Story
365 Tage lang 100 Jahre Handball
„Ziel ist es, den Zuschauern attraktiven Handball zu bieten und Titel zu gewinnen. Ich bin nicht hier, nur um Handball zu spielen“, hat Abteilungsleiter Rupert Thiele jüngst im Gespräch mit schwatzgelb.de gesagt – und hinzugefügt: „In jedem Wettbewerb ist es das Ziel, Erster zu sein. Dafür sind wir da, und dafür sind wir auch Borussia Dortmund mit eben diesem Anspruch.“ Im Jahr des 100-jährigen Bestehens der Handball-Abteilung liegen Anspruch und Wirklichkeit ziemlich oft ziemlich nah beieinander.
01 | Saisonstart mit Neuzugängen
Nach Platz vier in der Vorsaison geht es mit vier Neuzugängen in die Jubiläumsspielzeit. Linksaußen Guro Husebø (22) aus Norwegen entpuppt sich schnell als unerschrockene Draufgängerin. Die Niederländerin Alieke van Maurik (19) ist so etwas wie der Shootingstar in und für die Niederlande – und wird damit eine perfekte Ergänzung zu Alicia Langer im halbrechten Rückraum. Déborah Lassource (24), die aus Paris nach Dortmund gekommen ist, stellt ihre Qualitäten früh unter Beweis, rettet etwa den wichtigen ersten Punkt im ersten Punktspiel gegen Buxtehude. Rückkehrerin Kelly Vollebregt (29) bringt nach zwischenzeitlichen Stationen bei HC Odense in Dänemark und Neptunes Nantes in Frankreich ihre gesammelten Erfahrungen auf Rechtsaußen ein. Hinzu kommen Dana Bleckmann und Lena Degenhardt, die nach ihren Kreuzbandrissen und monatelangem Ausfall auch wieder ins Geschehen eingreifen können.
Mit diesem Kader fühlt sich Trainer Henk Groener neben den Aufgaben in der European League und im DHB-Pokal auch für den neuen Play-off-Modus in der Bundesliga gewappnet. Abteilungsleiter Rupert Thiele sagt, dass diese Mannschaft grundsätzlich schon das Zeug haben sollte, Deutscher Meister zu werden. Der Wille jedenfalls ist vorhanden, und die Überzeugung auch. Kelly Vollebregt sagt zu Saisonbeginn: „Mit Blick auf den neuen Play-off-Modus werden wir unsere beste Verfassung erst ganz am Ende der Saison brauchen, das ist eine neue Herausforderung. Aber unser Trainerteam ist so erfahren, dass wir gut damit umgehen werden. Wir alle zusammen werden einen guten Job machen.“ Und Guro Husebø ergänzt: „Der BVB hat sich in der vergangenen Saison nicht für die Champions League qualifiziert – das wollen wir in diesem Jahr ändern. Wir wollen die Revanche und die Qualifikation für die Königsklasse – denn sie ist die beste Bühne, für jede einzelne Spielerin und für den gesamten Verein.“
In der Hinrunde haben die Handballerinnen HB Ludwigsburg, ehemals SG BBM Bietigheim und amtierender Deutscher Meister, die erste Bundesliga-Niederlage seit März 2021 beigebracht. 33:28 hieß es am 30. Oktober in der Halle Wellinghofen. „Wir wollen vor den Play-offs auf Platz eins oder zwei stehen, denn dann sind wir direkt für die European League qualifiziert“, unterstreicht Henk Groener die Ambitionen und fügt hinzu: „Wir haben einen guten Start hingelegt.“
02 | Wechselausstellung im BORUSSEUM
28. September 2024: Von nah und fern sind sie ins BORUSSEUM gekommen; Hans-Joachim-Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung, Geschäftsführer Carsten Cramer sowie Präsident Dr. Reinhold Lunow, Stellvertreterin Silke Seidel und Schatzmeister Bernd Möllmann, Vertreter aus allen Abteilungen von Borussia Dortmund, neben der aktuellen Profi-Mannschaft der Handball-Damen auch ehemalige Spielerinnen aus verschiedenen Generationen, Vertreter der Verbände und der Stadt Dortmund.
