Nachbericht
„… das ist das, was ich auch in Zukunft sehen will!“
Karim Adeyemi, der fünf der 24 BVB-Torschüsse bei diesem Spektakel abgab, aber dennoch leer ausging trotz wirklich guter Leistung, sprach mehr über die Jungs auf den Rängen als die auf dem Rasen. „Für jeden Borussen ist die letzte Zeit sehr schwer gewesen, für uns natürlich auch. Uns und die Fans so zu enttäuschen, ist hart“, so Adeyemi: „Heute war es ein Statement.“
Geschäftsführer Lars Ricken formulierte nach Abpfiff sogar eine Dankes-Botschaft an jeden einzelnen Zuschauer: „Sie gehen mit uns durch eine sehr herausfordernde Saison und haben in den vergangenen Monaten in der Bundesliga nun wirklich nicht viel zu feiern gehabt. Dennoch sind sie immer da, treiben die Mannschaft während der 90 Minuten an und lassen sowohl auswärts als auch zu Hause ihr Herz im Stadion. Wenn man sieht, was unsere Fans heute für ein Stimmungs-Feuerwerk abgebrannt haben, lässt einen das mit Freude, Stolz und Demut zurück. Ganz dickes Dankeschön, auch im Namen der Mannschaft, an alle Dortmunder unter den 81.365 Zuschauern.“
Es war ein historischer Abend. Erstmals seit Erfassung der Torvorbereiter in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre standen ein Vierfach-Torschütze und ein Vierfach-Vorlagengeber gemeinsam bei einem Bundesligaspiel auf dem Rasen: Serhou Guirassy und Pascal Groß. Während es Viererpacks in Schwarzgelb häufiger gab – Guirassy ist der dritte Dortmunder in diesem Jahrtausend nach Pierre-Emerick Aubameyang und Erling Haaland –, ist Groß der erste Borusse, der zu vier Treffern in einem Spiel auflegte. Das haben weder Tomas Rosicky noch Andreas Möller geschafft. Vermutlich würde man erst bei Aki Schmidt fündig werden.
Pascal Groß habe „seine außergewöhnlichen Fähigkeiten“ über Jahre in der Premier League unter Beweis gestellt, betonte Cheftrainer Niko Kovac und fügte hinzu: „Ich will die Spieler auf den Positionen einsetzen, wo sie ihre Stärken haben.“ Bei Ballbesitz rutscht Groß „von der Doppelsechs auf die Acht. Er hat dort Ruhe am Ball und das Auge für den Mitspieler. Er wird uns noch viel Freude bereiten“.
Kovac‘ Arbeit trägt Früchte: In drei der zurückliegenden vier Pflichtspielen blieb die Mannschaft ohne Gegentor.. Vielleicht war das 6:0 gegen Union der Wendepunkt in einer Saison mit viel zu vielen Tiefen auf nationaler Ebene. Allerdings hat man das Anfang Oktober nach der 7:1-Gala gegen Celtic Glasgow auch schon gehofft. Damals folgte die harte Landung im Auswärtsspiel bei eben jenem 1. FC Union Berlin (1:2).
Am kommenden Samstag steht Schwarzgelb beim FC St. Pauli auf dem Prüfstand. „Es gibt keinen Grund zu feiern“, betonte Kovac: „Ich bin froh, dass wir endlich ein Bundesligaspiel gewonnen haben. Und das in einer Art und Weise, die mir Großteils gefallen hat. Jetzt geht’s weiter. Dass das heute in einigen Bereichen der Maßstab sein muss, mit dem Ball und gerade gegen den Ball, hohe Ballgewinne, schnelles Umschalten, die Tiefenläufe – das ist das, was ich auch in Zukunft sehen will!“
Boris Rupert