Der Hauptdarsteller blieb im Hintergrund. Ein ganz wichtiger Mann in Mailand war Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun. Einige Akteure hatten nicht nur mit dem Gegner zu kämpfen, sondern auch noch mit einem Infekt. Feiern durften sie trotzdem. Gut, dass nun vier Tage zur Erholung anstehen.

Aus Mailand berichtet Christina Reinke

Nach 96 Minuten war es vollbracht: Borussia Dortmund hat die AC Mailand im Giuseppe-Meazza-Stadion mit 3:1 geschlagen und sich vorzeitig für das Achtelfinale der UEFA Champions League qualifiziert. Es war ein Kraftakt, den die BVB-Profis hinter sich gebracht hatten. Nicht alle waren im Vollbesitz ihrer Kräfte und mussten leicht erkrankt in das Spiel gehen. Der Einsatz von Nico Schlotterbeck hatte wegen einer Erkältung auf der Kippe gestanden, auch Salih Özcan hatte zuvor keine gute Nacht gehabt.

Mit Schlusspfiff entwich die letzte Anspannung aus den Körpern. Wo die Borussen auf dem Platz standen – sie jubelten kurz und sackten dann in sich zusammen. Für mehr fehlte die Kraft. Die Anstrengung war den Spielern ins Gesicht geschrieben, die Freude über den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale aber auch. Müde schleppten sie sich in die Gästekurve, um sich für die wie immer lautstarke Unterstützung der BVB-Fans zu bedanken. Mats Hummels, der an diesem Abend eine überragende Leistung auf den Rasen des San Siro gezaubert hatte, deutete an, die Fans zum Gesang von „Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz“ zu reagieren. Beim gemeinsamen Singen von „Wir lieben Borussia Dortmund“ war doch noch etwas Kraft übrig. Wie kleine Kinder sprangen und hüpften die Borussen über den Rasen.

„Wir sind mit ein paar Jungs auf der letzten Rille gewesen. Der Doc hat uns vorher gesagt, wer 30 Minuten spielen kann, wer 45, wer 60“, gab Edin Terzic Einblicke in die Arbeit der medizinischen Abteilung. Auch dem Trainer war die Freude über den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale anzusehen. Jeden, der im über den Weg lief und der es mit dem BVB hält, wurde von ihm umarmt und abgeklatscht. Kurz bevor er das Stadion verließ, klatschte er noch einmal vom Spielfeldrand zu den BVB-Fans, die hoch oben noch immer in ihrem Block ausharrten.

Viel war vorher gesagt und geschrieben worden über die Atmosphäre im Giuseppe-Meazza-Stadion. Doch nur in der Anfangsphase und nach dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleichstreffer der Mailänder wurden die Fans der Gastgeber laut, sonst gaben die BVB-Fans den Ton an. „Es macht unheimlich viel Spaß, in so einem Stadion Champions League zu spielen. Ich habe den Jungs gesagt, dass sie sich davon nicht beeinflussen, sondern beflügeln lassen sollen“, sagte Mats Hummels nach dem Spiel, in dem er zum „Man of the Match“ gewählt wurde. „In zwei Wochen müssen wir noch einmal liefern. Wenn es nur noch um Platz eins geht, wird es eine großartige Sache in einer großartigen Atmosphäre. Wir sind mittlerweile gewachsen und eine Truppe, die bereit ist, auf dem Platz zu arbeiten.“