Story
Zum 100. Geburtstag von Alfred „Freddy“ Kelbassa
Zu Ehren des am 21. April 1925 in Buer – heute ein Stadtteil von Gelsenkirchen – geborenen deutschen Nationalspielers wird eine Delegation von Borussia Dortmund an seiner Grabstätte in Dortmund-Renninghausen einen Kranz niederlegen und eine kleine Tafel anbringen, die die Bedeutung Kelbassas für den BVB darlegt.
Nach Max Michallek und Adi Preißler war Kelbassa der älteste und erfahrenste Spieler in Borussias Meistermannschaft von 1956 und 1957. Beim 4:2 im Berliner Olympiastadion gegen den Karlsruher SC erzielte er den Treffer zum 2:1, ein Jahr später beim 4:1 im Niedersachsenstadion von Hannover traf er doppelt, zum 1:0 und zum 2:1 gegen den Hamburger SV.
Gemeinsam mit Alfred Niepieklo sorgten Kelbassa und Preißler – „die drei Alfredos“ – in den 1950er-Jahren vor den gegnerischen Toren für Angst und Schrecken. Sie waren fast ein Jahrzehnt lang ein Stürmertrio der absoluten Spitzenklasse.
Alfred Kelbassa war ein sportliches Multitalent. Er konnte nicht nur mit dem Ball umgehen, er war auch ungemein schnell und sprungstark. Als Leichtathlet wurde er 1942 Deutscher Jugendmeister im Fünfkampf. Dabei legte er die 100 Meter unter elf Sekunden zurück – für die damalige Zeit eine fantastische Zeit.
Während des 2. Weltkriegs musste er in norddeutschen Kasernen dienen, und als der Krieg beendet war, kehrte er ins Ruhrgebiet zurück, spielte als 21-Jähriger für STV Horst-Emscher (1946 bis 1952 mit einem einjährigen Intermezzo bei Preußen Münster) und kam im WM-Sommer 1954 an den Borsigplatz. Mit dem BVB gewann er nicht nur zweimal die Deutsche Meisterschaft, er war 1957 und 1958 erfolgreichster Torschütze der Oberliga West. Sein Spiel war geprägt von einer ungeheuren Wucht, körperlich robust, kämpferisch und geradlinig. Am 23. Dezember 1956 absolvierte er auf Einladung von Bundestrainer Sepp Herberger sein erstes von sechs A-Länderspielen. Kelbassa nahm an der WM 1958 in Schweden teil, die Titelverteidiger Deutschland auf dem vierten Platz beendete.
Sein vorletztes von 218 Spielen für Borussia Dortmund, in denen er 123 Tore erzielte, absolvierte er am 8. Juni 1963 im Endrunden-Spiel gegen den Hamburger SV (1:0). Im Endspiel gegen den 1. FC Köln kam er zwar nicht zum Einsatz, dennoch ist Alfred Kelbassa einer von historisch nur fünf Spielern, die dreimal mit Borussia Dortmund Deutscher Meister wurden.
Während und nach seiner Karriere war „Freddy“ Kelbassa Mitarbeiter des Sportamts der Stadt Dortmund. Mit Einführung der Bundesliga im Sommer 1963 beendete er im Alter von 38 Jahren seine aktive Laufbahn. Nach langer, schwerer Krankheit starb Kelbassa am 11. August 1988 in Dortmund. Eine der Straßen rund um das BVB-Trainingszentrum Hohenbuschei im Vorort Brackel trägt seinen Namen und wird die Erinnerung an einen der größten Borussen nie verblassen lassen.
Boris Rupert