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Nachbericht

Ein Spielzug aus dem Lehrbuch und ein heimlicher Matchwinner

Das Aus im DFB-Pokal ist nicht mehr zu reparieren und bleibt schmerzlich. Dennoch hat es die Mannschaft von Borussia Dortmund geschafft, auf eine ordentliche Leistung am Dienstag vergangener Woche im Pokalspiel gegen Leverkusen nun am Sonntag einen sehr überzeugenden Auftritt gegen Hoffenheim folgen zu lassen. Der bescherte zumindest in der Liga einen Sieg, der den BVB weiterhin auf Tuchfühlung mit dem Tabellenzweiten aus Leipzig lässt und ein kleines Pölsterchen geschaffen hat auf die Verfolger.

Im Vergleich zum 2:1-Auswärtssieg in der Liga am Wochenende zuvor in Leverkusen hatte Niko Kovac eine auf nur einer Position veränderte Startelf gebracht: Yan Couto für Julian Ryerson. Und der Brasilianer machte auf der rechten Außenbahn wohl sein bestes Spiel in Schwarzgelb. An beiden Toren war er entscheidend beteiligt: am 1:0 als direkter Vorlagengeber für Julian Brandt, am 2:0 mit einer Flanke, die Felix Nmecha für den Torschützen Nico Schlotterbeck ablegte.

„Ein Angriff aus dem Lehrbuch“, schrieb der kicker über den Treffer zum 1:0 kurz vor der Halbzeitpause. Bis dahin hatten sich beide Teams einen irren Abnutzungskampf geliefert und jedes schon deutlich mehr als 60 Kilometer in den Knochen. Julian Brandt bekannte, dass das „nicht das Spiel“ gewesen sei, „das am meisten Spaß gemacht hat mit dem Hin und Her und den hohen Bällen“. Aber am Ende einer tollen Kombination stand er goldrichtig und schob zum 1:0 ein.

21 Sekunden bis zum Tor

Der BVB hatte sich nach eigenem Abstoß innerhalb von 21 Sekunden und über acht Stationen zum Führungstreffer durchkombiniert: Von Gregor Kobel über Nmecha zurück auf Schlotterbeck, dessen langen Ball der ins Zentrum eingerückte Couto genau am Anstoßpunkt annahm und für Serhou Guirassy prallen ließ. Der Stürmer legte ab für den zwischenzeitlich aufgerückten Nmecha, der die Übersicht hatte und rechts rausspielte zu Karim Adeyemi. Der nahm den hintergelaufenen Couto mit, der von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr zurückspielte. Links am Fünfer war Brandt ein Stück weit frei und schoss zum 1:0 ein. „So haben wir es trainiert“, lobte Kovac. „Wenn der Gegner hoch presst, ist es wichtig, in zehn, zwölf Sekunden abzuschließen.“

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Entscheid für diesen Treffer, so Brandt, aber seien nicht er oder Couto gewesen – sondern: Guirassy! „Es liegt nur an Serhou, weil er den Laufweg macht und sogar zwei Spieler mitnimmt. Dadurch bin ich blank.“ Und weiter: „Manchmal würde ich mir wünschen, dass wir es noch öfter hinkriegen, dass der Ball wie an einer Schnur läuft.“ Gegen Hoffenheim hat es von Anfang (Kobel) bis Ende (Brandt) geklappt, über acht Stationen.

„Fokussiert, konzentriert“

So hat man sich dem gegnerischen Pressing nicht nur perfekt entzogen, man hat es zu seinen Gunsten genutzt. Und: Man hatte die Lehren aus dem überlegen geführten, aber unglücklich verlorenen Pokalspiel gezogen. „Wir wussten, wenn wir heute zu aktiv beziehungsweise zu hoch pressen, dann wird Hoffenheim noch mehr die Bälle hinter die Kette suchen. Das wollten wir nicht zulassen“, resümierte Kovac: „Es ist sicherlich das eine oder andere Mal passiert, aber nicht in der Menge, die nötig wäre, um uns letzten Endes in Gefahr zu bringen. Meine Mannschaft hat über 90 Minuten einen sehr fokussierten, konzentrierten, disziplinierten Eindruck hinterlassen. Der Sieg ist meines Erachtens auch verdient, zumal wir noch mit Serhou (Guirassy, 90. Minute ans Gebälk, d. Red.) und auch mit Daniel Svensson (Kopfball aus kurzer Distanz zu Beginn der zweiten Halbzeit) noch zwei gute Möglichkeiten hatten. Aber wir mussten leiden. Wir mussten viel arbeiten, denn Hoffenheim hat uns alles abverlangt. Deswegen bin ich sehr froh über das Ergebnis, vor allen Dingen über die Leistung. Denn die knappen Spiele, die musst du gewinnen, weil die, die nicht knapp sind, die gewinnst du sowieso.“

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Dass Arbeit belohnt wird, spiegelte sich in Treffer Nummer zwei wider. Svensson hatte drei Eckbälle hintereinander in den Hoffenheimer Strafraum geschlagen; die ersten beiden wurden hinters Tor geklärt, der dritte weit nach außen. Statt den Ball laufen zu lassen und auf Einwurf zu gehen, setzte Svensson der Kugel mit einem Sprint nach, hielt sie im Feld, passte auf Couto, dessen Flanke Nmecha für Schlotterbeck auflegte.

Niko Kovac wird sehr zufrieden nach Hause gegangen sein. Erst die Arbeit, dann das Spiel. Die schönste Szene sahen 81.365 in der regulären Schlussminute, als Yan Couto wieder mal von rechts ins Zentrum eingerückt war, mit Ball am Fuß zwei Gegenspieler wie lästige Fliegen abschüttelte, punktgenau auflegte für Serhou Guirassy, der nur noch Oliver Baumann vor sich hatte. Guirassy machte es dann zu genau: Sein Schuss klatschte ans Gebälk.

Ein Treffer wäre das i-Tüpfelchen gewesen in einer in allen Belangen überzeugenden Leistung.
Boris Rupert

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