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Wer hat an der Uhr gedreht? Eine Lektion in Sachen "Zeitspiel"

"Respect" und "Fairplay" werden bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) groß geschrieben. Der Anstand des Sports aber wurde am Mittwochabend im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán mit Füßen getreten. Doch die Vorwürfe richteten sich weniger an die Adresse des Gegners als an die des Schiedsrichters, der das perfide (Zeit-)Spiel der Spanier mitmachte. "Aber wir sollten nicht nachtreten", meinte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke, "das würde nur einen falschen Eindruck erwecken."

Aus Sevilla berichtet Boris Rupert
"Sollte irgendjemand schreiben, dass das Ausscheiden an der fehlenden internationalen Erfahrung lag, dann kann ich auf diese sehr gerne verzichten. So etwas will ich nicht haben!", wetterte Jürgen Klopp nach der Nacht von Sevilla. Den Spaniern reichte ein Punkt zum Weiterkommen, und sie wandten alle legalen und illegalen Mittel an, um das 2:2 über die Bühne zu bringen. "In so einem Ausmaß habe ich ein Zeitspiel noch nie erlebt", staunte der BVB-Trainer.

Es war ein Possenspiel! Ab der 75. Minute stellten die Balljungen das Ballholen ein, die Dortmunder mussten das Spielgerät selbst aus irgendwelchen Ecken holen, und wenn der Ball dann wieder auf dem Rasen lag, wurde ein zweiter drauf geworfen, um das Spiel noch weiter zu verzögern. "Es ist zwar bekannt, dass man besonders in südlichen Ländern so spielt. Dass der Schiedsrichter so darauf reinfällt, ist grotesk", ärgerte sich Mats Hummels. Aus den angezeigten fünf Nachspiel-Minuten wurden keine 60 Sekunden echte "Spielzeit".
"Der Schiedsrichter hätte härter durchgreifen müssen"
Torhüter Palop spielte derart penetrant auf Zeit, wie man es noch nie gesehen hat. Und seine Kollegen fielen urplötzlich hin, wälzten sich auf dem Rasen als seien sie soeben vom Blitz getroffen worden. "Das war ziemlich lächerlich", merkte

Hummels an: "Die Spieler von Sevilla lagen 24 mal am Boden, der Torwart brauchte einige Minuten, um den Ball ins Spiel zu bringen und der Schiedsrichter konnte nicht einmal Englisch mit uns sprechen."
Auf den russischen Pfeifemann Nikolaev konzentrierte sich die Kritik, die auch die Medienvertreter deutlich übten. "Hier wurde der Begriff Fairplay mit Füßen getreten", sagte WDR-Reporter Kay Hoffmann. Marcel Schmelzer merkte an: "Ich gebe den Spielern nicht die Hauptschuld; sie wollten nun mal weiterkommen. Das Problem war der Schiedsrichter: Der musste einfach härter durchgreifen." Ähnlich sah es Nuri Sahin: "Für die hatte dieses Spiel eine immense Bedeutung. Natürlich haben sie es deutlich übertrieben, aber das gehört nun mal im europäischen Fußball dazu."
Und so nimmt der BVB die Erkenntnis mit, dass ein Fußballspiel zwar 90 Minuten dauert, aber nicht unbedingt 90 Minuten lang Fußball gespielt werden muss.

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