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Die Hexerin im Handball-Tor – Yara ten Holte im Interview

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Sie ist vielseitig, und vielschichtig. Leistungssportlerin und Studentin. Bei Instagram, genauso wie bei LinkedIn. Vor allem aber ist Yara ten Holte noch immer jung, unfassbar jung. Mit 14 debütierte sie schon in der ersten Liga der Niederlande. Heute, mit gerade mal 23 Jahren, hütet sie das Handballtor von Borussia Dortmund. 

Als sie ankam, im Sommer 2018, standen hier noch Welttorhüterin Clara Woltering und Landsfrau Rinka Duijndam zwischen den Pfosten. Ten Holte war damals Lehrling; bereit für den nächsten Schritt und bereits fokussiert auf ihr Ziel. Inzwischen ist sie selbst die Hexerin, an der die Gegnerinnen verzweifeln. Ein Gespräch über körperliche Kraft, mentale Stärke und innere Ruhe. 

Wir treffen uns am Hengsteysee, weil das Wasser ihr Ruhe gibt. Yara ten Holte hat sich diesen Ort ausgesucht. Für unser Gespräch und die Fotos aber erklimmen wir die Hohensyburg, weil die Kulisse zu ihr als Handballtorhüterin passt. Wir sitzen nicht an der Ruine, sondern am Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Ein Mensch auf seinem Pferd, vor Kraft und Stärke strotzend. Damit sind zugleich die beiden Pole benannt, zwischen denen die 23-Jährige lebt. 

Yara, wir wollten uns an einem Ort treffen, der Dir Ruhe bietet, an dem Du Kraft tanken kannst – warum sind wir ausgerechnet hier?
„Weil ich hier am See einfach mal weg sein kann, weg von allem. An einem freien Tag oder noch abends nach dem Training schnappe ich mir mein SUP (Stand-Up- Paddling (-Board), d. Red.) und gehe an den See; manchmal alleine, lieber mit Freunden. Dann geht es um andere Themen als Handball. Das ist wichtig. Es lenkt mich ab und ich komme zur Ruhe.“ 

Wie oft gelingt Dir das? 
„Im Sommer jede zweite Woche, im Winter gehe ich eher in der Nähe meiner Wohnung spazieren.“ 

Damit sind die Orte der Ruhe definiert, das Wo. Wer aber gibt Dir Kraft und Stärke? 
„Mehrere Menschen. Zuerst natürlich meine Familie. Meine Eltern sind fast bei jedem Heimspiel da. Das schätze ich sehr! Meine Freunde aus Dortmund sind auch immer dabei und geben mir die Ablenkung, die ich brauche. Freunde aus der Uni sind zwar etwas weiter weg, sorgen aber über verschiedene Kanäle für Entspannung.“

Hast Du täglich Kontakt zur Familie? 
„Ja, mit meinen Eltern habe ich jeden Tag Kontakt. Mittlerweile gibt es ja viele Möglichkeiten, sodass man einander auch sieht. Wir sprechen oft über Facetime. Zu den Dortmunder Freunden fahre ich zwei-, dreimal in der Woche.“

Yara, als Du nach Dortmund gekommen bist, warst Du verdammt jung... 
„...ja, das stimmt...“

...wie mutig warst Du damals? 
„Sehr mutig. Andererseits war ich schon mit 14 Jahren in der ersten Liga in Holland. Nach vier Jahren, in denen ich zweimal beste Torhüterin der Liga war, hatte ich das Gefühl und das Bedürfnis, den nächsten Schritt machen zu wollen. Ich habe eine neue Herausforderung gesucht und hatte immer im Hinterkopf, dies in Deutschland oder Österreich zu tun. Ich kannte die Sprache bereits und wollte ursprünglich auch gerne – auf Deutsch – Medizin studieren. Das hatte ich mir irgendwann in den Kopf gesetzt. Beim BVB habe ich mich von Anfang an wohl gefühlt. Die Verantwortlichen haben mir zu verstehen gegeben, dass ich wirklich noch jung war und alle Zeit der Welt haben würde. Sie haben keinen Druck auf mich aufgebaut. Das war gut.“

