Nachricht
Rückblick 2012 - MAI Das erste Double nach 103 Jahren
Das Finale ist die Geschichte des Shinji Kagawa, der sein letztes Spiel für Borussia Dortmund zu einem ganz großen werden lässt und nach zwei Minuten zum 1:0 trifft. Es ist vor allem die Geschichte des Robert Lewandowski, der die Tore drei, vier und fünf in diesem emotionsgeladenen Match folgen lässt, nachdem Mats Hummels mit etwas Glück einen Elfmeter zum 2:1 platziert. Und es ist die Geschichte des Roman Weidenfeller.
Bundespräsident Joachim Gauck hat längst mit der Zeremonie begonnen, die Mehrzahl aus der schwarzgelben Delegation die Siegermedaille bereits am Hals hängen, als Weidenfeller plötzlich aus den Katakomben kommt. Es ist 22.10 Uhr, als ein Lächeln über das Gesicht des Keepers huscht. "Das war der schönste Moment des Abends, als Roman um die Ecke kam", meint Jürgen Klopp im Rückblick.
Knapp zwei Stunden zuvor hat es noch anders ausgesehen. Das Spiel ist keine acht Minuten alt, als Weidenfeller nach Arjen Robbens Pass in den Strafraum seinen Kasten verlässt, um gegen den anrauschenden Mario Gomez zu klären. Es geht um
den Bruchteil von Sekunden, Weidenfeller lenkt den Ball zur Ecke, Gomez kann oder will nicht mehr hochspringen - und trifft den Dortmunder Torhüter unglücklich und sicherlich ohne Absicht. Doch die Folgen sind gravierend: "Ich habe keine Luft mehr bekommen, ich hatte keine Kraft mehr, ich habe gezittert." Auswechslung, Krankenhaus. Siegerehrung. Party. Im Berliner E-Werk machen die Borussen die Nacht zum Tag und feiern den Abschluss einer sensationellen Saison.
In Dortmund warten 400.000 Menschen am Straßenrand und in der City auf den Doublesieger. Die Begeisterung ist noch größer alsw im Vorjahr. Bei Sonnenschein, aber mit fortschreitender Uhrzeit kühlen Temperaturen feiern die Dortmunder ausgelassen, aber friedlich. Der Meistercorso von der Westfalenhütte erreicht gegen 23 Uhr das Dortmunder "U".
Mit einem Zuschauerschnitt von 80.521 Besuchern stellt der BVB einen neuen Fabelrekord auf. Die sportlichen Erfolge rundet die U23 mit dem Aufstieg in die 3. Liga ab.
Der Faktor Kontinuität ist entscheidend für die sportliche Entwicklung beim BVB. Nicht nur die Kontrakte mit den handelnden Personen - Watzke, Zorc, Klopp - sind langfristig angelegt (bis 2016), sondern auch "unsere drei werthaltigsten Sponsoringverträge", bemerkt Hans-Joachim Watzke. Nach Hauptsponsor Evonik Industries (bis 2016) und dem neuen Ausrüster Puma (bis 2020) verlängert die Signal-Iduna-Gruppe den Vertrag über die Namensrechte am Stadion vorzeitig um fünf weitere Jahre bis Juni 2021. "Das", betont Watzke, "sind die Eckpfeiler, die uns zuversichtlich machen, den Klub nachhaltig weiterentwickeln zu können."
Boris Rupert