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Interview

Gregor Kobel: Mit Hand und Kopf

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„Glanzparade“ und „Kobel“. Wer auf der BVB-Homepage sucht, wird früh fündig. Am 29. Mai 2016 ist erstmals die Rede von diesem talentierten Torhüter, der die Angreifer unserer U19 nervt im Endspiel um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft. 5:3 heißt es am Ende, weil der BVB in Felix Passlack einen noch überragenderen Akteur in seinen Reihen hat als die TSG Hoffenheim in Person von Gregor Kobel. Nun ist der am Nikolaustag des Jahres 1997 geborene Schweizer beim BVB.

Wer sich näher mit Gregor Kobel beschäftigt, kommt nicht an seinen Händen vorbei. Riesige Hände, die sich gegen den Ball verschworen haben, ihn mal zärtlich mit den Fingerspitzen um den Pfosten drehen, bei passender Gelegenheit aber auch, zusammengeballt zu Fäusten, sehr grob mit ihm umspringen können. Gregs Torhüterhandschuhe sind von derselben Manufaktur wie die von Juves Legende Gigi Buffon, Atlético Madrids Jan Oblak oder Manchester Citys Ederson. Die Frage nach der Konfektionsgröße stellt sich nicht ernsthaft. Bei der Farbgebung bevorzugt Borussias neue Nummer eins ein Muster in Blau-Weiß-Rot, zu ausgewählten Festtagen darf es auch gern Gold sein. Zweimal in dieser Saison hat er schon den Goldenen Handschuh gewonnen, das ist die Auszeichnung für den besten Torhüter eines jeden Bundesliga-Spieltags, vergeben vom Internetportal torwart.de. Zum Interview spaziert Gregor Kobel, wie es sich für einen Schweizer gehört, auf die Sekunde pünktlich durch die Tür zum Konferenzraum im Trainingszentrum Brackel. Und wer ganz genau wissen will, wie hart er zupacken kann, der muss nur mutig genug sein, ihm zur Begrüßung die Hand zu schütteln.

Grüezi Greg! Verrate uns doch mal: Was ist der Reiz an der Handarbeit im Fußball?
Natürlich das Verhindern von Toren. Wir Torhüter können ja nicht im eigentlichen Sinne kreativ werden wie die Feldspieler. Wir haben vom Grundgedanken her einen destruktiven Job, aber glaube mir: Das kann wahnsinnigen Spaß machen! Weil du nach der Handarbeit fragst: Die Hände sind schon sehr wichtig, aber nicht das allerwichtigste.

Sondern?
Entscheidend ist der Kopf! Als Feldspieler bist du viel mehr im Spiel und kommst irgendwann in einen Flow, da passiert vieles von selbst, und du musst gar nicht mehr nachdenken. Das sieht bei Torhütern anders aus, gerade in einer Mannschaft wie hier in Dortmund, die das Spiel für gewöhnlich mit viel Ballbesitz gestaltet und nach hinten wenig zulässt. Da hast du als Torhüter viel Zeit und musst dich umso mehr konzentrieren, immer im Spiel zu bleiben. Das ist eine ganz andere Drucksituation, wenn du im Spiel nur zwei Bälle aufs Tor bekommst und dann hundertprozentig da sein musst. Das ist nicht einfach für den Kopf!

Du nimmst in Gedanken gern verschiedene Spielsituationen vorweg, um im Ernstfall schneller reagieren zu können. Wie darf ich mir das vorstellen? Hast du im Computer eine Datenbank angelegt mit den Gewohnheiten verschiedener Stürmer?
Das ist ein interessanter Punkt, aber eher für einen Stürmer interessant. Wenn der weiß, dass sein Gegenspieler auf der rechten Seite schwächer ist als auf der linken, kann er seine Dribblings ein bisschen streuen und wird doch am Ende eine gute Quote haben. Das kann ich mir im Tor nicht erlauben. Arjen Robben hatte früher zum Beispiel die Angewohnheit, von rechts in die Mitte zu ziehen und in die lange Ecke zu schießen. Das hat er in neun von zehn Fällen gemacht. Aber wenn ich mich darauf verlasse und er nur ein einziges Mal in die andere Ecke schießt, sehe ich extrem schlecht aus. Es gibt Situationen, in denen du etwas erahnen kannst, aber die Stürmer können das auch. Das ist schon ein interessantes Duell über den reinen Fußball hinaus: Wie weit kannst du gehen, was lässt sich antizipieren, kannst du den Stürmer ausgucken oder macht er das mit dir? Alles Kopfsache.

