Noch 30 Minuten. Wegmann köpft Simmes‘ Flanke knapp über den linken Torwinkel. Der kopfballstarke, 1,86 Meter große Abwehrspieler Dirk Hupe rückt nun zu Wegmann ins Sturmzentrum. Schüler soll dahinter gemeinsam mit Marcel Raducanu das Spiel ankurbeln. Der rumänische Edeltechniker ist von Beginn an viel am Ball, die entscheidenden Impulse vermag er aber auch noch nicht zu setzen.
Frank Pagelsdorf gewinnt hinten jeden Zweikampf! Er ist die große Stütze einer wankenden, weiterhin verzweifelt um den Klassenerhalt kämpfenden Mannschaft. Und er leitet mit einem Ballgewinn gegen Grabosch 20 Meter vor dem eigenen Tor das 2:1 ein. Pagelsdorf marschiert über den halben Platz, passt dann in den Lauf von Simmes, der das Zuspiel auf Höhe des rechten Strafraumecks annimmt, im Sechzehner einen Haken schlägt und damit Karl Richter ins Leere laufen lässt, im Fallen mit dem linken Fuß nach innen flankt, wo dem nur 178 Zentimeter große Raducanu ein sehenswertes Kopfballtor gelingt: Aus sieben Metern schlägt der Ball links oben im Giebel ein. Nach 68 Minuten liegt Borussia Dortmund mit 2:1 in Führung.
Die Gäste reagieren. Der defensive Karl-Heinz Wirtz ersetzt den offensiven Orkas. Kurz darauf muss sich Hans-Jürgen Gede, in der ersten Hälfte Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Fortunen, am Oberschenkel behandeln lassen (70.). Das Auswechselkontingent aber ist nach zwei Wechseln erschöpft. Gede muss sich bis zum bitteren Ende über den Platz quälen.
Der BVB kann den Druck nicht durchgehend hochhalten. Der Zweitligist sorgt punktuell immer wieder für Entlastung, häufig über den schnellen U21-Nationalspieler Jörg Neun auf dem linken Flügel. Auf der anderen Seite wird Raducanu nach falscher Abseitsentscheidung eine aussichtsreiche Torchance genommen (76.).
Die Uhr tickt. Und sie scheint von Minute zu Minute schneller zu ticken. Und es beginnt die Zeit des Jacek Jarecki. Der 27-jährige Pole mit dem Spitznamen „Jaschin“, in Anspielung auf Lew Jaschin, den legendären sowjetischen Torhüter („Die schwarze Spinne“), wird die Schlussphase mit unfassbaren Reflexen bestimmen.
78. Minute: Simmes kommt links an den Ball, zieht ab, Jarecki hält.
80. Minute: Kutowski dribbelt über links bis zur Grundlinie, flankt nach innen, Zorc köpft aus sechs Metern, Jarecki pariert.
81. Minute: Anderbrügge über links, zieht aus relativ spitzem Winkel knallhart ab, Jarecki wehrt nach vorne ab, Wirtz‘ Klärungsaktion landet beinahe im eigenen Tor, streicht nur ganz knapp über die Latte.
Es ist ein schwarzgelbes Powerplay. Ein Spiel auf ein Tor. Ein Spiel gegen die Uhr. Wegmanns Schuss aus neun Metern wird abgefälscht und kracht fünf Minuten vor dem Ende an die Latte. Sekunden später verzieht Zorc aus zentraler Position, nachdem Grabosch über den Ball geschlagen hat. 10:2 Torchancen und 13:2 Ecken, aber weiter nur 2:1.
87. Minute: Pagelsdorf fängt wieder einmal einen Konter ab und leitet einen weiteren Dortmunder Angriff ein. Fast alles geht über die linke Seite. Flanke, Flugkopfball Wegmann, Jarecki. Sekunden später: Halbfeldflanke Zorc, Kopfball Storck, keine Mühe für Jarecki.
Die 90. Minute beginnt mit einem Eckball für Fortuna Köln. Er wird kurz gespielt. Der Versuch, einen Dortmunder anzuschießen und die nächste Ecke herauszuholen, misslingt. Als Immel den Abstoß ausführt – nicht den Regeln entsprechend, weil der Ball nicht still liegt –, sind genau 89 Minuten und 27 Sekunden gespielt.
Der BVB ist gefühlter Zweitligist, als Raducanu den letzten, den allerletzten Angriff einleitet. Der Rumäne schlägt einen langen Ball in den Kölner Strafraum, der abgewehrt wird. Bernd Storck hetzt dem Leder hinter. 15 Sekunden sind noch zu spielen. Nur noch 15 Sekunden!