Sie alle wollen als erste in „100 Jahre Handball“ eintauchen, um genau das nachzuerleben. In der gleichnamigen Wechselausstellung ist auf zahlreichen Textplatten und Fotos, in zwei Filmen und mit einigen exklusiven Exponaten die Geschichte der Handball-Abteilung von der Gründung im Jahr 1924 bis heute dargestellt. Ehemalige und aktuelle Spielerinnen begegnen sich an diesem Tag selbst wieder – in gemeinsamer Erinnerung an die großen Erfolge wie den DHB-Pokal-Sieg 1997, den Gewinn des EHF Challenge Cups 2003, der ersten Deutschen Meisterschaft 2021 und dem Gewinn der Bronze-Medaille in der EHF European League 2023.
Abteilungsleiter Rupert Thiele dankt in seiner Rede allen Unterstützern, beleuchtet wichtige Ereignisse und Erfolge, und hebt insbesondere die herausragende Jugendarbeit der vergangenen Jahre hervor. Nicht zuletzt sensibilisiert er auch bei dieser Gelegenheit für die Notwendigkeit einer neuen Spielstätte: „Mein größter Wunsch ist es, in einer attraktiven Halle Handball zu spielen und den Zuschauern die Atmosphäre zu bieten, die der Handballsport verdient.“ Präsident Lunow hält nach seinem Ausstellungsrundgang fest: „Die vielen Namen und die vielen Zahlen haben mich fast erschlagen. Das ist beeindruckend.“ Speziellen Dank richtet er an Vorgänger und Ehrenpräsident Dr. Reinhard Rauball: „Seine langjährige Unterstützung und sein unermüdliches Engagement haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich der BVB-Handball zu einer der Top-Adressen im deutschen Handballsport entwickeln konnte. Ich werde in Zukunft alles dafür tun, dass der Handball ein wichtiger und großer Teil des BVB bleibt.“
03 | Jubiläumsfest im Stadion
28. September 2024 (immer noch): Derart aufgeladen geht die große Jubiläumssause mit all den Ehrengästen im Anschluss im Stadion weiter. Mit diesem offiziellen Festakt erinnert die Handball-Abteilung an ihre Gründung, die wahrscheinlich am 28. August 1924 im Rahmen einer obligatorischen Mitgliederversammlung im Vereinslokal „Wildschütz“ stattgefunden hat.
03+1 | Jubiläumsspiel mit Freigetränken
5. Oktober 2024: Das offizielle Jubiläumsspiel steigt in der Halle Wellinghofen. Für die Fans gibt es Freigetränke – und einen Sieg im DHB-Pokal. Unsere Mannschaft bezwingt die Sport-Union Neckarsulm nach spannender Schlussphase, in der Torhüterin Norah Kothen und ein entschlossener Angriff den Unterschied machen, 36:31 und zieht ins Viertelfinale ein. Auf eine umkämpfte Partie folgt eine schwarzgelbe Party.
Unvergessen bleibt auch der 30. Oktober: Im Rahmen einer Fantage-Veranstaltung erleben BVB-Fans einen Nachmittag und Abend voller Tradition, Leidenschaft und einzigartiger Einblicke in die Geschichte und Gegenwart des Handballsports. Los geht es in der Wechselausstellung im BORUSSEUM, am Ende wartet ein Meet & Greet mit dem Trainer, Spielerinnen und Verantwortlichen – das eigentliche Highlight aber liegt dazwischen. Nach der Fahrt zum Spiel im offiziellen Mannschaftsbus fügen unsere Handballerinnen der Über-Mannschaft aus Ludwigsburg die erste Bundesliga-Niederlage seit drei Jahren zu. Ein perfekter Tag in Schwarz und Gelb!
05 | Zu Besuch beim Tischtennis
8. September 2024: Ein besonderer Tag für Schwarz und Gelb ist die Heimpremiere der Tischtennisspieler in der stärksten Liga Europas. Zu diesem Anlass ist die BVB-Familie in der Brügmannhalle zusammengekommen: gut 1.000 Zuschauer, Präsident Lunow, Schatzmeister Möllmann, Geschäftsführer Cramer, Torwart-Legende Teddy de Beer sowie Sportlerinnen und Sportler aus anderen Abteilungen des Vereins. Die Handballerinnen sind mit Abteilungsleiter Rupert Thiele, dem Sportlichen Leiter Andreas Kuno, Teammanager Siggi Janz und mehreren Spielerinnen um Kapitänin Alicia Langer besonders zahlreich vertreten. Ein starkes Zeichen für die Einheit im Verein.
