Story
Dr. Sabine Aldermann: Nach 50 Jahren als Fan neues Mitglied im Beirat
Im juristisch feinen Geflecht zwischen dem eingetragenen Verein, dem Ballspielverein Borussia 09 e.V., und der börsennotierten Profi-Sparte, der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, nimmt der Beirat der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH eine nach außen eher unbekannte, aber umso wichtigere Rolle ein. Dieses 13-köpfige Gremium ist das Kontrollorgan der Geschäftsführung. Viermal im Jahr stehen dort Hans-Joachim Watzke, Thomas Treß, Carsten Cramer sowie Lars Ricken Rede und Antwort. Vorsitzender des Beirats ist der Präsident des Vereins, Dr. Reinhold Lunow.
Dr. Sabine Aldermann wurde im Jahr 1966 in Bochum geboren, studierte Rechtswissenschaften und ist seit 1997 Partnerin der Kanzlei KÖHLING & DR. ALDERMANN. In diesem Jahr feiert Sabine Aldermann ihr 50-jähriges BVB-Jubiläum: 1975 sah sie im damals fast nagelneuen Westfalenstadion ihr erstes Spiel, damals noch in der zweiten Liga. Seitdem sind unzählige hinzugekommen. Die Aldermanns, denen das damalige „BVB-Magazin“ im März 1986 die Titelgeschichte widmete, folgen der Mannschaft tatsächlich „egal, wohin es geht“. Ob Baku oder Barcelona: Sabine Aldermann ist mit ihrer Mutter Ruth und ihrer Schwester Anke auf jeder internationalen und fast jeder nationalen Auswärtsreise als Fan mit dabei. Nun reist sie in offizieller Funktion.
Wie ist die Leidenschaft zu Borussia entstanden?
1975 war ich das erste Mal mit meinem Vater im Stadion, und da ist der Funke sofort übergesprungen. Seit 1976 haben wir Dauerkarten. Mit der gesamten Familie, also auch mit meiner Schwester Anke, mit meiner Mutter Ruth und meinem Vater Siegfried, sind wir zu Auswärtsspielen oder ins Trainingslager gereist. Daher kenne ich auch Dr. Reinhard Rauball, in dessen Kanzlei ich dann später meine praktische Studienzeit absolvieren durfte. Nach dem Tod unseres Vaters 1987 haben wir die Tradition aufrechterhalten. Unser Leben ist der BVB.
Welche Momente aus 50 Jahren mit dem BVB sind die bis heute lebendigsten?
Das 11:1 gegen Bielefeld, fünf Tore von Manni Burgsmüller in einer Halbzeit. Und das Spiel gegen Malaga waren die Highlights unter so vielen tollen, emotionalen und verbindenden Momenten zum einen im Westfalenstadion, zum anderen im Signal Iduna Park.
Als Borussia Dortmund am Pfingstmontag des Jahres 1986 in der Relegation gegen Fortuna Köln ein Entscheidungsspiel erzwingt, fiebert Sabine Aldermann ebenso mit wie im Frühjahr 2005, als Hans-Joachim Watzke und Reinhard Rauball die drohende Insolvenz abwenden. Womöglich hätte die Juristin dann Berufliches und Privates verbinden müssen, wenn Watzke und Rauball die Gläubiger nicht überzeugt hätten. Denn Sabine Aldermann ist seit fast 30 Jahren spezialisiert auf Insolvenzrecht. Zum Glück ist es nicht so weit gekommen.
Gibt es – in Anführungszeichen – „große Siege“ bei Insolvenzverfahren zum Wohl der betroffenen Firmen und der dort tätigen Menschen?
Ja, natürlich. Das ist immer die Zielsetzung. In der jüngeren Vergangenheit gab es zum Beispiel ein Seniorenheim, das wir übertragend saniert haben. Die Mitarbeiter konnten übernommen werden, und auch für die Bewohner ging es im gewohnten Umfeld weiter. Das Ziel ist es stets, Arbeitsplätze zu erhalten und den Betrieb zu sanieren – was aber nicht immer möglich ist, leider.
Wie häufig klappt das?
Ich würde sagen, die Quote der übertragenen Sanierung bei Firmeninsolvenzen ist relativ gering. Bei Privatpersonen ist infolge der Änderung der Insolvenzordnung eine Freigabe des Geschäftsbetriebs möglich. Der Marktverhältnisse müssen passen. Ein Übernehmer muss gefunden werden. Bei größeren Unternehmen gelingt das öfter. Für mich ist es immer das Schönste, wenn man alles erhalten kann, so wie es auch vorher Bestand hatte.
Ihre langjährigen beruflichen Erfahrungen setzen Sie nun auch für Borussia Dortmund ein. Waren Sie überrascht von Reinhold Lunows Anfrage?
Ich habe mich sehr darüber gefreut über das Vertrauen und die Möglichkeit, im Zusammenspiel zwischen Verein und KGaA mitzuwirken. Jetzt im Beirat vertreten zu sein, ist eine große Ehre für mich. Das in mich gesetzte Vertrauen macht mich sehr glücklich.
Welche Aufgaben haben die Beiratsmitglieder?
Der Beirat ist das Kontrollorgan der Geschäftsführungs-GmbH. Es gibt hier ordentliche und assoziierte Mitglieder; zu letzteren gehöre ich. Auch wenn ich als solches kein Stimmrecht habe, darf und möchte ich mich in den Sitzungen mit meiner Expertise beratend einbringen. Denn hier erstatten die Geschäftsführer unter anderem jeweils für ihre Geschäftsbereiche Bericht – und der Beirat bewertet diese. Viermal im Jahr ist das vorgesehen.
Beirat der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH
Dr. Reinhold Lunow (Vorsitzender des Beirates)
Dr. Winfried Materna (Stellvertretender Vorsitzender des Beirates)
Michele Puller (Stellvertretender Vorsitzender des Beirates)
Silke Seidel
Reinhold Schulte
Dr. Thomas Steg
Thomas Westphal
Prof. Dr. Volker Gruhn
Bernd Möllmann
Bodo Löttgen
Dr. Sabine Aldermann (assoziiertes Mitglied)
Patrick Albert Lynch (assoziiertes Mitglied)
Klaus Kaiser (assoziiertes Mitglied)