Nobby Dickel, Flemming Povlsen und Michael Schulz bei Brinkhoff's Ballgeflüster.

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„Wieder zu Hause“ – BVB-Legenden Povlsen und Schulz zu Gast im Ballgeflüster

Der eine gilt als Kultstürmer des BVB, der andere als Abwehrlegende. Flemming Povlsen und Michael Schulz spielten sich zu Beginn der 90er-Jahre in die Herzen der Fans. Als Gäste von Moderator Norbert Dickel in der 51. Ausgabe von Brinkhoff‘s Ballgeflüster begnügten sie sich jedoch nicht mit nostalgischen Anekdoten – sie schworen zugleich die aktuelle Mannschaft von Trainer Niko Kovac auf die bevorstehenden „Wochen der Wahrheit“ ein. 

Schon der tosende Applaus zur Begrüßung rührte Povlsen sichtlich. „Ich fühle mich gleich wieder wie zu Hause“, schwärmte der Euromeister von 1992 und Deutsche Meister von 1995, der eigens aus Dänemark angereist war. Auch sein einstiger Dortmunder Mitstreiter Michael Schulz genoss die Heimspielatmosphäre in der Kreuzviertel-Kneipe El Mundo: „Wenn man so empfangen wird, bekommt man immer noch Gänsehaut.“

Sowohl der als nimmermüder Dauerrenner bekannte Povlsen als auch der als kompromissloser Haudegen geachtete Schulz blickten voller Dankbarkeit auf ihre Dortmunder Jahre zurück – für beide der Höhepunkt ihrer Karrieren. Zwischen 1990 und 1994 standen sie gemeinsam auf dem Platz und begleiteten den damaligen Aufschwung der Borussia, der mit dem Amtsantritt von Trainer Ottmar Hitzfeld 1991 Fahrt aufnahm. 

Die magische Atmosphäre im damaligen Westfalenstadion trägt Povlsen bis heute im Herzen. „Das Verhältnis zwischen Zuschauern und Spielern war einmalig. Diese Symbiose, die da entstanden ist, verfolgt mich noch immer“, bekannte der 58-Jährige, der dem Fußball als Talentcoach und TV-Experte in seiner Heimat bis heute verbunden geblieben ist. „Ich schaue mir in Dänemark immer noch die BVB-Spiele an. Und wenn die Leute über Dortmund reden, bin ich voll dabei. Ich habe einiges hier geleistet, aber Dortmund hat mir auch viel gegeben.“

Flemming Povlsen und Michael Schulz bei Brinkhoff's Ballgeflüster.

Auch der 64-jährige Schulz machte aus seiner anhaltenden Verbundenheit zur Borussia keinen Hehl. Die Vizemeisterschaft von 1992 und der Einzug ein Jahr später in das UEFA-Cup-Finale haben sich ihm tief eingeprägt. Die Meisterfeier 1995 hingegen verpasste er – ein Jahr zuvor war er zu Werder Bremen gewechselt. 

Ähnliches Pech begleitete den siebenmaligen Nationalspieler während seiner gesamten Karriere. So wurde sein ehemaliger Klub aus Kaiserslautern 1991 Deutscher Meister, nachdem Schulz zum BVB gewechselt war. Die Vereinswechsel zur falschen Zeit kommentiert er bis heute mit Humor. Sein selbstironisches Geständnis brachte die Ballgeflüster-Gäste zum Lachen: „Wer es nicht weiß, ich bin ein echter Losertyp. Ich habe bei Kaiserslautern, Dortmund und Bremen gespielt. In diesen zehn Jahren haben die drei Klubs zehn Titel geholt. Jetzt könnt ihr alle mal raten, bei wie vielen Titeln ich dabei war – bei keinem einzigen.“

Dieses Muster setzte sich fort. Auch im EM-Finale von 1992 blieb ihm ein Titel verwehrt. Von der Ersatzbank aus musste er mit ansehen, wie Außenseiter Dänemark den favorisierten Deutschen mit 2:0 den Pokal entriss – mit seinem Dortmunder Kollegen Povlsen in der Startelf. 

Verbitterung suchte man bei Schulz an diesem Abend jedoch vergeblich. Dazu trug auch die Einschätzung von Povlsen bei, der an das gute Standing der beiden Gäste zu ihrer aktiven Zeit beim BVB erinnerte: „Ich achte nicht so sehr darauf, was ich gewonnen habe. Mir ist es wichtig, dass die Leute meine Art mögen, wenn ich irgendwohin zurückkomme. Dann lasse ich lieber einen Pokal im Schrank. Das ist mir viel mehr wert.“ Mit leuchtenden Augen fügte er an: „Die Fans in Dortmund geben viel, aber sie verlangen auch viel. Um das Lob dieser Fans zu bekommen, musst du auch etwas leisten. Michael und mir ist es gelungen, akzeptiert zu werden. Dann weißt du, dass du hier etwas geschaffen hast, was nur wenigen gelingt.“  

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Als sich Povlsen bei der Meisterfeier 1995 auf dem Dortmunder Friedensplatz nach zwei Kreuzbandrissen in die Sportinvalidität verabschiedete, vergoss er Tränen. „Da hatte ich wirklich das Gefühl, die Leute lieben mich. Mir war bewusst, dass ich das vermissen werde. So etwas bleibt hängen. Das war der beste Moment meines Lebens als Fußballer abseits des Platzes“, schwärmte er. 

Sowohl Povlsen als auch Schulz fühlen sich der Borussia noch immer eng verbunden und sprachen auch die vergangenen Auftritte in Manchester (1:4) und Hamburg (1:1) an. Povlsen empfahl mehr Mut in der Offensive: „Wir brauchen Tore und Spieler, die Torgefahr ausstrahlen, mehr Aggressivität im Spiel mit dem Ball nach vorne.“

Das Urteil von Schulz fiel moderater aus. Er bescheinigte der Mannschaft im Vergleich zu den Vorjahren deutliche Fortschritte und lobte Trainer Niko Kovac ausdrücklich: „Als er kam, hatte ich sofort ein gutes Gefühl. Und das hat sich bestätigt. Niko Kovac hat viele Dinge verändert. Das gefällt mit insgesamt sehr gut. Ich bin mit der Entwicklung zufrieden.“

Für Samstag (15:30 Uhr, live bei Sky) gegen den VfB Stuttgart im ausverkauften SIGNAL IDUNA PARK hofft Schulz nach zuletzt zwei sieglosen Partien auf die Rückkehr der Borussia in die Erfolgsspur: „Ich bin guter Dinge, dass sie das Ding nach Hause fahren.“ Povlsen blickt ähnlich optimistisch nach vorn: „Jetzt kommen die Wochen der Wahrheit. Gegen Stuttgart, gegen Villarreal und zweimal gegen Leverkusen. Wenn die Jungs das meistern, sind sie auf einem guten Weg.“

   

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