Story
Mehr als nur Fußball: Die U15 des BVB auf Bildungsreise an der US-Ostküste
Die Mannschaft von Cheftrainer Christopher Kruse startete furios ins „Snow Bowl“-Turnier in Philadelphia. In den ersten beiden Partien gegen Monterrey (4:3) und Manchester United (3:0) zeigten die Jungs phasenweise hochklassigen Fußball und bewiesen ihre Offensivstärke. Im letzten Vorrundenspiel wartete mit Gastgeber Philadelphia Union eine völlig neue taktische Herausforderung.
Cheftrainer Kruse analysierte: „Philadelphia verteidigt im Gegensatz zu den meisten europäischen Gegnern nicht mannorientiert, sondern im Raum. Für uns war es eine großartige Herausforderung, gegen einen physisch starken Gegner Lösungen zu finden, der eher versucht, in Ballnähe Überzahl zu schaffen.“ Das torlose Unentschieden sicherte den ersten Platz in der Vorrunde. Im Halbfinale traf das Team erneut auf Manchester United. Trotz eines frühen 0:2-Rückstands kämpften sich die Borussen auf 2:2 zurück, ehe ein Konter in der Nachspielzeit die knappe 2:3-Niederlage besiegelte. Das Turnier endete mit einem über weite Strecken dominanten, aber letztlich verdienten 1:1 gegen Newcastle United.
Mindestens ebenso prägend wie die sportlichen Erfolge waren die Erlebnisse abseits des Rasens: In Philadelphia besuchten die Dortmunder Jungs Sehenswürdigkeiten wie die Liberty Bell, die Rocky Steps und den Reading Terminal Market. Ein kulinarisches Highlight war das originale Philly Cheesesteak, das bei Spielern und Trainern gleichermaßen gut ankam.
Unvergesslich war auch der Tagesausflug mit dem Zug nach New York City. Von der Penn Station aus erkundeten die Jungs die Metropole: Empire State Building, Rockefeller Plaza, Times Square und Central Park standen auf dem Programm, bevor es mit der Subway in Richtung Freiheitsstatue ging. Nach einer Rundfahrt mit der Fähre führte der Weg über die Wall Street und das 9/11 Memorial zur Brooklyn Bridge. Nicht nur während der Überquerung hallten BVB-Fangesänge über den East River.
Dr. Tim Kübel, Leiter Kultur und Entwicklung im NLZ, zeigte sich begeistert: „Ich war beeindruckt, mit welcher Leidenschaft die Jungs BVB-Lieder gesungen haben. Es wird Zeit, dass wir sie mal wieder auf die Südtribüne bringen, wie das zu meiner Zeit noch normal war.“ Der Abend gipfelte in einem besonderen Erlebnis beim NBA-Spiel der Brooklyn Nets gegen die Indiana Pacers. Die BVB-Talente durften beim Pre-Game-Shootaround hautnah dabei sein. Als Highlight wurden die Dortmunder Jungs während des Spiels auf dem Jumbotron – dem großen Videowürfel in der Halle – gezeigt, nachdem sie die Heimmannschaft lautstark angefeuert hatten.
Ein zentraler Aspekt der Reise war es, den Spielern alternative Lebenswege aufzuzeigen. Kübel, selbst ehemaliger BVB-Spieler (2010 bis 2013), lebte sieben Jahre in den USA und kombinierte dort Studium und Fußball mit einem Stipendium – erst als Spieler an der University of Louisville, dann als Trainer an der University of North Carolina. Beim Besuch der renommierten University of Pennsylvania staunten die Nachwuchskicker nicht schlecht: Die Infrastruktur und die Kabinen der College-Fußballer ließen selbst manch europäischen Profiklub blass aussehen. „Wir wollten den Jungs eine Perspektive aufzeigen, sollte es mit dem Profifußball nicht funktionieren. In meinen Augen steht eine College-Karriere einer Regionalliga-Karriere in nichts nach – ganz im Gegenteil. Der Besuch hat Eindruck hinterlassen und die Bedeutung schulischer Bildung als Türöffner unterstrichen“, so Kübel.
Der emotionale Höhepunkt des Campus-Besuchs war das Basketballspiel der UPenn Quakers gegen Cornell. Was mit zaghaften „Defense“-Rufen begann, endete damit, dass die BVB-Jungs in die „Student Section“ eingeladen wurden. 45 Minuten lang feuerten sie das Team mit umgetexteten BVB-Fangesängen an. Die Wirkung war messbar: Der Gegner verwarf unter dem Jubel der Dortmunder direkt hinter dem Korb sechs Freiwürfe in Folge. Nach dem Sieg feierten die Basketballspieler ausgelassen mit den Jungs aus Dortmund auf dem Court. Beim Verlassen des Spielfelds wurden sie von den Zuschauern mit Applaus verabschiedet – ein Moment, der allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Der Mensch hinter dem Spieler
Dass die persönliche Entwicklung beim BVB großgeschrieben wird, zeigte sich auch in der personellen Besetzung der Reise. Mit Marian Dahlem (ehemaliger Basketballprofi und pädagogischer Mitarbeiter), Dr. Tim Kübel (Kultur und Entwicklung) sowie Co-Trainer Florin Bittner, der als Lehrer an einer Dortmunder Partnerschule tätig ist, standen den Jungs drei Fachkräfte zur Seite, die sich intensiv um die außersportliche Bildung kümmerten. Dieser ganzheitliche Ansatz umfasst die schulische Ausbildung ebenso wie prägende Erfahrungen außerhalb des Sports.
Ein festes Abendritual war das Strategiespiel „Werwolf“ – ein Rollenspiel, bei dem es um Kommunikation, Bluffen und das Entlarven von Verrätern in der Gruppe geht. „Es macht Spaß, die Jungs auf einer anderen Ebene kennenzulernen und gemeinsam zu lachen“, betonte Co-Trainer Bittner. „In zehn Jahren erinnert man sich nicht an ein Vorrundenspiel, sondern an die einzigartigen gemeinsamen Momente. Unser Ziel ist es, den Horizont der Jungs stetig zu erweitern – denn letztlich steht der Mensch hinter dem Spieler im Mittelpunkt, unabhängig davon, ob er Profi wird oder nicht“, fasste Dr. Tim Kübel die Reise zusammen.