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Eine Rolle Drops und einen Lolli für Alfred Niepieklo zum 85. Geburtstag

"Ein Stürmer, der den Ball führt, als habe er einen Spezialmagneten im Schuh. Ein gescheiter Kopf dazu, dem immer wieder etwas einfällt." So charakterisiert die "SPORT-ILLUSTRIERTE" in ihrer Ausgabe Juni 1956 Alfred Niepieklo. Der am 11. Juni 1927 geborene Vollblut-Fußballer ist der Dritte im Bunde der "Drei Alfredos".

Der technisch brillante Westfale, der bei der SG Castrop 02 das Kicken erlernt, trägt mit Alfred "Fredy" Kelbassa und Alfred "Adi" Preißler mit seinen Toren maßgeblich dazu bei, dass Borussia Dortmund in den 50er Jahren das Maß aller Dinge ist und 1956 und 1957 souverän zweimal hintereinander in gleicher Aufstellung die Deutsche Meisterschaft feiert.
Zwischen 1950 und 1960 bestreitet der 1,78 Meter große Stürmer mit dem unnachahmlichen "Torriecher" 175 Oberligaspiele und erzielte 101 Tore. In den 17 Endrundenspielen zur "Deutschen" trifft er 17 (!) Mal! Drei Treffer in sieben Europapokalpartien runden das Erfolgsbild des Torschützenkönigs des Jahres 1956 ab (24 Tore). Trifft er im 56er Finale in Berlin gegen Karlsruhe einmal ins Schwarze - zwei weitere Tore zum 4:2-Endstand bereitet er per Eckball beziehungsweise Freistoß vor -, "schenkt" er dem Hamburger SV ein Jahr später im Finale in Hannover zwei Treffer zum späteren 4:1 ein.

Das Karriere-Ende nimmt "Nipo", wie sie ihn alle nur rufen, selbst vor. Den "unwürdigen Umgang", den "Peitschenknaller" Max Merkel gerade mit den älteren Spielern pflegt, nimmt der einstige Angestellte bei den Dortmunder Stadtwerken zum Anlass, einen noch lang datierten Vertrag bei den Schwarz-Gelben aufzukündigen und die Schuhe an den Nagel zu hängen. Als Trainer gibt er in Letmathe noch einige Jahre sein Fachwissen weiter.
Den Kontakt zu seinen Kameraden pflegt er sehr. So treffen sich die Meisterspieler mit ihren Frauen mal hier, mal dort, nicht selten auch in "Nipos" schmuckem Eigenheim in Castrop-Frohlinde, wo Ehefrau Liesel eine fröhliche und charmante Gastgeberin ist. Sie ist es auch, die ihrem Mann anno 1956 "die Flausen aus dem Kopf treibt", als er mit einem Wechsel zu München 1860 liebäugelt: "Wenn Du meinst, Du musst gehen... - ich bleibe hier!" Beide blieben und sind dabei glücklich geblieben.
Alfred besucht stets die Spiele des BVB im Signal Iduna Park, meist begleitet von Schwiegersohn Uli Kelbassa, Fredys Sohn - sein Schwiegersohn! Und wenn er zum Unterschied von damals und heute gefragt wird, erzählt er schmunzelnd: "Ich hatte einen Vertrag über 320 Mark, davon wurden 264 Mark ausgezahlt. Und manchmal gab es dazu auch ne Rolle Drops oder nen Lolli!"
Fritz Lünschermann

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