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Interview

"Der Aufsteiger ist wieder da!" – Tom Rothe im Interview

Tom Rothe ist zurück beim BVB. Nach einjähriger Leihe an Holstein Kiel will der 19-Jährige den Schwung aus einer erfolgreichen Zweitligasaison im hohen Norden mit zur Borussia nehmen und im Fußball-Oberhaus ankommen. In Osaka haben wir mit Tom über seine persönliche Entwicklung im Laufe der letzten zwölf Monate, seine Rückkehr nach Dortmund und seine Ziele in der laufenden Vorbereitung gesprochen.

Es ist schon sehr spät am Abend in Japans Metropole Osaka. Borussia-Talent Tom Rothe nimmt auf einer Couch im Mannschaftshotel Platz. Hinter ihm leuchten die zahllosen Lichter der Stadt. Trotz der fortgeschrittenen Tageszeit und einer intensiven Trainingseinheit zuvor ist Tom gut gelaunt und scheint sich auf das kurze Gespräch zu freuen. Die Gründe dafür liegen nah: Mit der Empfehlung von vier Toren und zehn Assists in der letzten Spielzeit – wohlgemerkt seiner ersten kompletten Saison als Profifußballer – will der Außenverteidiger jetzt auch in Schwarzgelb überzeugen.

Nochmal ein herzliches "Welcome back!", Tom! Du bist jetzt seit zwei Wochen wieder zurück: Wie fühlt es sich an, zurück im Kreise der alten Kollegen zu sein?
Rothe: Danke! Sehr schön, jetzt wieder hier zu sein! In dem einen Jahr habe ich die Jungs und den Staff schon vermisst, dementsprechend groß war die Freude. Und nach der langen Sommerpause habe ich richtig Bock, endlich wieder Fußball zu spielen.

Wie lief der Austausch mit den Verantwortlichen in Dortmund während Deiner Leihe, hattet Ihr regelmäßig Kontakt?
Ja klar, insbesondere mit Otto Addo, der ja gerade für uns junge Spieler immer eine wichtige Ansprechperson war, habe ich viel gesprochen. Er hat mir oft geschrieben oder Spiele von mir besucht, vor denen wir uns auch getroffen haben, beispielsweise als wir auf Schalke gespielt haben. Edin hat mich immer in den Länderspielpausen angerufen und gefragt, wie es läuft und wie ich mich so fühle. Der regelmäßige Austausch war also immer da.

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Auf wen von den Jungs hast Du dich am meisten gefreut? Und wie waren die Reaktionen der Kollegen beim Wiedersehen?
Ich habe mich auf alle, die ich noch von vorher kannte, sehr gefreut! Natürlich ganz besonders auf Jungs wie Jamie, mit dem ich schon lange in der U19 gespielt habe. Niki Süle kam an und hat mich mit den Worten „Der Aufsteiger ist wieder da!“ begrüßt. Das gibt einem zusätzlich ein gutes Gefühl, wenn auch gestandene Spieler wie er es würdigen und entsprechend anerkennen, dass es für mich persönlich gut gelaufen ist.

„Gut gelaufen“, das ist stark untertrieben. Kein Verteidiger in der abgelaufenen Zweitligasaison sammelte mehr Scorerpunkte als Du – und wir reden hier von deiner allerersten kompletten Spielzeit im Profibereich!
Klar, dass am Ende solche Zahlen auf dem Papier stehen, freut mich natürlich. Dabei lag mein Fokus eigentlich erstmal nur darauf, Spielzeit und Erfahrung im Profifußball zu sammeln. Ich habe gemerkt, wieviel es bringt, kontinuierlich auf dem Platz zu stehen. Insgesamt waren es 33 Spiele, glaube ich. Der Mannschaftserfolg in Kiel hat zudem dazu beigetragen, dass die Saison dann noch mal geiler war. Ich dachte, ich komme nach Kiel, spiele eine solide Saison und finde mich erstmal auf diesem Level zurecht. Dieses persönlich nicht so schlechte Jahr noch mit dem Aufstieg zu krönen, war schon fast zu schön, um wahr zu sein.

Gab es trotzdem noch Dinge in Deinem Spiel, bei denen Du dich anfangs noch anpassen musstest, weil der Sprung vom Nachwuchs- zum Profifußball doch immer ich noch ein bisschen größer ist?
Ein paar Spiele in der 3. Liga bei unserer U23 hatte ich vorher ja schon mitgenommen, das hat mir sicher auch geholfen. Man muss einfach deutlich schneller vom Kopf her sein, die Zweikampfhärte ist auch eine ganz andere. Ich hatte das anfangs ein bisschen unterschätzt, der Switch ist schon riesig. In Kiel habe ich dann vielleicht noch ein oder zwei Spiele benötigt, aber dann war ich im Rhythmus.

Immer noch unglaublich schnell. Hat Dir dabei Deine Physis geholfen, gerade auf Deiner Position? Für einen Außenverteidiger ist eine Körpergröße von 1,93 Meter eher untypisch.
Ja, das war sicher ein Faktor. In Kiel haben wir auch oft mit einer Fünferkette gespielt, in der ich dann den linken Flügel besetzt habe. Das kam mir entgegen, ich konnte mich sehr oft offensiv einschalten. Da hilft es natürlich, wenn man gute Voraussetzungen mitbringt, sich im Zweikampf gegen etwas kleinere Gegenspieler auf den Außenverteidiger-Positionen des Gegners durchzusetzen. Aber auch defensiv habe ich viel dazu gelernt. Mir ist es oft noch schwergefallen, hinten stabil zu stehen, in Eins-gegen-Eins-Duellen dagegenhalten zu können und auch mal eklig zu sein. Was das angeht, hat die Saison in der zweiten Liga super viel geholfen – und trotzdem ist in einigen Dingen noch viel Luft nach oben.

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Während Deiner Zeit in Kiel hast du gesagt, dass Du unbedingt nach Dortmund zurückkommen und dann voll angreifen willst. Kommt jetzt der große Durchbruch?
So weit denke ich erstmal noch gar nicht. Ich weiß, dass Dortmund nochmal eine andere Hausnummer ist als Kiel. Aber genau das war der Sinn der Leihe: ein Jahr Spielpraxis sammeln und dann hier wieder attackieren. Jetzt will ich in der Vorbereitung Gas geben und dem neuen Trainer zeigen, wer ich bin und was ich kann. Das geht jetzt los und freue ich mich drauf! Und dann sehen wir, was daraus wird.

Du hast den Trainer schon angesprochen, Du hast Nuri jetzt erst kennengelernt. Wie nimmst Du ihn bislang wahr?
Unglaublich positiv. Der Trainer ist sehr detailverliebt, er könnte sich über jeden Fehlpass aufregen, aber ich finde das genau richtig. Dazu erwartet er von jedem, dass die Basics und Standards sitzen. Er will unser Spiel dahin entwickeln, dass wir dominant sind und den Gegner bespielen können. Nuri hat einen guten Plan und jetzt ist es an uns, das bestmöglich in die Tat umzusetzen.

Und welche Erwartungen hat er an Dich persönlich?
Er erwartet grundsätzlich sehr viel, von jedem von uns. Besonders konkret ist er den Einzelgesprächen mit mir bislang gar nicht geworden, nur dass ich mich immer voll reinhängen und ihm zeigen soll, was ich kann. Und dann werden wir sehen, wo die Reise hingeht.
 

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