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Stehende Ovationen für Hans-Joachim Watzke auf der Hauptversammlung

Im Zeichen des Abschieds und im Zeichen des höchsten Umsatzes der Konzerngeschichte stand die diesjährige Hauptversammlung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA am heutigen Montag in der Westfalenhalle.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Christian Kullmann, sprach angesichts des „höchsten Konzernumsatzes und der höchsten Konzernbruttogesamtleistung“ von einem „außerordentlich erfolgreichen Geschäftsjahr“, das für den Zeitraum 1. Juli 2023 bis 30. Juni 2024 im Einzelabschluss der KGaA mit einem Bilanzgewinn von knapp 37,9 Millionen Euro abschloss. Hiervon werden 6,6 Millionen Euro als Dividende für die Kommanditaktionäre ausgeschüttet, die verbleibenden rund 31 Millionen Euro in die Gewinnrücklagen eingestellt.

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Kullmann scheidet nach 17 Jahren (von 2019 bis 2021 stellvertretender Vorsitzender des Gremiums, anschließend Vorsitzender) aus dem Aufsichtsrat aus: „Es war mir eine Ehre, und es war mir ein Vergnügen, dem Konzern gedient haben zu dürfen.“ Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der BVB-Geschäftsführung, bedankte sich und betonte: „Evonik und Du: Ihr habt extrem viel für diesen Klub geleistet.“ Langanhaltenden Applaus erhielt auch der ebenfalls aus dem Gremium ausscheidende Bodo Löttgen.

Auch für Watzke war es die letzte Rede auf einer Hauptversammlung. Der im kommenden Jahr aus der Geschäftsführung ausscheidende BVB-Chef kritisierte wie schon am Sonntag auf der Mitgliederversammlung, dass „Solidarität heute häufig ersetzt wird durch Ungeduld“ und erklärte: „Ich habe das Gefühl, dass wir ins uns treiben lassen. Von den sozialen Medien schwappt es in die Medien. Nur in geduldiger Atmosphäre können große Dinge wachsen. Ich bin froh, dass wir einen Sportgeschäftsführer und einen Cheftrainer haben, die aus der eigenen Akademie kommen.“ Hier gab es später großen Zuspruch, auch aus Reihen der Aktionärsvertreter, die in ihren Wortbeiträgen u.a. Identifikation als ein wichtiges Merkmal in Führungspositionen herausstellten.

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Auch auf das Sponsoring mit „Rheinmetall“ ging Watzke ein. „Ich bin Demokrat und akzeptiere das Ergebnis der gestrigen Mitgliederversammlung. Die Mehrheit der Anwesenden hat sich gegen weitere Zusammenarbeit mit Rheinmetall ausgesprochen.“ Auf der Mitgliederversammlung des eingetragenen Vereins hatten am Sonntag 585 Mitglieder einem solchen Antrag zugestimmt. Watzke: „585 sind ein deutliches Signal. In der Gesamtbewertung sind es aber nur 0,25 Prozent aller Mitglieder. Ich wünsche mir, dass wir uns ein Meinungsbild einholen, wie es unsere 218.000 Vereinsmitglieder in Gänze sehen.“

Zum Abschluss blickte Hans-Joachim Watzke zurück: „20 Jahre. Das zehrt, wenn du dreimal in ganz tiefe Abgründe blickst.“ Gemeint waren die Beinahe-Insolvenz 2005, das Bombenattentat 2017 und die Corona-Pandemie. Die Folgen der Pandemie, „wo uns auf einmal die Lampen ausgemacht wurden“, hätten mehr als 150 Millionen Euro gekostet. Der Vorsitzende der Geschäftsführung sagte zur Entwicklung von Borussia Dortmund von 2004 bis heute: „Trotz erheblichster Wettbewerbsnachteile so aufzusteigen und über zehn Jahre da oben zu bleiben, ist eine großartige Leistung.“ Nur eines sei – „unerklärlicherweise!“ – nicht gelungen, „seit Corona vorbei ist, den Aktienkurs wieder zu reparieren.“ In der Woche vor Einstellung des Spielbetriebs lag der Kurs im März 2020 bei 9,48 Euro, heute bei 3,27 Euro.

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Sichtlich überrascht wurde Watzke von der Reaktion der anwesenden Aktionäre. Sie würdigten seine Leistungen in diesen 20 Jahren mit minutenlangen, stehenden Ovationen.

BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer betonte in schwierigen weltpolitischen und wirtschaftlichen Zeiten die „Strahlkraft der Marke Borussia Dortmund“. Und weiter: „Wir haben als BVB eine gesellschaftliche Relevanz. Unser wirtschaftliches Fundament ist ein ausgesprochen gutes. 160 Millionen im Sponsoring (einschl. Hospitality) bei 50+1 zu akquirieren, ist harte Arbeit.“ Ziel sei es, den BVB „in transferunabhängige 500 Millionen an Erlösen zu bringen“. Cramer richtete zudem den Blick auf eine junge Abteilung und berichtete: „Frauenfußball ist bei uns rentabel. In der Westfalenliga, auf absolutem Amateurniveau, generieren wir 2,5 Millionen Euro – das schafft in Deutschland keiner.“

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Thomas Treß führte wie in jedem Jahr ausführlich durch ein umfangreiches Zahlenwerk. Umsatztreiber waren die Bereiche Spielbetrieb (+ 9,1 Mio. € im Vergleich zum Vorjahr), TV-Vermarktung (+48,5), Merchandising (+14,5) sowie Conference, Catering, Sonstige (+14,4). Unterm Strich standen Umsatzerlöse von 509,1 Millionen Euro ohne Transfers (Vorjahr 418,2 Mio. €). Angesichts einer Bruttokonzerngesamtleistung von 639 Millionen Euro (+123,7) stellte Treß fest: „In Deutschland ist niemand außer Bayern München nur ansatzweise in der Lage, so eine Zahl zu generieren.“ Steigerungspotenzial sieht auch er in der Vermarktung: „Unsere Marke kapitalisieren wir in erster Linie im Sponsoring.“ Zum Aktienkurs fand er klare Worte: „Unser Eigenkapitel ist um 44 auf 327 Millionen Euro gestiegen. Das ist fast der gesamte Börsenwert. Der Börsenkurs ist lächerlich, wenn man die Substanz von Borussia Dortmund betrachtet.“

Die Beschlussfassung über die Feststellung des Jahresabschlusses erfolgte mit 99,9% der abgegebenen Stimmen, die Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafterin mit 99,8%. Für die Entlastung der Mitglieder des Aufsichtsrates votierten die Aktionäre mit 97,3%.

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Christian Schmid (Evonik) und Michael Zorc wurden neu in den Aufsichtsrat gewählt, Judith Dommermuth, Silke Seidel, Matthias Bäumer, Bernd Geske, Dr. Reinhold Lunow, Ulrich Leitermann sowie Prof. Dr. Bernhard Pellens wurden wiedergewählt. Im Anschluss an die Hauptversammlung wählte der Aufsichtsrat in seiner konstituierenden Sitzung aus seiner Mitte Frau Seidel zu seiner Vorsitzenden und Herrn Leitermann erneut zum Stellvertreter.
Boris Rupert

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