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29.03.23

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Nach dem Comeback gegen Nantes: Maraike Kusian im Interview

Am Sonntag gelang den Handballerinnen von Borussia Dortmund ein historisches Comeback. Im Hinspiel bei Neptunes de Nantes hatte die Mannschaft mit 19:28 verloren, doch im Rückspiel spielte der BVB in der Schlussphase wie entfesselt auf, gewann mit zehn Toren Unterschied und zog so in das Final Four der European League ein. Rechtsaußen Maraike Kusian blickt im Interview auf den Tag zurück.

Die unglaubliche Aufholjagd gegen Nantes am Sonntag war für alle Beteiligten unbeschreiblich. Wie hast Du persönlich das Spiel erlebt?

Schon direkt nach Abpfiff des Spiels in Nantes war mir klar, dass es schwierig wird, neun Tore Rückstand aufzuholen, es aber eine machbare Aufgabe ist. Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir es schaffen könnten, und genau so bin ich auch in das Heimspiel gegangen. Es hat mich sehr gefreut, dass die Halle gut besucht war und dass alle Fans auch an uns geglaubt haben. Im Laufe des Spiels konnten wir uns einen kleinen Vorsprung erarbeiten, aber nie richtig wegziehen. Ich weiß selber nicht, was 15 Minuten vor Abpfiff passiert ist, aber irgendwie haben wir den Turbo eingeschaltet. Es hat alles geklappt. Die Abwehr stand super, Yara ten Holte war unser Rückhalt, jeder hat für jeden gekämpft und vorne haben wir jede Chance genutzt. Meine Emotionen stiegen immer weiter, an als ich realisierte, dass wir es gleich geschafft haben, den Rückstand aufzuholen. Als dann der Schlusspfiff kam und der direkte Freiwurf übers Tor ging, war ich so glücklich, dass ich alles, was ich in mir hatte, rausgebrüllt habe. Die Halle bebte, und wir haben als Mannschaft den Sieg zusammen gefeiert.

Vorher war nicht davon auszugehen, dass man das Ergebnis aus dem Hinspiel noch drehen kann. Was hattet ihr euch als Team denn vorgenommen?

Wir als Team waren auf jeden Fall davon überzeugt, dass es machbar ist. Es war zwar ein ziemliches Brett, aber wenn alles klappt und man als Team zusammen agiert, ist sowas immer möglich. Während des Spiels haben wir nicht ein einziges Mal daran gedacht aufzugeben. Das kam für uns gar nicht in Frage. Wir haben die ganze Zeit füreinander gekämpft, und zum Schluss wurden wir dafür belohnt.

Zur Pause habt ihr mit zwei Treffern geführt, aber irgendwie hatte man den Eindruck, es wäre mehr drin gewesen. Was wurde in der Kabine genau besprochen? Wer hat das Wort ergriffen, und was hat euer Trainer euch mitgegeben?

Wenn ich das jetzt noch so genau wüsste... In dem Moment ist man so im Tunnel, und nach dem Spiel vergisst man alles um sich herum. Wir wussten, dass wir noch einen Gang höher schalten müssen, um den Rückstand aufzuholen. Wir haben darüber gesprochen, mit welcher Taktik wir möglichst erfolgreich im Angriff sein können, und das hat dann ja auch geklappt. Ich glaube aber, dass unser Wille uns am weitesten gebracht hat. In jede Aktion sind wir mit 100 Prozent gegangen, und als Team waren wir einfach unschlagbar.

Nach mehr als 40 Minuten stand es noch Unentschieden, dann habt ihr den Turbo gezündet. Wann hast Du gemerkt, dass es tatsächlich noch etwas werden kann? 

Wie schon am Anfang gesagt, habe ich nie daran gezweifelt, dass wir es nicht schaffen können. Im Kopf habe ich während des Spiels immer wieder gezählt, wie viele Tore es jetzt noch sind, um den Rückstand aufzuholen, und als wir einmal ins Rollen kamen, waren wir nicht mehr aufzuhalten. Im Handball kann alles passieren. Deswegen liebe ich diesen Sport so sehr.

Du selbst bist dann auch plötzlich so richtig in den Flow gekommen…

Ja, das stimmt. Ich bin nicht gut ins Spiel gekommen und habe zu viel nachgedacht. Umso glücklicher war ich, dass die Mannschaft hinter mir stand und mich immer wieder motiviert hat, die nächste Aktion zu machen. Als es dann geklappt hat, ist die ganze Last von mir abgefallen, und ich konnte mit einem freien Kopf spielen. Wir haben uns gegenseitig immer mehr hochgepusht, dass dann alles funktioniert hat.

Inwiefern hat euch die Stimmung in der Halle getragen? Die Atmosphäre war ja sensationell!

Unsere Fans waren seit Minute eins da. Als es dann zum Ende hin ging, wurde es immer und immer lauter. Jede Aktion wurde gefeiert und bejubelt. Man kann schon sagen, dass unsere Fans unser achter Mann auf dem Spielfeld waren. Es kamen Emotionen wie aus dem Rekordspiel in der Westfalenhalle hoch. Alles hat gebebt.

Gab es noch eine Feier? Wie habt ihr den Abend danach verbracht?

Nach dem Spiel haben wir natürlich in der Kabine richtig gefeiert, weil wir einfach überglücklich waren. Wir sind dann mit allen zusammen essen gewesen. Wir haben dann bei bester Laune einen tollen Abend gehabt.

Konntest Du eigentlich später irgendwie in den Schlaf finden?

Es war schwer für mich zu schlafen. Ich war noch voller Enthusiasmus und Glücksgefühle und zuhause hat mich dann mein Freund erwartet, der mindestens genauso viel davon hatte. Er hatte mir dann auch von seiner Sicht aus erzählt, wie bombastisch die Stimmung war. Er und seine Freunde wurden von der ganzen Kulisse mitgezogen. Derjenige, der bis dahin noch kein BVB-Fan war, wurde es spätestens mit diesem Spiel.

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