Schatzmeister Möllmann, zuvor 25 Jahre Leiter der TT-Abteilung, ist ob dieser interdisziplinären Unterstützung hocherfreut: „Andere Sportler sind auch beim Handball oder beim Blindenfußball. Man trifft sich und unterstützt sich. Das zeigt, dass man die jeweils andere Abteilung nicht nur respektiert, sondern auch gutheißt, was dort geleistet wird. Genauso muss es sein: Schwarzgelb ist eine Familie. Ob KGaA oder eingetragener Verein, das ist im Zweifel egal: Wir sind der BVB.“
06 | Ausnahmetalente aus Dortmund
November 2024: Wieder sind fünf Jugend-Spielerinnen des BVB beim U19-Lehrgang des DHB. „Sie gehören schon zu den Besten ihres Jahrgangs“, sagt Henk Groener, „was für unsere Qualität und eine gute Zusammenarbeit von Jugend- und Seniorenbereich spricht.“ Sechs Jugend-Spielerinnen spielen aktuell bereits in der zweiten Mannschaft und trainieren zweimal pro Woche mit der Bundesliga-Mannschaft. So kommen sie insgesamt auf sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche.
Zentral in der Nachwuchsarbeit steht die enge Verzahnung mit dem Goethe-Gymnasium und Ex-Spielerin Zuzana Porvaznikova. Die Ausnahme-Athletin zählt zu den besten Handballerinnen in der Geschichte von Borussia Dortmund (siehe > 09 | Allstar-Team). Und sie ist ein Geschenk für die Entwicklung der jungen Talente. Povaznikova, die 2004 unter ihrem Mädchennamen Hrabovska von Slovan Duslo Sala zum BVB gekommen und acht Jahre inklusive Ab- und Auf- und abermaligem Abstieg geblieben ist, trägt die BVB-DNA in jeder Faser ihres Körpers und somit als Lehrerin am Goethe immer weiter. „Wir sprechen mehrmals pro Woche miteinander“, sagt Henk Groener, „und wir sind schon dabei, gemeinsam die Planungen für die nächste Saison im Nachwuchsbereich zu erarbeiten.“ Ende November wird Zuzana Porvaznikova in den Abteilungsvorstand gewählt und übernimmt die neu geschaffene Position als „Sportliche Beraterin für Spielerinnenentwicklung und Förderung“.
07 | Qualifikation fürs Final4 im DHB-Pokal
6. November 2024: Borussia Dortmund besiegt BSV Sachsen Zwickau 26:23 und zieht erstmals nach acht Jahren wieder in die Endrunde des DHB-Pokals ein. Das Final4 wird am Wochenende 1./2. März 2025 in der Stuttgarter Porsche-Arena ausgespielt. Gegner im Halbfinale ist Topfavorit HB Ludwigsburg, aktuell wirtschaftlich und sportlich eigentlich noch überlegen. Im zweiten Halbfinale stehen sich Bensheim/Auerbach und Blomberg-Lippe gegenüber.
„Natürlich ist Ludwigsburg das schwierigste Los, aber die Siegchance ist da. Bis März ist noch eine Menge Zeit, um an unserer Verfassung zu arbeiten. Dass wir Ludwigsburg schlagen können, haben wir bewiesen. Allerdings ist das Pokal-Halbfinale wieder ein völlig neues Spiel“, kommentiert Trainer Henk Groener die Auslosung. Abteilungsleiter Rupert Thiele sagt: „Im Final4 gibt es keine leichten Gegner. Und wenn man Pokalsieger werden will, muss man jeden Gegner schlagen. Natürlich wäre auch ich froh gewesen, wenn wir erst später auf Ludwigsburg getroffen wären.“ Der Sportliche Leiter Andreas Kuno konstatiert: „In der Endrunde gibt es mit dem BVB, Bensheim/Auerbach und Blomberg-Lippe drei ausgeglichene Mannschaften. Ludwigsburg ragt als Favorit heraus. Aber wenn man den Titel holen will, muss man auch diese Mannschaft mindestens einmal schlagen – ob im Halbfinale oder im Finale.“
In diesem Sinne geht es auch der Trainer pragmatisch an: „An diesem Wochenende geht es darum, wer den Pokal gewinnt. Das heißt, wenn wir ihn gewinnen wollen, müssen wir Ludwigsburg auf jeden Fall noch einmal schlagen. Dann vielleicht lieber frisch am ersten Tag als müde am zweiten. Das ist eine große Herausforderung für uns, die wir aber gerne annehmen.“ Gemeinsam mit der Fan- und Förderabteilung wird die Handball-Abteilung eine Busreise für Fans organisieren. Entsprechende Kartenkontingente für die Halle sind reserviert und werden zur Verfügung gestellt. Auch ein Komplettpaket mit Anreise, Hotel, Tickets und Betreuung vor Ort wird geschnürt.
