Spielbericht
BVB schlägt Barcelona 3:1 – Raus mit dröhnendem Applaus!
Bis zum Schluss eines denkwürdigen Abends durfte Fußball-Dortmund von einem Fußball-Wunder träumen. Zunächst spielte nur eine Mannschaft – die andere schwamm. Angetrieben von einem phantastischen Publikum rollte Angriff auf Angriff auf das Tor des FC Barcelona. Serhou Guirassy traf schon in der elften Minute per Elfmeter zum 1:0, ein weiterer Treffer von Pascal Groß kurz darauf zählte wegen Abseits nicht. Erst spät konnte sich Barca etwas befreien, doch Dortmund startete ähnlich fulminant in den zweiten Durchgang wie in den ersten. Drei Minuten nach Wiederbeginn erhöhte Guirassy auf 2:0, aber nur wenig später unterlief Ramy Bensebaini ein Eigentor. Mit Guirassys drittem Treffer eine Viertelstunde vor dem Ende keimte neue Hoffnung auf, zumal auch Julian Brandt traf. Aber auch hier: Abseits.
Ausgangslage:
Nach dem 0:4 im Hinspiel hätte Borussia Dortmund mit vier Toren Unterschied gewinnen müssen, um eine Verlängerung zu erreichen, hatte in seiner Europapokal-Historie jedoch nie einen höheren Rückstand aus dem Hinspiel als mit zwei Toren aufgeholt.
Personalien:
Ohne die angeschlagenen Emre Can (muskuläre Probleme) und Carney Chukwuemeka (Schlag auf den Oberschenkel) sowie die am Knie verletzten Marcel Sabitzer und Nico Schlotterbeck ging der BVB ins Rückspiel. Im Vergleich zum 2:2 am Samstag in München gab es vier Änderungen: Bensebaini, Couto, Nmecha und Adeyemi ersetzten Can, Ryerson, Özcan und Brandt.
Taktik:
Wie zuletzt dreimal hintereinander in der Bundesliga erfolgreich praktiziert, aber anders als im Hinspiel (4-2-3-1), setzte Trainer Niko Kovac hinten auf eine Dreierkette und vorne auf eine variable Offensive, mal mit einem Stürmer, mal mit zwei Angreifern, wenn sich Adeyemi an die Seite von Guirassy begab. Nmecha und Groß besetzten das zentral-defensive Mittelfeld, wobei Nmecha nach Ballgewinn schnell und steil in die Spitze spielte oder halbrechts zu Beier.
Spielverlauf & Analyse:
Vom Anpfiff weg drückte Schwarzgelb mit Vehemenz auf den Führungstreffer. Schon in der vierten Minute gab es die erste Torchance. Adeyemi marschierte Richtung Sechzehner, nahm Svensson auf der linken Seite mit. Dessen flache Flanke fälschte Cubarsi leicht ab, so dass Guirassy den Ball nur noch mit der Fußspitze aufs Tor bringen konnte. Szczesny parierte. Kurz darauf brachte Svensson nicht genug Druck hinter seinen Versuch aus 16 Metern (6.). Und weiter ging es: Es brannte in Barcelonas Strafraum. Guirassy verpasste knapp, Couto blieb nach einem Zusammenprall mit Fermin die Luft weg, und Groß setzte einem Ball von Adeyemi nach, wurde von Szczesny abgeräumt (9.). Schiedsrichter Mariani zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt, und Guirassy verwandelte sicher zum 1:0.
Nach elf Minuten war ein Viertel der Hinspiel-Hypothek abgetragen. Und das Stadion bebte. „Europapokal“, dröhnte über die Tribünen. Jede gelungene Aktion wurde frenetisch gefeiert. In der 16. Minute lief Groß nach Nmechas Pass gemeinsam mit Guirassy aufs Barca-Tor zu, versenkte den Ball auch, doch danach ging die Abseitsfahne hoch. Bensebaini kam in Minute 20 nach einer Ecke am rechten Fünfer-Eck zum Kopfball, Szczesny parierte. Zehn Minuten später köpfte Beier eine Freistoßflanke von Groß in die Arme des Schlussmanns. Da war mehr drin! Nach Svenssons Pass in den Rücken der Abwehr kam Adeyemi halblinks im Strafraum zum Schuss, doch der Winkel war zu spitz, so dass Szczesny parieren konnte (37.).
