Spielbericht
Rot für Schlotterbeck, großer Kampf, aber nur 2:2 nach 2:0
Es berichtet Boris Rupert
Vor 81.365 Zuschauern im ausverkauften SIGNAL IDUNA PARK verlor der BVB zunächst den verletzten Felix Nmecha (8.), dann sah Nico Schlotterbeck früh die Rote Karte (21.), jubelte aber in der 28. und in der 51. Minute über zwei Treffer von Serhou Guirassy (der zweite wird als Eigentor von Marco Friedl gewertet). Doch Bremen nutzte die Überzahl durch Treffer von Leonardo Bittencourt (65.) und Marvin Ducksch (73.) Mitte der zweiten Hälfte zum Ausgleich.
Ausgangslage:
Zehnter (25 Punkte) gegen Neunter (26). Der BVB hatte 13 der vorangegangenen 16 Bundesliga-Heimspiele gegen Bremen gewonnen.
Personalien:
Bis auf Niklas Süle hatte Interimscoach Mike Tullberg alle Profis beisammen. Im Vergleich zur 1:2-Niederlage am Dienstag in der Champions League nahm er vier personelle Veränderungen vor: Kapitän Emre Can, der in Bologna gelb-gesperrt fehlende Ramy Bensebaini, Julian Brandt und Karim Adeyemi liefen anstelle von Waldemar Anton, Maximilian Beier, Giovanni Reyna und Julien Duranville (alle Bank) auf.
Taktik:
Tullberg justierte nur wenig, reihte das Team – wie gewohnt – in einer 4-3-3-Grundordnung auf, mit einem Sechser, hier aber mit einer Rochade: Groß übernahm die Position zentral vor der Abwehr, und Nmecha rückte eine Position nach vorn an die Seite von Brandt. Werder zog sich gegen den Ball im 5-3-2 formiert weit zurück, presste meist erst an der Mittellinie. In Unterzahl (ab der 21. Minute) agierte Schwarzgelb in einer 4-2-3-Formation mit Groß, Can, Bensebaini und Ryerson in der Abwehrkette, Sabitzer und Brandt im Mittelfeld sowie weiterhin Adeyemi, Guirassy und Gittens im Angriff.
Spielverlauf & Analyse:
Der BVB startete druckvoll in die Begegnung, ohne die Bremer Defensive aber zunächst vor Probleme stellen zu können, und musste früh wechseln: Nmecha humpelte nach einem Zweikampf mit Grüll (8.) vom Feld. Zudem sah Ryerson in Minute zehn Gelb und sollte fortan vorsichtiger zu Werke gehen. Tatsächlich war Schwarzgelb kurz darauf mit einem Mann weniger auf dem Platz: Veljkovics schlug den Ball Richtung Mittellinie, Schmid leitete weiter zu Grüll, der Schlotterbeck entwischte. Zehn Meter vor dem Strafraum gab’s einen leichten Schubser, der Bremer ging zu Boden, und Schiedsrichter Dingert zeigte Schlotterbeck ohne zu zögern die Rote Karte (21.).
Sieben Minuten später ging der BVB in Führung. Gittens setzte sich auf links durch, zog nach innen, sah jedoch kein Durchkommen, legte den Ball zurück auf den Flügel, Ryerson flankte an den langen Pfosten, Brandt ließ quer prallen, und Guirassy drückte ihn per Kopf unter die Latte (28.). Dortmund kontrollierte das Spiel auch in Unterzahl, gestattete Werder in Halbzeit eins nur einen Torschuss und suchte selbst immer wieder den Weg nach vorne.
Trotz Unterzahl war Schwarzgelb läuferisch gleichauf (55,3 zu 55,6 Kilometer zur Halbzeit), war sehr stark in den Zweikämpfen (58% gewonnen) und stand auch zu Beginn des zweiten Durchgangs sicher in Defensive mit einem starken Kapitän Emre Can als Abwehrchef. Nach Foul an Gittens gab es in der 51. Minute einen Freistoß Mitte der Bremer Hälfte: Groß servierte die Kugel butterweich nach halbrechts in den Bremer Strafraum, Guirassy passte scharf nach innen, Bensebaini sprang hoch, und der irritierte Friedl fälschte den Ball ins eigene Netz ab. Er wäre wohl auch so ins Tor gegangen, dennoch wertete die DFL den Treffer offiziell als Eigentor.
Brandt prüfte Zetterer mit einem Distanzschuss (59.). Und bis zur 65. Minute sah es nicht danach aus, als könnte Borussia trotz Unterzahl in Bedrängnis kommen. Doch dann brachte der eingewechselte Ex-Dortmunder Bittencourt den SV Werder mit einem Sonntagsschuss aus 20 Metern wieder heran. Gegen das 100-km/h-Geschoss, das im von ihm aus gesehen rechten Torwinkel landete, hatte Kobel keine Abwehrchance. Bremens erste Torchance überhaupt führte zum 1:2. Nur sieben Minuten später stürmte Kaboré über links nach innen. Ducksch spielte den Ball raus aus dem Strafraum, Stage passte sofort wieder zurück, und Ducksch glich frei vor Kobel zum 2:2 aus.
In die Schlussviertelstunde ging Schwarzgelb mit der Einwechslung von Anton für Brandt gegen den Ball mit einer Fünferkette, denn Bremen drückte aufs dritte Tor, führte nach Schüssen nun mit 8:4. Doch beinahe wäre dem BVB der Lucky Punch gelungen: Groß schlug einen Freistoß scharf vors Tor, Zetterer mit Mühe, Nachschuss Beier aus 17 Metern, doch Zetterer verhinderte das 3:2 (90.). Auf der anderen Seite parierte Kobel per Fuß und Beier rettete zur Ecke (90.+2).
Ausblick:
Am Mittwoch (21 Uhr) empfängt der BVB in der UEFA Champions League die Mannschaft von Shakthar Donetsk, am kommenden Samstag (15:30 Uhr) gastiert er in der Bundesliga beim 1. FC Heidenheim.
Teams & Tore
Fußball-Bundesliga, 19. Spieltag
Samstag, 25. Januar 2025, 15:30 Uhr
BORUSSIA DORTMUND – WERDER BREMEN 2:2 (1:0)
Bor. Dortmund: Kobel – Ryerson, Can, Schlotterbeck, Bensebaini – Groß – Brandt (77. Anton), Nmecha (12. Sabitzer) – Adeyemi (61. Duranville), Guirassy, Gittens (61. Beier)
Werder Bremen: Zetterer – Veljkovic, Friedl, Jung – Weiser, Lynen (60. Bittencourt), Köhn (60. Kaboré) – Stage, Schmid – Grüll (60. Njinmah), Ducksch (87. Burke)
Bank: Meyer, Couto, Reyna, Campbell, Wätjen – Backhaus, Pieper, Alvero, Covic
Tore: 1:0 Guirassy (28., Brandt), 1:0 Guirassy (51., Groß), 2:1 Bittencourt (65., Veljkovic), 2:2 Ducksch (72., Stage)
Eckstöße: 5:5 (Halbzeit 3:1), Chancenverhältnis: 4:3 (1:0)
Schiedsrichter: Dingert (Lebecksmühle), Rote Karte: Schlotterbeck (21., Notbremse), Gelbe Karten: Ryerson – Bittencourt, Njinmah, Stage, Friedl
Zuschauer: 81.365 (ausverkauft), Wetter: regnerisch, 8 Grad