Im Tor standen damals eine gewisse Clara Woltering und die Nationaltorhüterin der Niederlande, Rinka Duijndam. In dieser Konstellation warst Du zunächst der Lehrling.
„Ja, vor allem im ersten Jahr. Dass ich noch mit Clara Woltering spielen durfte, war eine große Ehre. Allein ihr im Spiel zuzusehen, bringt Dir schon Erkenntnis. In diesem Jahr habe ich so viel gelernt, da waren die Spielanteile nicht ganz so wichtig. Der Unterschied zwischen der ersten holländischen und der ersten deutschen Liga ist riesig. Ich hatte allein im Training genug zu lernen, das hat mir viel Ruhe gegeben.“

„Angst kann ich mir nicht leisten. Dann strahlst du das auch aus, und die Gegnerinnen schmeißen den Ball rein.“

Also ist es ein Glück, dass Clara nach ihrer Karriere nahtlos als Torwarttrainerin geblieben ist? 
„Es hat mit einem Witz angefangen. Wir haben sie irgendwann einfach gefragt: Willst Du nicht unsere Torwarttrainerin werden?“ 

Ach, Ihr seid also „schuld“? 
„Wer sie am Ende überzeugt hat, weiß ich nicht. Aber wir haben das tatsächlich einmal aktiv angesprochen und gesagt, dass wir das schon gut finden würden. Wir konnten auch neben dem Spielfeld gut mit ihr reden – und man braucht ein gutes, entspanntes Verhältnis zur Torwarttrainerin. Deshalb war ich damals sehr glücklich, als sie Ja gesagt hat.“

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Was kann Clara Dir für Dein Spiel geben? 
„Wenn ich auf mein Spiel schaue, dann bin ich manchmal noch zu unruhig und möchte zu viel auf einmal. Sie bringt mich immer zurück auf den Boden, fokussiert mich auf meine Stärken, dadurch finde ich mein Spiel und meine Ruhe wieder. Du musst bei dir sein, um gut sein zu können. Beim Handball kriegst du viele Bälle aufs Tor und kannst nicht jeden halten, das ist nun mal so – und trotzdem musst du mental stabil bleiben. Das ist nicht immer einfach, aber mit Clara an der Seite einfacher.“

Im Fußball gibt es eine landläufige Meinung zu Torwart und Linksaußen. Wie verrückt muss man aber erst sein, sich freiwillig in ein Handballtor zu stellen?! Bist Du verrückt, Yara? 
„Ja, bin ich. Die Bälle kommen mit 100 km/h auf dich zu, und deine Aufgabe ist es, deinen Körper davor zu stellen – das macht nicht jeder gerne. Aber das ist ja nicht alles, es geht auch um das psychologische Spielchen, der Gegnerin zu signalisieren, dass sie keine Chance hat, dass ich ihren Ball halten werde. Und das macht dann schon auch Spaß!“

Hast Du manchmal Angst? 
„Eigentlich nicht mehr. Das kann ich mir auch nicht leisten. Wenn du mit Angst ins Tor gehst, dann strahlst du das auch aus und die Gegnerinnen schmeißen den Ball rein. Ich darf keine Angst vor denen haben, sondern die müssen Angst vor mir haben. Das versuche ich rüberzubringen. Allein durch Ausstrahlung und gute Positionierung kann ich schon dafür sorgen, dass viele Bälle überhaupt nicht aufs, sondern neben das Tor gehen.“

Welche Rolle spielen dabei heutzutage eigentlich die grellen Torwarttrikots? Früher haben Handball-Torhüter meistens in grauen Pullovern gespielt, heute knallen sie in kräftigen Farben.
„Es gibt inzwischen tatsächlich Studien, die belegen, dass grelle Neonfarben stärker ablenken, Angst machen, die Angreifer deshalb unkonzentriert sind und neben das Tor werfen.“

Yara, Du hast vorhin schon daran erinnert, dass Du schon mit 14 Jahren in der ersten Liga gespielt hast. Warst Du immer die Beste in Deinem Jahrgang?
„Ich war immer die Jüngste in meinem Jahrgang – das hat mich immer motiviert, gut zu trainieren und besser zu werden. Torwart sein ist ein Erfahrungsfach, also musst du Erfahrungen sammeln, besser früher als später. Torwart sein musst du lernen, und du lernst es durch Trainingsstunden und Spielanteile. Mit 14 hatte ich von beidem noch nicht so viel wie eine 24-Jährige, also musste ich kämpfen, hart arbeiten – allerdings, und das war richtig und wichtig, ohne Druck.“ 