08 | Rückkehr nach Europa
17. November 2024: Die Rückkehr nach Europa ist geglückt – und dauert nun länger an als beim letzten Mal. Anders als in der Vorsaison, als Borussia Dortmund mit zwei Niederlagen an HC Dunarea Braila aus Rumäninen scheiterte, haben unsere Handballerinnen die Hürde Play-off-Runde genommen und sich souverän für die Gruppenphase der EHF European League qualifiziert. Nach dem 36:32-Hinspielerfolg in der Helmut-Körnig-Halle landet die Mannschaft von Henk Groener einen 37:23-Kantersieg beim tschechischen Meister DHK Banik Most. Angeführt von einer zentralen Achse mit Alicia Langer (7), Lena Degenhardt und Haruno Sasaki (je 5) im Rückraum sowie Kreisläuferin Lisa Antl (6) lassen unsere Handballerinnen vor 1.250 Zuschauern erst gar keine Zweifel am Einzug in die Gruppenphase aufkommen. Hinten ist Torhüterin Sarah Wachter mit 15 Paraden und einer überragenden Quote von über 68 Prozent gehaltener Bälle der Rückhalt unserer Mannschaft. Früh kann der Trainer allen Spielerinnen Spielanteile geben.
Den Grundstein zum Weiterkommen hat unsere Mannschaft schon eine Woche zuvor gelegt. Ohne die erfolgreich am Kreuzband operierte Lena Hausherr sowie die kurzfristig auf Grund einer wieder aufgebrochenen alten Bänderverletzung ausgefallene Carmen Campos hat sich der BVB vor 500 Zuschauern in der Helmut-Körnig-Halle ein Vier-Tore-Polster für das Rückspiel zugelegt.
Apropos Europa: Für die Europameisterschaft in Österreich, Ungarn und der Schweiz hat der Deutsche Handballbund (DHB) in Torfrau Sarah Wachter, Kreisläuferin Lisa Antl und Rückraumspielerin Dana Bleckmann drei Borussinnen nominiert. Für Wachter und Antl war es nach den Olympischen Spielen in Paris im Sommer das zweite große Turnier innerhalb weniger Monate. Ebenfalls am Ball waren Deborah Lassource für Silbermedaillengewinner Frankreich sowie Carmen Campos Costa für Spanien. Alieke van Maurik für die Niederlande musste verletzungsbedingt absagen.
09 | Allstar-Team
Dezember 2024: Mit der Mannschaft würde Borussia Dortmund ziemlich sicher in ziemlich vielen Wettbewerben ziemlich viele Titel einspielen! Die Ruhr Nachrichten haben ihre Leserinnen und Leser angesichts des 100-jährigen Bestehens der Handball-Abteilung zur Wahl eines Allstar-Teams aus den vergangenen 30 Jahren seit dem Aufstieg der Handballerinnen in die Bundesliga 1993 aufgerufen.
Das Ergebnis: Im Tor steht Clara Woltering, den Rückraum bilden Dagmara Kowalska (RL), Alina Grijseels (RM) und Janett Eißing (RR), am Kreis kommt Michaela Erler oder Anne Müller (beide gleichauf) zum Zug, Rasa Schulskyte auf Linksaußen und Svenja Huber auf Rechtsaußen komplettieren die Starting Seven.
Und in der Hinterhand hätte der Trainer die ebenfalls nominierten Yara ten Holte und Eike Bram fürs Tor sowie Anna Brand, Lidia Draganescu (beide RL), Franziska Heinz, Zuzana Povaznikova (beide RM), Silvia Schmitt, Tonje Sagstuen (beide RR), Renate Wolf (Kreis), Nadine Härdter, Silke Gnad (beide LA), Friederike Lütz und Eun-Mi Kim (beide RA).
All diese Welt- und Vize-Europameisterinnen, Olympionikinnen und Champions-League-Siegerinnen, Meisterinnen und Pokalsiegerinnen haben das schwarzgelbe Trikot getragen. In Summe eine Weltklasse-Mannschaft, die für höchste Ansprüche stehen würde; und damit für all das, was Borussia Dortmund ausmacht.
Autor: Nils Hotze
Fotos: Wolfgang Stummbillig
Der Text stammt aus dem Mitgliedermagazin BORUSSIA. BVB-Mitglieder erhalten die BORUSSIA in jedem Monat kostenlos. Hier geht es zum Mitgliedsantrag.