spektakel mitzuerleben.

Im „Hotel Hamburg“, wo die Meister von einst – 1956/57-er, die 63-er, die 65-er Pokalsieger und die 66-er Europacup-Gewinner – ihr Quartier bezogen haben, herrscht reges Treiben. Sie verdauen die Vorabend-Feier, wo kein Auge trocken geblieben war. Borussia hat sie eingeladen, die Männer, die den Verein berühmt gemacht haben. Hier wird Tradition gelebt. Der BVB erweist seinen Helden ihnen gebührende Ehren.

24. Juni – da war doch etwas! Genau! 33 Jahre zuvor, anno 1956, hatten Adi Preißler und seine Kameraden den ersten Meistertitel in Berlin gewonnen. Nun griff der „Malocher-Klub“ nach 23-jähriger Titel-Abstinenz wieder nach einer Trophäe.

Ich treffe im Foyer Adi Preißler. „Junge, das ist ein Wink des Schicksals“, gibt er mit einem verschmitzten Lächeln zum Besten – und setzt noch einen drauf: „Der Michael (gemeint ist Kapitän Zorc) wird den Pott mit nach Hause bringen. Die Jungs sind gut drauf, da läuft jeder für den anderen – genau wie wir damals.“ Damals hatten die Männer, die im doppelten Sinne des Wortes „die Kohlen aus dem Feuer“ holen mussten, einen 0:1-Rückstand gegen den Karlsruher SC wettgemacht. „Da haben wir dann aber richtig aufgedreht“, erinnert sich der Stratege von einst an das spätere 4:2. Die Partie an diesem Tage wird ein Spiegelbild werden. Die Borussen machen aus einem 0:1 ein 4:1 und versetzen eine ganze Region in einen Rausch.

Apropos Rausch. Die Feier nach dem Titelgewinn wird heftig. Adi ist mittendrin Wie die anderen auch. Am Tag darauf geht es wieder zurück in die Heimat. Theo Redder erinnert sich: „Wir waren ja mit dem Zug angereist und mussten mit dem Zug auch wieder zurück. Am Bahnhof musste ich noch einmal für kleine Mädchen. Ich bat Adi, auf meinen Koffer aufzupassen. Als ich zurückkam, war der Koffer weg. Adi hatte beim Erzählen und Fachsimpeln mit Gott und der Welt den Koffer nicht im Auge behalten. Ich fand ihn dann doch noch wieder. Na ja, so war der Adi.“

Ja, wenn der Adi erzählte ... 

Nach dem Tod seiner geliebten Ingrid quartierte er sich in ein Seniorenheim in Duisburg ein. Und kurz darauf war der prominente Mitbewohner heiß begehrt, wenn er die Dönekes von damals zelebrierte. Die Zuhörerschar erhielt Einblicke in zahlreiche Geschichten aus dem Fußballer-Leben eines Mannes, der das Herz auf dem rechten Fleck trug.

Die Wertschätzung des Mannes, der neben Max Michallek Kultstatus in den goldenen 50er-Jahren der Borussia erlang, sieht man heute noch am Trainingsgelände des BVB. Die herrliche Anlage liegt an der „Adi-Preißler-Allee“. Michael Zorc sagt dazu: „Respekt und Hochachtung gegenüber unserem einstigen Meisterspieler, dem mit Recht die Namensgebung der Zufahrtstraße zu unserem Trainingszentrum zuteil wurde.“

Alfred Preißler, einer der größten Borussen aller Zeiten, starb am 15. Juli 2003 im Alter von 82 Jahren.

Fritz Lünschermann

 

„Adi Preißler war nicht nur ein überaus erfolgreicher Dirigent unserer Meistermannschaften der 50er-Jahre, er hat auch wie kein Zweiter den Geist von Borussia Dortmund gelebt.“
– Ehrenpräsident Dr. Reinhard Rauball

Adi Preißler mit seiner Wachsfigur im BORUSSEUM.