„Torwart zu sein ist ein Erfahrungsfach, also musst du Erfahrungen sammeln, besser früher als später.“ 

Wie war das damals in Dalfsen? Erzähl mal. 
„Ursprünglich war vereinbart, dass ich beim SV Dalfsen mit der ersten Mannschaft trainiere und in der zweiten spiele. Doch dann wurde die Zweite aus dem Leistungssport zurückgezogen und es tauchte die Frage auf, ob ich auch direkt oben spielen wolle. Da habe ich erst einmal gezweifelt – ich war halt 14 und Dalfsen nicht gerade um die Ecke. Das war 120 Kilometer von zuhause entfernt. Ich bin jeden Tag mit dem Zug zum Training gefahren und meine Eltern haben mich jeden Abend abgeholt. Ich habe meine Eltern gefragt: Darf ich? Und sie haben geantwortet: Ja, klar, wieso nicht? Dafür bin ich noch heute sehr dankbar.“

Es hat sich jedenfalls gelohnt. Heute ist Ypsie, wie sie Yara ten Holte nennen, Nationalspielerin der Niederlande, Deutsche Meisterin, Champions-League-Spielerin. Auf dem Weg dorthin war sie immer offen für Tipps und Tricks, nahm auch ein zwischenzeitliches Zweitspielrecht für den TuS Lintfort als Chance an. Auf ihrem weiteren Weg dürfte sie ihr Lebensmotto begleiten: There will be OBSTACLES. There will be MISTAKES. There will be DOUBTERS. But with HARD WORK there are NO LIMITS. Dazu passt, was die 23-Jährige sagt, als sie für ein Fotomotiv auf eine gar nicht ganz so niedrige Mauer klettert: „Zum Glück habe ich keine Höhenangst.“ 

Yara, woran hast Du gedacht, als Du für das Foto gerade an etwas Ernstes denken solltest? 
„Das war schwierig, ich lächle doch am liebsten. Dann habe ich an Aggressionen gedacht, die ich im Spiel auch aufbaue, um den Ball halten zu können.“ 

Heißt: Du musst Aggressionen in Dir haben, um Tore verhindern zu können? „Ja, die anderen kommen verdammt schnell auf dich zu und nahe an dich heran. Da musst du die richtige Ausstrahlung haben. Ohne Explosivität kommst du nicht rechtzeitig in die Ecke, denn die Bälle fliegen schnell. Und für Explosivität brauchst du auch Aggressivität.“ 

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Wir haben eingangs darüber gesprochen, dass Du bei jedem Karriereschritt sehr jung warst. Und genau genommen bist Du immer noch sehr jung, scheinst aber schon jetzt viel Weitblick zu haben. Dein Studium der Human Movement Sciences (Bewegungs- bzw. Sportwissenschaften) an der Vrije Universiteit Amsterdam hast Du mit 22 Jahren im August bereits mit dem Master abgeschlossen. Warum war Dir das wichtig? 
„Weil wir nach dem Handball nicht davon leben können. Und ich habe immer gesagt, dass ich nebenbei auch etwas anderes machen möchte. Denn sonst lebst du nur von Training zu Training und das ist langweilig. In den vergangenen fünf Jahren habe ich zwischendurch studiert und hatte dadurch immer ein weiteres Ziel. Jetzt, da ich den Abschluss geschafft habe, stehe ich vor der Frage: Was mache ich jetzt?“

Was machst Du jetzt? 
„Jetzt genieße ich erst einmal die freie Zeit, die ich neu dazugewonnen habe. Ich spende sie Freunden und Familie.“

Körper und Geist im Gleichgewicht zu halten, ist Dir ein notwendiger Grundsatz. Warum? 
„Wenn du nur und immer an Handball denkst, dann schaffst du es nicht lange. Mit Leistungssport bist du 24/7 beschäftigt, das fängt mit dem Aufstehen an, geht über gesundes, richtiges Essen, guten Schlaf und vor allem alles, was du für den Leistungssport nicht machst, was du weglässt; all die Partys und Geburtstage, die du dadurch verpasst – wenn du dann nicht auch mal an etwas anderes denkst und anderes machst, dann wird es zu einem Muss. Es ist und bleibt aber ein Hobby, aus dem du temporär deinen Beruf gemacht hast, worauf du stolz sein kannst. Aber du musst auch mit Spaß zu diesem Beruf gehen, erst dann ist es ein normaler Job. Wenn ich also Handball spiele, ist das meine Arbeit; und in meiner Freizeit mache ich Dinge, die mir Spaß machen. Dadurch bin ich gedanklich nicht permanent beim Job, das sollte kein Mensch so machen.“  