Schwarzgelb suchte weiter den Weg nach vorn. Keine drei Minuten waren nach Wiederanpfiff gespielt, als Adeyemi halblinks das Tempo an- und an Koundé vorbeizog. Dessen Flachschuss klärte Szczesny mit dem linken Fuß, Svensson angelte sich den Abpraller, leitete quer zu Groß, der mit einem strammen Schuss am Keeper scheiterte, der sich lang machte und zur Ecke klärte. Diese brachte Svensson an den langen Pfosten, wo sich Bensebaini im Luftduell durchsetzte, per Kopf querlegte zu Guirassy, der die Kugel ebenfalls mit dem Kopf spielte und zum 2:0 versenkte (49.). Doch fünf Minuten später griff Barcelona über die rechte Seite an. Fermin passte scharf nach innen, Bensebaini wollte zur Ecke klären, traf stattdessen ins eigene Netz. Dieser Treffer gab Barca in der Folge Selbstvertrauen, und er wirkte sich als Stimmungsdämpfer auf den Rängen aus.
Die Einwechslung von Pedri gab dem Mittelfeld des FC Barcelona mehr Struktur, der Anschlusstreffer tat sein Übriges. Die Luft war zunächst raus aus dem bis dahin dominanten und mutigen BVB-Spiel. Kovac brachte Duranville und Reyna für Beier und Nmecha, die viel gearbeitet hatten. Und mit seiner ersten Szene weckte der junge Belgier neue Hoffnung. Duranville eroberte auf der rechten Seite den Ball, ließ zunächst zwei Gegenspieler stehen, ging dann nochmal ins Dribbling, passte von der Grundlinie scharf nach innen, Araujo klärte vor die Füße von Guirassy, der in der 76. Minute aus sechs Metern knallhart auf 3:1 erhöhte. Direkt nach Barcas Anstoß eroberte der BVB den Ball, Groß schickte den ebenfalls eingewechselten Brandt, der zum vermeintlichen 4:1 traf, doch das Tor zählte nicht – Abseits.
Ausblick:
Der Bundesliga-Endspurt beginnt am Ostersonntag (Anstoß 17:30 Uhr) mit dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.
Es berichtet Boris Rupert
Teams & Tore
UEFA Champions League, Viertelfinale, Rückspiel
Dienstag, 15. April 2025, 21 Uhr
BORUSSIA DORTMUND – FC BARCELONA 3:1 (1:0)
Bor. Dortmund: Kobel – Süle, Anton, Bensebaini – Couto (77. Brandt), Nmecha (64. Reyna), Groß, Svensson – Beier (64. Duranville), Adeyemi (77. Gittens) – Guirassy
FC Barcelona: Szczesny – Koundé, Araujo, Cubarsi, Martin – de Jong – Fermin (70. Garcia), Gavi (59. Pedri) – Yamal (70. Ferran Torres), Lewandowski (86. Dani Olmo), Raphinha
Bank: Meyer, Lotka, Ryerson, Özcan, Mané, Kabar, Wätjen – Pena, Kochen, Christensen, Fort, Martinez, Pablo Torre, Fati, Pau Victor
Tore: 1:0 Guirassy (11., Foulelfmeter, Szczesny an Groß), 2:0 Guirassy (49., Bensebaini), 2:1 Bensebaini (54., Eigentor, Fermin), 3:1 Guirassy (76., Duranville)
Eckstöße: 8:4 (Halbzeit 4:1), Chancenverhältnis: 9:4 (5:1)
Schiedsrichter: Mariani (Italien), Gelbe Karten: Nmecha – de Jong
Zuschauer: 81.365 (ausverkauft), Wetter: trocken, 15 Grad