Von dir heißt es, dass du deinen Kopf sehr gern sehr anspruchsvoll trainierst. Nicht so sehr an der Playstation, sondern mit dem Studium von Büchern. Was liest du denn gern?
Oh, allerlei, ich bin dabei gar nicht auf Sport fixiert. Zuletzt habe ich „Das Leben ist wie ein Schneeball“ gelesen, die Lebensgeschichte des amerikanischen Selfmademilliardärs Warren Buffett. Sehr beeindruckend, kann ich dir nur empfehlen! Ich beschäftige mich wahnsinnig gern mit anderen Ansichten und Lebenswegen.

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Dein Lebensweg ist ja auch nicht ganz gewöhnlich. Weil es daheim beim Grashopper Club Zürich keine angemessene Perspektive gab, bist du mit 16 Jahren ganz allein über die Grenze nach Deutschland ins Nachwuchszentrum der TSG Hoffenheim gewechselt. Weiter ging es zum FC Augsburg, wo du als junger Torhüter der Belastung des Abstiegskampfes standhalten musstest. Bei der nächsten Station in Stuttgart musstet ihr unbedingt den Aufstieg schaffen. Nun bist du vor ein paar Wochen 24 Jahre alt geworden und spielst in Dortmund zum ersten Mal bei einem ganz großen Verein. Das klingt wie nach einer am Reißbrett geplanten Karriere mit perfekt inszenierten Drucksituationen.
Hast du diesen Eindruck? Es ging immer darum, mich weiterzuentwickeln, und ich habe bewusst Drucksituationen gesucht. Gerade auf meiner Position im Tor sind Erfahrung und der Umgang mit Druck sehr wichtige Faktoren, und die fliegen dir nicht zu. Je mehr Drucksituationen du überstehst, desto reifer wirst du. Aber alles andere hat sich ergeben. Hoffenheim – Augsburg – Stuttgart, das war eine logische Entwicklung. Der Wechsel nach Dortmund war ein großer Schritt, und jetzt schauen wir mal, wie es weitergeht.

Der nächste Schritt könnte sein, in einem großen Verein eine Ära zu begründen. So wie Roman Weidenfeller, der hier 16 Jahre lang im Tor stand, Deutscher Meister und Pokalsieger wurde und das Finale in der Champions League erreichte. Hast du dich mit ihm mal über so eine Perspektive unterhalten?
Sehr gute Anregung, danke! Wir haben schon ein paarmal miteinander gequatscht und werden das mit Sicherheit ausbauen. Was Roman in Dortmund erreicht hat, ist außergewöhnlich. Seine Erfahrung ist Gold wert, und natürlich hoffe ich, dass ich hier auch mal ein paar Trophäen in die Luft stemmen kann. Dafür spielt man Fußball!

Was dein Torhüterspiel auszeichnet ist das Bestreben, die Körpergröße immer möglichst maximal zu gestalten. Auf dass es bei schwer zu antizipierenden Aktionen der Angreifer nicht schafft, auch aus nächster Nähe den Ball an dir vorbeizubekommen.
Auch hier sind wir wieder bei der Erfahrung. Im Lauf der Zeit bekommst du ein Gespür dafür, wie ein Stürmer denkt, ob du vielleicht noch ein bisschen länger mit einer Reaktion wartest oder etwas anbietest. Diese Entscheidungen musst du sehr schnell treffen. Dafür musst du ein Gefühl entwickeln.

Genauso geht es dem gegnerischen Torhüter. Nach dem Spitzenspiel gegen die Bayern hat Thomas Müller zu der Szene vor dem Münchner Ausgleich zum 1:1 gesagt, du hättest zuerst herauskommen wollen. „Aber dann hat er mir in die Augen gesehen und erkannt: ‚Boah, der ist pfeilschnell. Da bleib ich lieber hinten drin.‘“ Hat er recht?
Natürlich ... nicht! War ein geiles Interview von ihm, habe ich gern gesehen, auch wenn es in diesem Fall gegen mich ging. Ein typischer Müller halt. Aber was die konkrete Situation betrifft: Der Ball war sehr lange in der Luft, ich stand vor der Wahl: Kannst du jetzt rauslaufen oder nicht? Diese Entscheidung musst du in kürzester Zeit treffen, auf dem Platz hast du keine Zeitlupe. Ich habe also gemerkt, dass ich nicht mehr hinkomme, bevor der Ball aufspringt und wollte auch nicht 40 Meter vor dem Strafraum in ein 50:50-Kopfballduell gehen. Thomas Müller hat diese Situation mit dem Pass auf Robert Lewandowski sehr gut ausgespielt. Da hat ihm seine pfeilschnelle Grundgeschwindigkeit natürlich sehr geholfen.

