Spielbericht
4:1 – BVB überspringt vor Rekordkulisse die Hürde Lübeck
Aus Hamburg berichtet Boris Rupert
40.000 der insgesamt 50.971 Besucher – Zuschauer-Rekord für ein Erstrundenspiel im DFB-Pokal! – waren Schwarzgelbe. Sie sahen einen engagierten Gegner und einen lange drückend überlegenen BVB, der zwei Standardsituationen – Anton nach einer Ecke (3.), Can per Elfmeter (31.) zur 2:0-Führung nutzte. Brandt erhöhte mit einem Traumtor noch vor der Pause auf 3:0. Ilonka bejubelte in der 55. Minute den Ehrentreffer für den Regionalligisten, der zudem dreimal Alu-Pech hatte! Duranville stellte sieben Minuten später den Drei-Tore-Abstand wieder her.
Ausgangslage:
Regionalligist Phönix Lübeck hatte sich als Sieger des Landespokals Schleswig-Holstein für die erste Hauptrunde im DFB-Pokal qualifiziert, war nach 1976 zum zweiten Mal überhaupt in diesem Wettbewerb dabei und hatte die Partie gegen den BVB als „Jahrhundertspiel“ deklariert. Ausgetragen wurde die Begegnung im Hamburger Volksparkstadion.
Personalien:
Zum Saisonstart gab es nur geringe Personalprobleme. Lediglich Neuzugang Serhou Guirassy (Reha nach Außenbandverletzung) und Kjell Wätjen (muskuläre Probleme) konnten nicht eingesetzt werden. Es startete – bis auf eine Änderung – die gleiche Elf wie am Wochenende zuvor beim 2:0 gegen Aston Villa: Julian Ryerson ersetzte Yan Couto.
Taktik:
Beide Mannschaften agierten zunächst in einer 4-2-3-1-Grundordnung, wenn auch hier schon mit deutlich unterschiedlicher Herangehensweise. Lübeck attackierte mutig, stellte dem Dortmunder Aufbau ein hohes Pressing gegenüber, attackierte mit Tempo den ballführenden Borussen. Im Ballbesitz verließ Ryerson seinen Platz in der Viererkette und machte im Mittelfeld aus der offensiven Dreier- eine Viererreihe (Ryerson, Sabitzer, Brandt, Gittens). Vorderster Dortmunder war Adeyemi. Mitte der ersten Hälfte stellte Phönix um auf ein 5-4-1.
Spielverlauf & Analyse:
Trotz der mutigen Lübecker Herangehensweise verzeichnete der BVB in den ersten 25 Minuten 91 Prozent Ballbesitz, fand aber zunächst kein Durchkommen, kam stattdessen durch eine Standardsituation zu einem frühen Tor: Anton hatte nach Groß‘ Ecke viel Platz und drückte den Ball am langen Pfosten zum 0:1 über die Linie. Gespielt waren keine drei Minuten.
Borussia suchte, fand aber auch in der Folge noch keine Lücken in der gut geordneten, laufstarken und einsatzfreudigen Lübecker Defensive. Erst in der 30. Minute war Adeyemi nach Pass von Brandt durchgebrochen, wurde im Strafraum von Ntika gefoult. Can verwandelte den Elfmeter ebenso satt wie platziert links oben im Eck zum 0:2. Wunderbar herausgespielt, herausragend vollendet war der dritte BVB-Treffer in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs. Einen weiten Ball, tief in der eigenen Hälfte geschlagen von Groß, nahm Brandt technisch herausragend mit dem rechten Fuß mit, Drehung und Abschluss mit dem linken Fuß gerieten zu einer perfekten Symbiose – Wahnsinn!
Mit dem Beginn der zwar optisch weiterhin überlegen geführten zweiten Hälfte war Sahin überhaupt nicht zufrieden; das zeigte er deutlich sichtbar an. Und tatsächlich gab es schnell die Quittung. Der aufgerückte Innenverteidiger Iloka wurde zweimal nur halbherzig attackiert und hatte dann freie Bahn. Sein Schuss in den linken Winkel war für den nach der Pause für Kobel eingewechselten Meyer nicht zu halten (55.). Sahin reagierte mit einem Dreierwechsel (Malen, Duranville und Couto für Can, Gittens und Ryerson). Und Lübeck roch Lunte: Adou traf mit einem satten Schuss das Aluminium (60.).
Es wurde aber nicht mehr spannend: Couto setzte sich zentral im Mittelfeld gegen vier Gegner durch, passte in den Lauf von Duranville, der sicher verwandelte und mit dem Treffer zum 1:4 den Drei-Tore-Vorsprung wieder herstellte (62.). Beier, ebenfalls eingewechselt (69.), hätte mit seinem ersten Ballkontakt beinahe seinen ersten Treffer im BVB-Trikot bejubelt, scheiterte aber am Torwart (72.).Iloka traf als zweiter Lübecker den Pfosten (81.), Fritsche als dritter (84.).
Ausblick:
Die Paarungen der zweiten Hauptrunde werden am 1. September (ab 17:10 Uhr, live im ZDF) s im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund ausgelost und am 29. sowie 30. Oktober ausgetragen. Im ersten Bundesligaspiel der neuen Saison trifft der BVB am kommenden Samstag (18:30 Uhr) auf Eintracht Frankfurt.
Teams & Tore
DFB-Pokal, 1. Hauptrunde
PHÖNIX LÜBECK – BORUSSIA DORTMUND 1:4 (0:3)
Phönix Lübeck: Leonhard – Bock, Iloka, Ntika, Sadrifar – Berger, Maiolo (84. Fritzsche) – Adou (75. Kurz), Obushnyi (46. Ajala-Alexis), Stöver (75. Ihde) – Kliti (61. Lesueur)
Bor. Dortmund: Kobel (46. Meyer) – Ryerson (59. Couto), Anton, Süle, Schlotterbeck – Can (59. Malen), Groß – Sabitzer, Brandt, Gittens (59. Duranville) – Adeyemi (69. Beier)
Bank: Schneider, Ihde, Jablonski, Kurz, Poplawski, Simsek – Bensebaini, Reyna, Nmecha, Haller
Tore: 1:0 Anton (3., Ecke Groß), 0:2 Can (31., Foulelfmeter, Ntika an Adeyemi), 0:3 Brandt (45.+1, Groß), 1:3 Iloka (55.), 1:4 Duranville (62., Couto)
Eckstöße: 2:5 (Halbzeit 0:2), Chancenverhältnis: 5:6 (1:4)
Schiedsrichter: Dr. Burda (Berlin), Gelbe Karten: Ntika, Berger – Schlotterbeck
Zuschauer: 50.971 (in Hamburg), Wetter: bedeckt, 22 Grad