Interview
U19-Stimmen: „Wir sind die Besten in Deutschland“
Borussias U19 ist wieder Deutscher Meister. Zum neunten Mal insgesamt, zum vierten Mal seit 2016. Die Jungs von Mike Tullberg setzten sich im Stadion am Wurfplatz in Berlin mit einem 2:1-Erfolg gegen Hertha BSC die Krone auf. „Wir sind die beste Mannschaft in Deutschland“, jubelte der Cheftrainer. Sieger im NRW-Liga-Pokal, Westdeutscher Meister, jetzt Deutscher Meister, im DFB-Pokalfinale gestanden und in der UEFA Youth League erst im Viertelfinale unglücklich gescheitert: Diese Mannschaft um Kapitän Dennis Lütke-Frie hat mit ihrem Triumphzug durch die Saison ein Kapitel Vereinsgeschichte geschrieben.
Sie trug einen schweren Rucksack in dieses Endspiel. „Die Niederlage im Pokal-Finale war bitter, aber wir haben uns in der Woche im Training zusammengerauft“, gestand Angreifer Bradley Fink, dem wieder kein Weg zu weit und kein Zweikampf zu viel war. Den selbst aufgelegten Druck, dieses Negativ-Erlebnis vergessen zu machen, nahm den Schwarzgelben anfangs die Leichtigkeit, und nach dem frühen 0:1-Rückstand schien das Spiel wieder in eine andere Richtung zu laufen. „Es verdient höchsten Respekt und größtes Lob, wie sie diese Enttäuschung verarbeitet und weiter an sich geglaubt haben“, urteilte Mike Tullberg.
Gegenüber dem Pokalfinale hatte Tullberg die Herangehensweise taktisch und personell etwas verändert, zunächst auf eine Dreier-Kette umgestellt und mit dem lauf- wie zweikampfstarken Mittelfeldspieler Vasco Walz statt Stürmer Julian Rijkhoff das Mittelfeld stabilisiert. In der Halbzeit modifizierte er erneut das System, und am Ende stand ein, wie auch Michael Hartmann in seinem letzten Spiel als Hertha-Trainer anerkannte, „verdienter Sieg für den BVB.“. Tullberg hatte mit allen Maßnahmen und Korrekturen richtig gelegen.
Prominente Unterstützung auf der Tribüne
Dabei waren sie schwer in die Partie gekommen. Die mutigen Berliner, die im Halbfinale souverän Südmeister FC Augsburg ausgeschaltet hatten, zwangen die anfangs in der Abwehr etwas unsortierten Dortmunder zu Fehlern. „Wir haben in dieser Phase zu tief gestanden und vor dem 0:1 schlecht verteidigt“, befand Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung, der gemeinsam mit Präsident Dr. Reinhard Rauball, Sportdirektor Sebastian Kehl, dem künftigen Cheftrainer Edin Terzic und Berater Matthias Sammer die Jungs auf der Tribüne des Berliner Amateur- und Jugendstadions unterstützt hatte.
Spätestens das nicht geahndete Foul von Julian Eitschberger an Bradley Fink in der 30. Minute (Watzke: „Ein klarer Elfmeter“) wurde zur Wende in diesem spannenden und gutklassigen Finale. Der BVB zelebrierte danach sein gewohntes Tempo- und Kombinationsspiel, produzierte Druck über die Außenpositionen und erzielte durch Jamie Bynoe-Gittens, der Tom Rothes präzise Vorarbeit veredelte, den hoch verdienten Ausgleich (37.).
Bradley Fink („Wir sind im taktischen und technischen Bereich die stärkste Mannschaft“) gelang nach einer feinen Einzelleistung in der 48. Minute das umjubelte 2:1. „Wir waren nach 30 Minuten komplett im Spiel und haben am Ende alles wegverteidigt“, bilanzierte Lars Ricken, der in Gedanken schon bei der nächsten Saison war: „Wir ruhen uns nicht auf dem Erfolg aus, sondern überlegen schon sehr genau, was wir noch besser machen können.“
„Die Party könnte verrückt werden“
Einziger Schönheitsfehler in Berlin war das finale Umschaltspiel. „Wir haben viele Chancen liegen lassen und zwei Elfmeter nicht bekommen, aber egal“, haderte Mike Tullberg nur kurz, bevor es zur Meisterehrung ging: Hermann Winkler, der DFB-Vizepräsident für Jugendfußball, Joti Chatzialexiou, der sportliche Leiter der Nationalmannschaften und DFB-U19-Trainer Hannes Wolf überreichten Goldmedaillen und die Siegertrophäe an Kapitän Dennis Lütke-Frie.
„Wir haben uns dieses Spiel über zehn Monate hart erarbeitet, die Party könnte verrückt werden“, lachte Jamie Bynoe-Gittens, als Mike Tullberg die Feier-Ampel auf Grün gestellt hatte. Dienstagabend werden sie bei einem gemeinsamen Abendessen das große Spiel und den Triumph von Berlin ausklingen lassen. Und jene, die im Stadion auf dem Wurfplatz nicht unmittelbar am Ball waren, können sich dann auf „ihr“ Finale vorbereiten: das Endspiel im Westfalenpokal gegen Schalke 04.