Das ist hübsch formuliert und kann in genau dieser Form auch auf Gregor Kobel gemünzt werden. Borussias Torhüter ist beeindruckende 195 Zentimeter lang und schafft es doch immer wieder, unmittelbar nach artistischen Flügen genau dort zu stehen, wo eigentlich der Ball einschlagen will. Als perfektes Beispiel dafür stand vor ziemlich genau einem Jahr das Spiel seines damaligen Klubs VfB Stuttgart gegen Leipzig, als Kobel erst Angeliños Gewaltschuss aus der linken Ecke boxte, über den Rasen abrollte, sich nach oben abdrückte und mit raubtierhafter Gewandtheit nach rechts in den Nachschuss von Dani Olmo flog. Das war eine angemessene Ouvertüre für sein Glanzstück kurz darauf, als Emil Forsberg zum Elfmeter anlief. Erst in der Fernsehzeitlupe war zu sehen, wie der Torhüter schon auf dem Weg in die linke Ecke war. Im Flug aber ließ er den Fuß nach oben schnellen und lenkte Forsbergs keineswegs sanft getretenen Ball an die Latte. Stuttgart verlor 0:1, aber der Mann des Spiels hieß Gregor Kobel. Selbstverständlich bekam er auch an diesem Spieltag den Goldenen Handschuh.

Wenn du später mal deinen noch ungeborenen Enkeln deinen Lieblingssafe vorführen wirst – ist diese artistische Rettungstat gegen Forsberg ein ernsthafter Kandidat?
Na, das dauert hoffentlich noch ein bisschen. Aber du hast recht, diese Parade war ganz gut. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich so etwas trainiere... Blödsinn! So etwas geht nicht, da brauchst du bei allem Können auch ein bisschen Glück.

Aber eben auch gute Reflexe und Sprungvermögen. Es gibt wahrscheinlich keinen Torhüter in der Bundesliga, der zugleich so ästhetisch und auf den Punkt genau dosiert durch den Strafraum fliegt wie du. Da ist nichts für die Galerie inszeniert, das sind immer logische Flüge, die ihren Charme auch daraus beziehen, dass sie genauso sein müssen. Dieses erhabene Gefühl wird ein Feldspieler nie auskosten dürfen.
Ja, das Fliegen macht wahnsinnigen Spaß. Das ist das Schönste an meinem Job, etwas ganz anderes, als wenn du dich drei Meter vor einem Stürmer breit machst und anschießen lässt. Das ist zwar auch cool, kommt aber nicht heran an das Gefühl, wenn du siehst, dass der Ball lang wird und du ihn doch erreichen wirst, weil deine Schritte genauso stimmen wie der Zeitpunkt des Absprungs. Wenn du dann in die Flugphase kommst und den Ball mit den Fingerspitzen touchierst, ist das der Gipfel!

Das Torhüterspiel hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Früher musste man Flanken herunterpflücken und Schüsse halten. Im modernen Fußball ist der Torhüter für das Aufbauspiel zuständig und fällt schon negativ auf, wenn er das nur mit einem Fuß kann. Könntest du mit deinen guten Füßen auch im Feld mitspielen?
Beim BVB? Hm, dafür würde mir wahrscheinlich die Luft fehlen – vielleicht als Edeljoker für zehn Minuten? Nein, Spaß beiseite, dafür ist die Kluft zu den perfekt ausgebildeten Feldspielern einfach zu groß. Ich habe ungezählte Stunden ins Torhüterspiel investiert und die anderen in ihre Technik, so etwas lässt sich nicht mehr aufholen. Aber sicherlich ist das fußballerische Grundkönnen der Torhüter heute viel größer als vor zwanzig Jahren, obwohl: Da gab es doch diesen verrückten Paraguayer...

... José Luis Chilavert...
... der hat weiß ich wie viele Freistoßtore geschossen. Aber so einer war wohl eher die Ausnahme.