„Jede Stufe, die ich weiter nach oben gehe, ist eine näher ans Ziel.“

Das ist ein wichtiger Punkt: Du bist nicht nur Leistungssportlerin, sondern vor allem auch ein junger Mensch.
„Ja, genau so ist es. Es gab auch mal Freunde, die diesen Unterschied nicht gesehen haben – die verliert man dann eben unterwegs. Aber die, die dich auch als Mensch schätzen, die sind mir ohnehin viel wichtiger.“ 

Jetzt hast Du Deinen Abschluss bereits in der Tasche. Hast Du auch schon eine Idee, was Du damit in Zukunft machst?
„Ich möchte sehr gerne noch Physio studieren, weil die Kombination aus Bewegungswissenschaften und Physio in Holland sehr hoch angesehen ist. Man kann den Patienten dann von A bis Z behandeln. Dafür brauche ich allerdings viele Praxiszeiten und die habe ich neben dem Handball momentan nicht. Das schaffe ich nicht. Also schaue ich mich erst mal um, ob ich nebenbei arbeiten gehe; vielleicht auf Mini-Job-Basis – oder etwas mehr. Alternativ denke ich über ein Selbststudium und Fortbildungen nach.“

Yara, wir haben über vieles gesprochen, lass uns am Ende einen Blick aufs Sportliche werfen. Du hast vorhin durch ein schwarzgelbes Fernglas ins Ruhrtal geschaut – was hast Du da für die kommenden fünf Jahre am Horizont gesehen?
„ch möchte in meiner Karriere mindestens einmal die Champions League gewinnen. Ob ich das in fünf Jahren schaffe, weiß ich nicht, es ist aber ein grundsätzliches Ziel von mir. Und 2024 sind die Olympischen Spiele in Paris; da möchte ich auch sehr, sehr gerne hin.“ 

Okay. Da trifft es sich ja gut, dass Du keine Höhenangst hast, wie Du vorhin beim Shooting gesagt hast. Auch sportlich betrachtet hast Du offenkundig keine Scheu davor, ganz nach oben zu kommen.
„Nein, denn ich gehe auf dem Weg zu den großen Zielen kleine Schritte, vorbei an Zwischenzielen. Ein gutes Bild ist das der Treppe: Jede Stufe, die ich weiter nach oben gehe, ist eine näher ans Ziel. So muss man auf die großen Ziele hinarbeiten. Und am Ende, wenn ich auf meine Karriere zurückschauen werde, möchte ich eben große Ziele erreicht haben.“

Yara, wir wünschen Dir dabei und dafür ganz viel Erfolg und auch das nötige Glück. Lass uns hier aber zunächst den Kreis schließen. Wir haben anfangs über Orte gesprochen, die Kraft und Stärke geben. Gibt es einen solchen Ort für Dich auch in den Niederlanden? Hast Du einen Lieblingsort, an den Du immer wieder zurückkehrst? 
„Ja, allerdings liegt der nicht in den Niederlanden, sondern in Österreich, wo ich schon seit jüngster Kindheit sehr, sehr oft war. Dort in den Bergen zu sein, in der Natur, ob im Sommer oder im Winter, das ist großartig und wohltuend. Dort finde ich bei dieser frischen, klaren Luft zur Ruhe.“
Autor: Nils Hotze
Fotos: Guido Kirchner

Der Text stammt aus dem Mitgliedermagazin BORUSSIA. BVB-Mitglieder erhalten die BORUSSIA in jedem Monat kostenlos. Hier geht es zum Mitgliedsantrag.

Am 27. November steht Yara ten Holte mit Borussias Handball-Damen wieder auf der Platte. Das Topspiel gegen den TuS Metzingen findet um 19 Uhr in der Westpress-Arena in Hamm statt. Tickets für die Partie sind über den offiziellen Online-Ticketshop des BVB zu erwerben. Fans können mit dem BVB-Handballbus der DSW21 nach Hamm fahren. Weitere Informationen hier.

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