Lars Ricken hatte noch in seiner Funktion als Direktor Nachwuchs-Leistungszentrum leichten Druck auf die Junioren-Bundesliga-Teams ausgeübt und mit einem Schmunzeln erklärt: „Jetzt sollten wir eine herausragende Saison auch veredeln.“ Marco Lehmann und seine U17 haben geliefert. Borussia Dortmund ist nach dem 3:2-Final-Triumph gegen Bayer Leverkusen mit nunmehr acht Titeln bei 15 Endspiel-Teilnahmen Deutscher B-Junioren-Rekordmeister.

Jetzt liegt es an der U19, den bisher neun Meistertiteln den zehnten hinzuzufügen. Im Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft trifft das Team von Mike Tullberg auf Hertha BSC. Das Hinspiel findet Donnerstag (18:30 Uhr im NLZ) statt, das Rückspiel Pfingstmontag (11 Uhr) in Berlin. Wie schön es ist, mit Siegerplaketten im goldenen Lametta-Regen zu stehen und als Meister bejubelt zu werden, dieses Gefühl werden Elias Benkara und Ousmane Diallo, die ab sofort wieder in den U19-Kader aufrücken, ihren Kollegen vermitteln.

„Der Titel“, betont indes Lars Ricken, „ist nur ein Nebenprodukt. Unser Auftrag ist es, Talente auszubilden und sie an den Profibereich heranzuführen.“ Allerdings will Borussias neuer Sport-Geschäftsführer die großartige Mannschaftsleistung nicht schmälern und spricht aus eigener Erfahrung: „Ich selbst war Deutscher Meister im Jugendbereich. Das ist ein Titel, den nimmst du dein Leben mit. Deshalb ist eine Meisterschaft auch die Bestätigung guter Arbeit.“

Die haben Marco Lehmann und seine Jungs zweifellos abgeliefert. Als Außenseiter in die Saison gestartet, setzten sie sich im Niederrheinstadion die Krone auf. Weil es das Trainer-Team verstanden hat, die Talente individuell und als Mannschaft weiterzuentwickeln. Dazu haben die fußballerisch so begabten Jungs gelernt, sportlichen Rückschlägen wie anderen Problemen Widerstandsfähigkeit, Willenskraft und Teamgeist entgegenzusetzen.

Einwechselspieler prägten Schluss-Akte

Es kam deshalb nicht von ungefähr, dass die Einwechselspieler, die Marco Lehmann gern „Gamechanger“ (Spielveränderer) nennt, die dramatischen Schluss-Akte des Endspiel-Krimis geprägt hatten. Taycan Etcibasi provozierte den Foul-Elfmeter in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit, und Jan-Luca Riedl erzielte in der Nachspielzeit der Verlängerung das „goldene Tor“. „Die frischen Spieler haben der Mannschaft neue Energie gegeben“, analysierte DFB-Trainer Marc-Patrick Meister, von 2013 bis 2015 noch in Diensten des BVB-Nachwuchs-Leistungszentrums.

Marco Lehmann hatte schon vor dem Halbfinale mit dem im Winter von Schalke 04 nach Dortmund gewechselten U17-Nationalspieler Taycan Etcibasi ein Vier-Augen-Gespräch geführt. „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, aber sehr ungeduldig. Er war drei Monate verletzt, und wir haben ihm immer prophezeit: Dein Moment wird kommen. Jetzt war dieser Moment da“, verriet Lehmann. Um ihm Spielpraxis zu ermöglichen, durfte Etcibasi beim 3:0-Sieg gegen Schalke sogar sein Debüt in Borussias U19 geben.

In der 99. Minute wurde Jan-Luca Riedl für den angeschlagenen Anas Mahjoubi eingewechselt. Der 14-jährige Riedl war im Sommer von Borussia Mönchengladbach nach Dortmund gekommen, war eigentlich für die U15 eingeplant und wurde schnell als „für diese Mannschaft zu gut“ beurteilt. In der B-Junioren-Bundesliga West absolvierte er 15 Spiele und erzielte drei Treffer. „Es fiel ihm anfangs schwer, weniger Einsatzzeiten zu akzeptieren, weil er in der U15 immer gespielt hätte. Er ist ein für sein Alter außergewöhnlicher und mutiger Spieler. Luca hat einen super Job gemacht“, lobt Lehmann.

Riedl feierte Debüt im U15-Nationalteam

Während Borussia die Halbfinalspiele gegen Leipzig bestritt, feierte Riedl zur gleichen Zeit seine Länderspielpremiere in der deutschen U15-Nationalmannschaft gegen die Niederlande, in Oberhausen erlebte er nun den Höhepunkt seines märchenhaften Aufstiegs. „Es war anfangs nicht leicht, mich an die Intensität in der U17 zu gewöhnen. Ich habe in diesem Jahr viel dazugelernt, jetzt hat sich alles ausgezahlt“, strahlt Riedl.

Jan-Luca Riedl bleibt der U17, die am Donnerstag (18:30 Uhr) mit einer allerdings stark veränderten Formation das Halbfinalspiel im Westfalenpokal beim Hombrucher SV absolvieren muss, in der nächsten Saison als Führungsspieler erhalten. Der eine oder andere des Meister-Kaders wird den BVB verlassen und der Großteil in der U19 an die nächste Stufe des Leistungsfußballs herangeführt. Was ihnen m Ende eines kurzen gemeinsamen Weges bleibt, formuliert Kapitän Jonas Feddersen: „Wir haben alle von Meistertitel geträumt. Und diesen Traum haben wir uns erfüllt.“ (wiwi)