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Interview

Jahresrückblick mit Svenja Schlenker: „Wir haben den Kampf angenommen!“

Das Jahr 2024 neigt sich dem Ende zu und es ist Zeit, auf die vergangenen Monate zurückzublicken. Svenja Schlenker, Abteilungsleiterin Frauen- und Mädchenfußball bei Borussia Dortmund, hat genau das getan. Sie lässt einige besondere Momente des Jahres Revue passieren. Außerdem wirft sie einen Blick in die Zukunft und gibt einen Ausblick auf die kommenden Entwicklungen im Mädchen- und Frauenfußball beim BVB.

Svenja Schlenker über das Jahr 2024:
„Mein Jahresrückblick fällt auf jeden Fall lang aus. Es war ein Jahr mit so vielen Ereignissen, dass ich sie jetzt wahrscheinlich gar nicht alle aufzählen könnte. Es war definitiv ein cooles Jahr. Ich freue mich jetzt aber auch, dass ein bisschen Pause ist, um durchzuschnaufen und zwei, drei Wochen lang wieder Kraft zu tanken.“

... das Highlight-Spiel am 14. April gegen den TV Brechten vor 4.731 Zuschauern:
„Bei dem Gedanken an den Tag muss ich immer noch grinsen. In meinem Büro hängt ein auf Leinwand gezogenes Foto mit der Zuschauerzahl und im Hintergrund das volle Stadion bei strahlendem Sonnenschein. Es war ein Riesenereignis, das wir im April bei einem ‚kleinen‘ Stadtderby gefeiert haben. Der Sonntag hat gezeigt, was für eine Strahlkraft Borussia Dortmund und der schwarzgelbe Frauenfußball haben, auch deutschlandweit. Wir waren an diesem Wochenende das meistbesuchte Frauenfußballspiel und hatten sogar mehr Zuschauer als die Frauen-Bundesliga. Was will man mehr? Es war ein perfekter Tag.“

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... die Leistung der Mannschaft in der vergangenen Saison in der Landesliga:
„Wir haben uns zwar von Anfang an nicht schwergetan, aber es war lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit zwei, drei anderen Vereinen. Erst zum Winter konnten wir uns ein bisschen absetzen. Dann haben wir jedoch bis ins Frühjahr hinein durchgezogen und sind dadurch auch nicht erst am letzten Spieltag aufgestiegen, sondern konnten die Meisterschaft ein paar Spiele vor Saisonende bereits klarmachen. Rückblickend war es eine sehr gute Saison, in der wir es wirklich überragend gemacht und am Ende souverän die Meisterschaft gewonnen haben.“

... das Feiern der Meisterschaft im SIGNAL IDUNA PARK auf dem Rasen vor der Südtribüne in der Halbzeitpause der Profis:
„Ich habe mich bewusst dazu entschieden, nicht mit runter auf den Rasen zu gehen, weil das der Moment der Mannschaft, der Trainer und des Staffs war. Ich habe es aber natürlich von der Tribüne aus verfolgt. Ich hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen, weil es total surreal war, dass sich Fußballspielerinnen von Borussia Dortmund vor unserer weltbekannten Südtribüne feiern lassen dürfen. Es war wirklich ein herausragender Moment und ich bin stolz auf die Anerkennung, die der noch sehr junge Frauenfußball beim BVB bekommt.“

... das Fazit der Saison 2023/24:
„Wir haben fast alles erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. Natürlich hätten wir auch gerne das Finale im Westfalen-Pokal gespielt, dazu hat es aber noch nicht gereicht. Das macht es allerdings auch spannend: Step by step, so wie unsere Abteilung aufgebaut ist, so wie unser Weg ist. Man kann nicht immer alles sofort erreichen, sondern muss sich Dinge erarbeiten. Und wir sind in der vergangenen Saison im Westfalenpokal schon eine Runde weitergekommen als im Jahr davor. Und von daher schauen wir doch mal, welche Schatten das für dieses Jahr vorauswirft.“

