Nachbericht
Einsatz, Kampf, Leidenschaft: BVB erreicht wichtigen Sieg
Es gab einige Punkte, die Nuri Sahin bei seinem Amtsantritt ansprach und verbessern wollte. Einer davon war die Heimbilanz. Sieben Heimspiele mit Punktverlusten in der vergangenen Spielzeit waren (nicht nur ihm) ein Dorn im Auge, nachdem Borussia Dortmund in den sieben Jahren zuvor immerhin dreimal das beste Heimteam der Saison gewesen und stets unter den ersten Vier gelandet war. „In diesem Stadion hat man immer das Gefühl: Alles kann passieren. Nach dem ersten Tor war die Hoffnung wieder da, und danach war es einfach geil“, sagte Felix Nmecha.
Die erfolgreiche Aufholjagd ist der eine Teil der Geschichte des 85. „kleinen Derbys“ am Ruhrschnellweg. Die Gegentore sechs und sieben binnen einer Woche sind der andere. „Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Wir wollten sehr gut ins Spiel starten, auf einmal liegen wir 0:2 hinten“, erklärte Emre Can und berichtete von einer Ansprache des Trainers in der Kabine, „und danach wir alle als Mannschaft zusammen“. Sahin verwies unter anderem auf die Wucht, die das Stadion entfalten kann – und dass man im zweiten Durchgang auf die Süd spielt, die größte Stehplatztribüne Europas. Can: „In der Halbzeit haben wir uns gesagt: Wir werden das Spiel gewinnen. Wir sind mit dem Glauben daran rausgegangen und haben am Ende zu 100 Prozent verdient gewonnen. Es war nicht alles gut, aber wir haben drei Punkte.“
Julian Brandt fühlte sich „an das Gladbach-Spiel letzte Saison erinnert. Auch regnerisch, auch 2:0 zurückgelegen.“ Wichtig sei es gewesen, mit 1:2 in die Halbzeit zu gehen und sich da neu formieren zu können. Dass es überhaupt zu diesem Anschlusstreffer kommen konnte, lag an einer Schlüsselszene des Spiels: Nach einem Doppelpass war Bochums Myron Boadu in Minute 33 noch vor der Mittellinie mit dem Ball am Fuß losgesprintet und auf das Tor von Gregor Kobel zugelaufen. Sein Schuss aus zentraler Position aus rund 15 Metern rauschte aber knapp am linken Pfosten vorbei. „Wir haben beim potenziellen 0:3 Glück“, gab Brandt zu.
Die Mannschaft war gut ins Spiel gestartet, hatte aber zwei frühe und in der Entstehung viel zu einfache Gegentore kassiert. Dabei hatte sie sich nach der 1:5-Packung von Stuttgart so viel vorgenommen. „Wir wollten alle eine Reaktion zeigen“, berichtete Nmecha, und Can sagte ehrlich: „Wir stellen uns das auch alles anders vor. Wir wollen besseren Fußball spielen, wir wollen keine Tore kassieren. Wenn wir daraus lernen, ist es gut.“
Der mögliche Lerneffekt steht bereits in drei Tagen auf dem Prüfstand. Dann geht es in der UEFA Champions League gegen Celtic Glasgow, das am ersten Spieltag der Mannschaft von Slovan Bratislava fünf Gegentore eingeschenkt hat. Aber Schwarzgelb hat Heimrecht und 77.000 der 81.000 Zuschauer im bereits ausverkauften SIGNAL IDUNA PARK hinter sich. In diesem Wettbewerb ist der BVB seit elf Heimspielen ungeschlagen.
Boris Rupert
Spielbericht: Große Moral im kleinen Derby