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„Unser Schmerz ist unsere Kraft“ – Lesung im BORUSSEUM

Am vergangenen Donnerstagabend fand im BORUSSEUM eine eindrückliche und bewegende Lesung mit anschließendem Gespräch statt, die unter dem Titel „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ stand. Rund 50 Personen waren der Einladung gefolgt und erlebten einen Abend voller Emotionen, Informationen und eindringlicher Erinnerungsarbeit.

Die Veranstaltung, die im Rahmen der Reihe „Borussia verbindet im BORUSSEUM“ organisiert wurde, befasste sich mit der Mordserie des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) und den Auswirkungen auf die Angehörigen der Opfer. Im Mittelpunkt standen Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek, die durch die NSU-Morde ihre Väter verloren hatten. Mehmet Kubaşık wurde 2006 in Dortmund, Enver Şimşek bereits 2000 in Nürnberg ermordet. Beide Frauen berichteten eindrucksvoll von ihrem persönlichen Schicksal, ihrem Kampf um Aufklärung und ihrer Erinnerungsarbeit.

Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek lernten sich aufgrund der Morde an ihren Vätern kennen. Über Jahre hinweg standen sie gemeinsam Vorurteilen und Ignoranz gegenüber. Trotz zahlreicher Hinweise der Opferfamilien wurde lange Zeit behauptet, es gäbe keinen Zusammenhang zwischen den Morden und der rechten Szene – ein fataler Irrtum, wie sich später herausstellte. Die beiden Frauen schilderten eindringlich, wie sie und ihre Familien nicht ernst genommen wurden und wie schwer es war, gegen die falschen Beschuldigungen und die Ignoranz der Behörden anzukämpfen.

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Semiya Şimşek, die heute mit ihrer Familie in der Türkei lebt, war an dem Abend digital zugeschaltet und nahm die Zuhörer*innen mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Gamze Kubaşık, die vor Ort anwesend war, sprach über die Herausforderungen, die sie und ihre Familie nach dem Mord an ihrem Vater bewältigen mussten. Besonders beeindruckend war ihre Schilderung, dass sie mit ihrer Familie an allen Gerichtstagen des NSU-Prozesses teilnahm, um für Gerechtigkeit und Aufklärung zu kämpfen.

Ein zentrales Thema des Abends war das Jugendbuch „Unser Schmerz ist unsere Kraft“, das die Geschichten von Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek aufgreift. In Gedächtnisberichten, Telefonaten und Chats schildern die beiden Frauen darin, wie sie die erschütternden Ereignisse damals erlebt haben. Das Buch, das auch im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt wurde, ist ein Zeugnis ihrer Erinnerungsarbeit und ein Appell gegen das Vergessen.

Die Lesung und das anschließende Gespräch wurden von Christine Werner moderiert, die als Autorin und Journalistin die Geschichten der beiden Frauen begleitet hat. Sie schuf einen Raum, in dem sowohl die persönlichen Erlebnisse als auch die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des NSU-Komplexes thematisiert wurden.

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Besonders bewegend war der Moment, als Gamze Kubaşık über die Bedeutung der Solidarität sprach, die sie durch Borussia Dortmund und seine Fans erfahren hat. Ihr Vater Mehmet Kubaşık war ein großer Fan von Borussia Dortmund und sagte oft: „Heute spielt Borussia, heute spielt Heimat.“ Der von der BVB-Stiftung „leuchte auf“ unterstützte Mehmet-Kubaşık-Pokal der Nordstadtliga ist heute ein Symbol für Zusammenhalt und das Gedenken an die Opfer. Die Verbindung zwischen dem Verein, den Fans und der Familie Kubaşık zeigt, wie wichtig es ist, gemeinsam für eine offene und demokratische Gesellschaft einzutreten.

Die Veranstaltung wurde vom BORUSSEUM in Zusammenarbeit mit den Abteilungen Corporate Responsibility und Fanangelegenheiten, der what matters gGmbH und der Nordstadtliga organisiert. Sie bot den Besucher*innen nicht nur die Möglichkeit, die Geschichten von Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek kennenzulernen, sondern auch, sich mit den gesellschaftlichen Herausforderungen auseinanderzusetzen, die der NSU-Komplex aufwirft.

Am Ende des Abends war die Botschaft klar: Erinnerung ist Arbeit, und diese Arbeit ist notwendig, um eine offene, solidarische und demokratische Gesellschaft zu bewahren. Die Lesung im BORUSSEUM war ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, den Opfern Gehör zu verschaffen und ihre Geschichten weiterzutragen.

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