... das Testspiel in der Saisonvorbereitung gegen Bayern München II am FC Bayern Campus:
„Hätte man mich vor fünf Jahren gefragt, ob Fußballerinnen in Schwarzgelb einmal gegen den FC Bayern München spielen, hätte ich mit dem Kopf geschüttelt. Deswegen war das ein sehr besonderer Moment. Zum einen, weil wir am Campus gespielt haben und mal daran schnuppern durften, wie der Süden Deutschlands das für sich aufgebaut hat. Schon allein das war wirklich toll zu sehen. Wenn wir das Spiel betrachten, hat man natürlich noch Unterschiede gesehen. Wir wissen, dass wir noch ein paar Hausaufgaben haben und noch ein paar Schritte gehen müssen, um auf das Niveau zu kommen. Aber ja, wir haben uns mit 0:1 sehr teuer verkauft, es war ein tolles Vorbereitungsspiel. Es waren viele Zuschauer vor Ort, jeder hat sich auf diese erste Begegnung gefreut.“

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... die Niederlage im ersten Westfalenliga-Spiel gegen den FC Iserlohn:
„Ich verliere grundsätzlich nicht gerne, deswegen habe ich mich natürlich über die Niederlage geärgert. Es hat auch ein bisschen gedauert, um sie zu verdauen, aber wir haben die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Obwohl es direkt am Anfang ein Schuss vor den Bug war, war es vielleicht, zumindest hypothetisch, besser so, als wenn es irgendwann im Laufe der Hinrunde passiert wäre. Wir wussten dadurch sofort, was uns in der Liga erwartet. Ich glaube, das haben wir vorher vielleicht an manchen Stellen ein bisschen unterschätzt. Wir haben seitdem intensiv gearbeitet, im Training gezielt an diesen Tugenden gearbeitet, die es braucht, um auch solche Spiele zu gewinnen und haben uns von Spiel zu Spiel verbessert. Diese Niederlage war daher sehr lehrreich für uns.“

... die Entwicklung der Mannschaft in der Hinrunde:
„Wir haben den Kampf angenommen. In den ersten drei Jahren haben wir Spiele auf eine spielerisch schöne Art und Weise gewonnen. Jetzt kommt die Tugend dazu, dass man kämpfen muss. Man muss in jedem Moment hellwach sein. Es kommt vor allem auf die zweiten Bälle an, und da haben wir uns wirklich extrem positiv entwickelt. Es ist immer noch ein Prozess, wir können immer noch weiter daran arbeiten. Aber bis hierhin bin ich sehr zufrieden. Und das Rückspiel gegen Iserlohn war zum Beispiel schon ein ganz anderes als das Hinspiel.“

... das erste Revierderby in der Frauenfußball-Geschichte:
„Durch die schwarzgelbe Brille gesehen war das Derby total aufregend. Wir haben natürlich in der Woche davor versucht, alles so normal wie möglich zu machen. Das Training lief wie üblich ab und wir bereiteten die Mädels ganz normal auf das Spiel vor. Doch je näher der Sonntag rückte, desto nervöser wurde vor allem ich selbst. Aber es war keine ängstliche Nervosität, es war eher eine große Vorfreude, weil wir auch damit wieder Geschichte geschrieben haben. Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen, haben dann allerdings das Zepter ein bisschen aus der Hand gegeben. Man muss zugeben, am Ende hatten wir dann auch etwas Glück, dass es unentschieden ausgegangen ist. Die Kolleginnen von Schalke hätten durchaus in der Schlussphase noch gewinnen können. Aber auch das gehört zum Fußball und zum Sport dazu: dass man an der einen oder anderen Stelle mal ein bisschen Glück hat.“

