Eine Karriere der Superlative: Aki Schmidt war der erste Spieler von Borussia Dortmund, der die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft als Mannschaftskapitän aufs Feld führte (1964), er war Mitglied jener Borussen-Mannschaft, die als erstes deutsches Team einen Europapokal gewann (1966) und er war der erste deutsche Fußballer, der sowohl als Aktiver (1965 mit dem BVB) als auch als Trainer (1970 mit Kickers Offenbach) den DFB-Pokal holte. Zum Jahresende scheidet Borussias Fanbeauftragter aus. Auch hier war er der Erste...

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Zwei Mal Alfred Schmidt: Das Original, mit 72 Jahren immer noch topfit, und die Wachsfigur im BORUSSIA PARK, die ihn so zeigt, wie er in den 50er und 60er Jahren die Fußball-Welt verzauberte.

Aki, Du gehst mit einer Träne im Knopfloch. Wie sehr ist Dir die Arbeit als Fanbeauftragter ans Herz gewachsen?
Alfred "Aki" Schmidt:"Ich hätte zu Beginn nie gedacht, dass mir dieser Job so viel Freude bereiten würde. Meine Hauptaufgabe war es, die Fanklubs zu besuchen, mit ihnen zu diskutieren. In den Anfangsjahren bin ich quer durch Deutschland gefahren, auch nach Belgien und Luxemburg, später mit Unterstützung durch Emma (den im Sommer 2003 verstorbenen Lothar Emmerich, d. Red.). Die Arbeit hat mir persönlich sehr viel gegeben."
Lassen sich Erfolge dieser Arbeit messen? Gab es gesetzte Ziele?
Schmidt: "Als ich anfing, hatten wir nur 200 Fanklubs. Eine klare Aufgabenstellung seitens des Vereins gab es nicht; gemeinsam mit Petra Stüker und Fritz Lünschermann habe ich ein Konzept entwickelt. Die Klubs haben sich immer sehr gefreut, dass jemand von Borussia gekommen ist. Die Zahl der Fanklubs konnte vielleicht auch dadurch auf 500 gesteigert werden."
Der BVB präsentierte sich mit einem Idol der erfolgreichen 50er und 60er Jahre...
Schmidt: "Das war ja auch Hintergrund der Idee. Diesen Job sollte niemand aus der Fanszene übernehmen, sondern ein ehemaliger Spieler. In all den Jahren hat es nur ein Mal Ärger gegeben, als wir 2000 gegen den Abstieg spielten und Fredi Bobic nicht gerade nett begrüßt worden war. Überhaupt war die Unterstützung durch die aktuellen Profis immer recht gut, besondern Sebastian Kehl und Christoph Metzelder waren und sind immer Ansprechpartner gewesen."

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Rüstig, aber immer noch nicht Rentner: Aki Schmidt.

Was hat sich in der Fanszene in diesen zehn Jahren geändert?
Schmidt:"Der wichtigste Faktor ist der sportliche Erfolg. Als ich anfing, standen wir kurz vorm Champions-League-Sieg. Die Kinder schauen immer, wer oben steht. Deshalb haben die Bayern auch die meisten Fans in Deutschland. Nach 2002 haben die Aktivitäten der Fans deutlich nachgelassen. Sie warten darauf, dass wir wieder nach oben kommen."
Welches Erlebnis ist besonders hängen geblieben?
Schmidt:"In den ersten Jahren hatte ich immer die drei großen Trophäen mit dabei: Den Weltpokal, den Europapokal und die Meisterschale. Damit wollte sich natürlich jeder fotografieren lassen. Diese Zeit mit der großen Euphorie war sicherlich die schönste."
Im Sommer haben sich die Meisterspieler von 1957 zum "Fünfzigsten" getroffen. Diesmal durftest Du dabei sein - im Endspiel damals nicht. Schmerzt es immer noch, dass Trainer Schneider seinerzeit Geschichte schreiben wollte und die gleiche Elf nominierte, die schon ein Jahr zuvor den Titel geholt hatte und Du folglich nicht mitspielen durftest?
Schmidt:"Damals war ich schon enttäuscht, weil ich es als ungerecht empfand und mich fragte, ob ich jemals Meister werden würde? Später - als Trainer - stand ich selbst vor solchen Entscheidungen. Heute kann ich darüber lächeln. Denn die späteren Erfolge haben mich entschädigt. Ich habe kein Spiel in der Reserve

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Aki Schmidt

gemacht, war nach einem halben Jahr Nationalspieler, ich stand mit Borussia in sieben Endspielen, vier davon habe ich gewonnen. Ich war von Geburt an Borusse, und später durfte ich mit meinen Idolen Michallek und Preißler in einer Mannschaft beim BVB spielen, mit Fritz Walter in der Nationalelf, mit Helmut Rahn in einem Zimmer schlafen. Was will man mehr? Meine Philosophie war es, von niemandem abhängig und konditionell voll auf der Höhe zu sein. Dass ich es technisch und taktisch drauf hatte, wusste ich..."
Du hast die 70 längst überschritten, wirkst aber noch fit und vital. Hat Dich die Arbeit mit den Fans jung gehalten?
Schmidt:"Ich habe mich auf jeden Tag im Büro gefreut und wünsche mir, dass der Verein wieder nach oben kommt. Ich war mein ganzes Fußballer-Leben immer oben. Die Mannschaft hat mehr Qualität als sie bisher gezeigt hat."
Wie sieht Deine Zukunft aus?
Schmidt:"Ich bleibe dem Verein bis zur Hundertjahr-Feier erhalten und werde einige soziale Projekte weiterführen. Auch bei der Fanarbeit ist nicht ganz Schluss. Den einen anderen der vielen Klubs, die mir ans Herz gewachsen sind, werde ich auch in Zukunft besuchen. Danach gehe ich wohl endgültig zu meiner Familie nach Regensburg zurück. Man kann sagen: Ich gehe nicht so ganz..."
Interview: Boris Rupert