Gibt es für Torhüter ein perfektes Spiel?
Darf ich darauf mit einem Jein antworten? Natürlich ist Perfektion mein Anspruch. Jeder Fußballspieler will sich immer verbessern, auch ich entdecke an mir immer wieder Sachen, an denen ich weiterarbeiten muss. Es wäre aber auch nicht gesund, wenn man sich bei jeder Kleinigkeit in Frage stellt und von sich verlangt: Das musst du besser machen! Eine gewisse Balance gehört dazu, sonst verlierst du Lockerheit im Kopf. Auch das gehört zu den Erfahrungen, die man gerade in jungen Jahren sammeln muss. Ich sehe mit meinen 24 Jahren schon einige Sachen anders, als ich sie vor ein paar Jahren bei meiner ersten Bundesliga-Station in Hoffenheim gesehen habe.

Hinten ohne Gegentor und mit spektakulären Paraden, vorn mit einem Scorerpunkt oder vielleicht sogar einem Tor ...
Ha, das wäre schon was! Ich bin ja kein Freund davon, eine Liste von Zielen zu definieren und sie im Laufe der Jahre abzuhaken. Alles kommt, wie es kommt. Aber in der letzten Minute noch selbst einen reinzuhauen – ja, das ist schon ein Traum!

So wie es dein Kollege Marwin Hitz vor ein paar Jahren für Augsburg gegen Leverkusen geschafft hat.
Das Video von diesem Tor habe ich mir natürlich angeschaut, einfach sensationell! Glückwunsch, Marwin!

Die Frage nach deinem Verhältnis zu Marwin Hitz und Roman Bürki liegt auf der Hand. Drei Schweizer Torhüter in einem Klub, das kommt außerhalb der Schweiz eher selten vor.
Ganz ehrlich: Die Nationalität interessiert mich kein bisschen. Wir gehen respektvoll, kollegial und professionell miteinander um. Wenn ich spiele, unterstützt mich Marwin, und genauso darf er es im umgekehrten Fall von mir erwarten.

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Wie redet ihr eigentlich miteinander? Für uns Deutsche sprechen die Schweizer alle Schwyzerdütsch, aber da gibt es ja durchaus Unterschiede. Du kommst aus Zürich, Marwin aus St. Gallen, Roman aus Münsingen im Berner Mittelland. Sprecht ihr denselben Dialekt?
Wir sprechen untereinander schon Schweizerdeutsch. Roman habe ich noch nie Berner-Deutsch reden hören, aus meiner Erfahrung von zu Hause ist das sehr gewöhnungsbedürftig. Die haben ein paar Wörter, die ich nicht kenne – und du wahrscheinlich erst recht nicht.

Deine Karriere spielt sich seit deinem 16. Lebensjahr in Deutschland ab. Hast du schon als kleiner Junge immer auf die Bundesliga geachtet?
Ja! Samstags lief bei uns zu Hause immer die Sportschau. Ich hatte keinen Lieblingsklub, ich habe es einfach genossen, Fußball auf hohem Niveau anzuschauen. Und ich habe auf die Torhüter geachtet! Jens Lehmann und Oliver Kahn, super!

Du bist für deinen großen Ehrgeiz bekannt. Willst du auch mit 24 Jahren noch jedes Trainingsspiel gewinnen?
Auf jeden Fall! Das bringt einen doch weiter, wenn man immer gewinnen will, immer besser werden will. Diese Spannung brauche ich einfach. Frag mal Erling Haaland, wie das hier im Sommer aussah, wenn er im Training auf mein Tor gelaufen ist! Auch Erling ist völlig verrückt, aber im positiven Sinne! Er will immer alles und jeden Tag besser werden.

Und du? Was kann an deinem Spiel noch besser werden?
Sehr, sehr viel! Alles andere wäre ja auch schlimm. Mit 24 hat man die besten Jahre als Torhüter noch vor sich.

Und abseits des Platzes? Auf Youtube kann man dich singen hören, das übliche Einstandsritual beim BVB. Beim Sommertrainingslager in Bad Ragaz hast du „Beautiful Girls“ von Sean Kingston vorgetragen.
Ich vermute mal, du hast schon Besseres gehört.

Na ja, du hattest das Pech, unmittelbar vor dem Showtalent Donyell Malen aufzutreten. Bei seiner Version von Drakes „One Dance“ ging der ganze Speisesaal mit.
Ich habe es als großes Glück empfunden, dass ich vor Donny singen durfte! Stell dir mal vor, ich wäre nach ihm und seiner Supershow dran gewesen – die Jungs aus der Mannschaft hätten sich doch kaputtgelacht.
Autor: Sven Goldmann
Fotos: Alexandre Simoes

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