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... die bisherigen Leistungen der zweiten Mannschaft und der U17:
„Sowohl unsere U17 als auch die zweite Mannschaft dürfen sich Herbstmeisterinnen nennen, worauf wir natürlich sehr stolz sind. Beide Mannschaften haben sich extrem entwickelt. Auch die U17 hat in der Kreisliga angefangen und musste sich erstmal finden. Sie sind natürlich alle viel jünger, noch ein bisschen wilder und vielleicht auch noch ein bisschen aufgeregter, das schwarzgelbe Trikot zum ersten Mal zu tragen. Doch gemeinsam mit dem Trainerteam haben sie sich sehr gut gefunden und gehen einen wirklich guten Weg. Sie verbessern sich sowohl auf dem Platz als auch neben dem Platz stetig. Ich hoffe, dass sie sich auch in dieser Saison wieder mit dem Aufstieg belohnen. Die zweite Mannschaft ist ebenfalls super zusammengewachsen und spielt in den meisten Spielen einen sehr souveränen Fußball. Sie kämpfen füreinander, auch wenn es keine leichte Saison ist. Dennoch stehen sie in der Tabelle oben und ich hoffe, dass es auch da so weitergeht. Es wird im Hintergrund und gerade auch von den Trainern sehr, sehr gute Arbeit geleistet.“

... Spielerinnen, die aus den eigenen Mannschaften nachrücken:
„Durchlässigkeit sollte immer das Ziel sein, wenn man mehrere Mannschaften hat. Als wir die U17 und die zweite Mannschaft aufgebaut haben, war das natürlich auch die Intention dahinter. Wir können uns noch nicht ganz darauf fokussieren, aber wir schaffen es, Mädels aus den anderen Mannschaften in die Erste oder – wenn sie aus der U17 kommen – in die Zweite einzubinden, was sehr gut ist. Mich freut es vor allem für die Mädels, wenn sie zwischendurch mal bei den anderen Mannschaften mittrainieren dürfen. Es soll eine Belohnung für ihre harte Arbeit sein, die sie Woche für Woche im Training bringen. Und dann ist es toll, wenn sie das auch am Sonntag auf dem Platz zeigen dürfen.“

... die sportlichen Ziele für das Jahr 2025:
„2025 dauert für mich erst einmal nur bis zum Ende der Saison, also bis Mitte, Ende Mai. Bis dahin möchte ich auch nur vorausschauen. Ich hoffe, dass wir uns als Team weiterentwickeln, dass wir weiter erfolgreich daran arbeiten, uns noch zu verbessern und dass wir möglichst jedes Spiel gewinnen. Dazu zählt natürlich auch in der Rückrunde das Derby, denn so ein Derbysieg ist immer etwas ganz Besonderes.“

... Wünsche für das erste Revierderby in der Roten Erde:
„Ich wünsche mir definitiv im Nachgang einen weiteren Kunstdruck, der eine Zuschauerzahl von 9999 im Stadion Rote Erde beim Frauenderby zeigt. Und darunter kann dann auch gerne noch der Derbysieg stehen. Ich hoffe, dass es ein Wahnsinns-Event, ein tolles Erlebnis, ein toller Tag für Schwarzgelb wird.“

... die weitere Professionalisierung des Frauenfußballs beim BVB:
„Das Wichtigste im Mädchen- und Frauenfußball ist die Infrastruktur, um die Spielerinnen fußballerisch bestmöglich ausbilden zu können. Deswegen bin ich sehr froh darüber, dass wir ein Gelände gekauft haben, auf dem ein eigenes Trainingsgelände für unseren Mädchen- und Frauenfußball gebaut wird. Unser Ziel ist es, optimale Bedingungen zu schaffen, nicht nur bei den Trainingsplätzen. Wir planen auch den Bau eines Funktionsgebäudes, das mit allem ausgestattet sein wird, was unsere Spielerinnen benötigen: von passenden Umkleidekabinen bis hin zu Aufenthaltsräumen. Wir möchten einen Ort schaffen, der sich wie ein zweites Zuhause anfühlt, an dem sich die Spielerinnen wohlfühlen, denn sie werden dort viel Zeit verbringen. Das ist ein weiterer Schritt zur Professionalisierung und unabhängig davon, in welcher Liga wir in der nächsten Saison spielen werden. Wir haben uns fest dazu verpflichtet, diese Maßnahmen umzusetzen, um den Mädchen- und Frauenfußball in unserem Verein auf sichere Beine zu stellen.“

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