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Berlin war einen Tag schwarzgelb: "50.000 Borussen an der Spree"
Die BVB-Fans hätten den DFB-Pokal verdient gehabt. Sie peitschten die Borussia bedingungslos nach vorne. Um 19.20 Uhr dann der Auftritt von Norbert Dickel. Der 89er-Pokalheld machte erst die Welle und schunkelte anschließend mit den verletzten Roman Weidenfeller, Philipp Degen und Daniel Gordon den BVB-Walzer. Gänsehautstimmung! Und ohrenbetäubende Lautstärke. Wenige Minuten vor Spielbeginn enthüllten die BVB-Fans ein Banner. "Träumt einer, ist es nur ein Traum - träumen viele gemeinsam, ist es der Beginn von etwas Großem." Ein Griff in die Psycho-Trickkiste. Glaubenshilfe für die Mannschaft.
Dann der Anpfiff von Schiedsrichter Knut Kircher. Wieder: "Unser ganzer Stolz ..." Ein Dauerbrenner. Erinnerungen wurden wach an den 25. November 1993, als die BVB-Fans beim UEFA-Cup-Spiel bei Bröndby Kopenhagen (1:1) pausenlos sangen - "Olé, jetzt kommt der BVB". Um 20.13 Uhr der Schock: Luca Toni trifft zum 1:0 für die Bayern. Und kurzzeitig in die Herzen der BVB-Fans. Frenetischer Applaus beim ersten Torschuss durch Florian Kringe (31.).
In Halbzeit zwei das gleiche Bild: Die Borussen auf der Tribüne meisterhaft. Und auf dem Rasen? Kurz vor Schluss trifft Petric - die Fans spielen verrückt. Verlängerung. Wieder ein Schock: Toni zum zweiten. In den Blöcken neben dem Marathon-Tor: Stille. Kurze Trauer. Dann wieder: "Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz..." Bis zum bitteren Ende. "Unsere Fans sind der Wahnsinn", sagte Roman Weidenfeller zur Halbzeit. "Sie hätten den Pokal verdient."
Beifall im "Stadion Friedensplatz"
Enttäuschung, aber auch Beifall für eine tolle Leistung des BVB - so reagierten die Fans auf dem Friedensplatz auf das unglücklich verlorene Pokalfinale in Berlin. Die Erwartungen waren zu Beginn ohnehin nicht allzu groß. Trotzdem waren wieder Massen an schwarzgelben Fans in die City geströmt. Schon um kurz nach 19 Uhr mussten die Zugänge zum Friedensplatz dicht gemacht werden. Viele mussten sich in den Kneipen der Innenstadt eine Alternative suchen. Mehr 15.000 drängten sich vor Bühne und Leinwand - selbst hinter den Absperrungen.
Und die Stimmung war trotz aller Skepsis bestens. "Die sind genauso durchgeknallt wie ich", wunderte sich Matthias "Kasche" Kartner, der als Sänger auf Bühne den Zuhörern mit BVB-Hits einheizte - sofern es denn nötig war. Selbst der Dämpfer durch das frühe 1:0 der Bayern wirkte nur kurze Zeit. Die befürchtete Bayern-Torflut blieb aus. Und als sogar der BVB in der zweiten Halbzeit den Favoriten mächtig unter Druck setzte, wuchsen Hoffnungen und Fan-Gesänge an. Der Torjubel zum Ausgleich in der 90. Minute glich einer Explosion. Die Bierwagen wackelten, die Fans tanzten.
Dass es am Ende doch nicht reichte, trugen die meisten mit Fassung. Es gab sogar verhaltenen Beifall für die Geschlagenen. Dann drängten die Massen zu den Ausgängen. Doch viele werden bestimmt zum Empfang der Mannschaft am Rathaus an diesem Sonntag wiederkommen.
Berlin wieder "Bananen-Republik"
16.000! Nein, das war nicht die Zahl der BVB-Fans in Berlin. Das war die Anzahl der aufblasbaren Bananen, die am Samstag vor zwei Wochen in der Hauptstadt zu sehen waren. Borussia Dortmunds Fans machten Berlin zur "Bananen-Republik". Schon beim DFB-Pokalfinale 1989 waren die überdimensional großen Bananen der
Hingucker. Und beim 4:1 über Werder Bremen vor allem der Glücksbringer für den BVB. Damals hatte "Chiquita" am Stadion-Eingang 1.000 per Kompressor aufgeblasene Riesenbananen an die Fans verteilt. Diesmal waren es 16 Mal so viel und vornehmlich an der Kaiser-Wilhelms Gedächtnis-Kirche am Ku´damm und auf der Fanmeile am Brandenburger Tor zu sehen.
Trotz Temperaturen knapp unter zehn Grad waren dort seit den frühen Morgenstunden zehntausende Fans wie Horden eingefallen. "Am Ku´damm wird die Kuh fliegen", hatte Sebastian Walleit, BVB-Fanbeauftragter, schon im Vorfeld des Endspiels prognostiziert. Er sollte Recht behalten. Geschätzte 40.000 bis 50.000 BVB-Anhänger waren in die Hauptstadt gereist.
Doch wo waren nur die Bayern-Fans? In Berlin musste man schon genau hinschauen, um die Rot-Weißen zu finden. Schwarz und gelb waren die klar dominierenden Farben in der Hauptstadt.