Stage Image Alternative Text

Vorbericht

„Müssen es wie ein normales Bundesliga-Spiel angehen“ – Im Gespräch mit Julian Brandt

Zwei Tore, drei Assists – in den vergangenen drei Spielen hat Julian Brandt maßgeblich dazu beigetragen, dass Borussia Dortmund am Samstag (15:30 Uhr) im Duell mit Holstein Kiel aus eigener Kraft die Qualifikation für die UEFA Champions League schaffen kann. „Wir sind dabei, vieles zumindest wieder auszubügeln“, sagt der Mittelfeldspieler im Interview mit BVB-TV zum Ende einer wechselhaften Saison. 

Der bisher imposante Schlussspurt mit 19 von möglichen 21 Punkten aus den vergangenen sieben Spielen verhalf dem BVB binnen weniger Wochen zu Platz fünf. Der Mittelfeldspieler will auch das Duell mit dem Absteiger aus Kiel im mit 81.365 Zuschauern ausverkauften SIGNAL IDUNA PARK bestehen: „Ich glaube einfach, dass wir momentan Struktur haben und uns gerade in den letzten Wochen und Monaten durch Disziplin wieder den nötigen Halt erarbeitet haben.“ 

Ein Heimsieg gegen Kiel mit mindestens zwei Toren würde im Normalfall den Weg in die Champions League ebnen – unabhängig vom Ausgang des direkten Duells zwischen Freiburg und Frankfurt, solange in Freiburg kein außergewöhnlich torreiches Ergebnis zustande kommt. Der Abstand zum Vierten Freiburg beträgt nur einen Zähler, der Dritte Frankfurt hat drei Punkte mehr. An den derzeit kursierenden Rechenspielen will sich Brandt nicht beteiligen: „Wir müssen es wie ein ganz normales Bundesliga-Spiel angehen. Nicht mehr. Nicht weniger. In jedem Spiel, was ich bislang bei Borussia Dortmund gespielt habe, ging es immer um irgendetwas. Es geht einfach nur darum, das Spiel zu gewinnen.“

Inline Image

Die positive sportliche Trendwende beim BVB hat seiner Einschätzung nach auch mit der Arbeit von Trainer Niko Kovac zu tun. „Er achtet auf die Kleinigkeiten. Die entscheiden ja oft. Da ist er sehr strikt. Wir sind alle verschiedene Typen, aber im Großen und Ganzen tut eine gewisse Linie schon gut – dafür steht er“, erklärt Brandt. „Es ist jetzt nicht so, dass wir wie vor dreißig, vierzig Jahren gefühlt in der Schule alle stramm sitzen müssen. Wenn wir arbeiten, dann arbeiten wir und wenn wir Spaß haben, dann haben wir Spaß.“

Zudem rechnet Brandt dem Coach hoch an, dass er auch nach schwächeren Spielen nie an seinen Qualitäten gezweifelt hat: „Er hat mir sicherlich einen gewissen Halt in den letzten Monaten gegeben. Das tat definitiv gut.“ Als der Fußballlehrer ihn demonstrativ gegen wachsende öffentliche Kritik verteidigte, zog der 47-malige Nationalspieler seine eigenen Schlüsse: „Das, was Niko öffentlich in Pressekonferenzen über mich sagt, das ist ja nichts für mich, das ist ja eher was für alle Medienvertreter. Ich weiß schon, wie er in unseren Trainingsräumen mit mir redet, wie wir miteinander kommunizieren, wie wir miteinander umgehen. Ich weiß, was ich an ihm habe, und ich glaube, er weiß auch, was er an mir hat.“

Inline Image

Und doch ging seine sechste Spielzeit im schwarzgelben Trikot nicht spurlos an ihm vorbei, wie er selbst zugibt. „Das zweite Jahr bei Borussia Dortmund war jetzt auch kein spielerischer Leckerbissen. Da saß ich viel auf der Bank. Der einzige Unterschied ist, dass sich jetzt natürlich die Kritik ein bisschen zentriert hat. Das war sicherlich viel bei Emre Can dieses Jahr, das war viel bei Nuri Sahin und das war jetzt in der Rückrunde viel bei mir. Es war ein lehrreiches Jahr“, sagt Brandt und verweist dabei auf die mitunter heftige Schelte in den sozialen Medien.  

Doch die Leistungskurve ging zuletzt wieder nach oben. „Es hat mir vielleicht auch ein bisschen zu lange gedauert, dass ich wieder meine Form finde. Grundsätzlich ist es aber nicht so, dass ich jetzt sage: Was für ein beschissenes Jahr“, sagt der 29-Jährige. Noch bestehe die Chance auf eine Kurskorrektur: „Am Ende ist immer das Wichtigste, wie die Saison ausgeht. Wir haben uns die Chance bewahrt, sportlich zumindest unsere Minimalziele erreichen zu können. Dann kann ich auch damit leben, wenn sich die Leute vermehrt über mich aufregen. Der Verein steht in dieser Zeit ganz klar im Vordergrund.“

Inline Image

Mittlerweile ist die Spielfreude zurück – nicht nur bei Brandt. „Wir haben jetzt gegen Leverkusen vier Tore geschossen, wir haben gegen Wolfsburg vier Tore geschossen, wir haben drei Tore gegen Hoffenheim geschossen, wir haben drei Tore gegen Gladbach geschossen. Das ist am Ende das Endprodukt von Spaß und Freude, was wir uns durch harte Arbeit wiedergeholt haben“, so Brandt. Ein Erfolgserlebnis am Samstag könnte für das Erreichen eines Champions-League-Platzes sorgen – und den Blick zurück auf eine knifflige Saison mit einem zwischenzeitlichen Sturz auf Rang elf erleichtern. 

Weitere News