Story
Daniel Svensson: Vom Leihspieler zum Leistungsträger
Dass Svensson gleich bei seinem Startelfdebüt im schwarzgelben Trikot an seine Grenzen ging, passt ins Bild des Musterprofis. Noch gehandicapt von der langen Winterpause in Dänemark und Wochen ohne Spielpraxis musste der Neuzugang vom FC Nordsjaelland im Play-off-Hinspiel der europäischen Königsklasse Mitte Februar bei Benfica Lissabon (3:0) dem hohen Tempo Tribut zollen. Sein Muskelkrampf kurz vor dem Schlusspfiff brachte ihm den scherzhaften Spruch von BVB-Kapitän Emre Can ein: „Was ist los, Chef? Ich dachte, du bist fit.“
Über diese Anekdote aus der portugiesischen Hauptstadt wird noch heute geschmunzelt. Denn von mangelnder Fitness kann bei Svensson wahrlich keine Rede sein. Vielmehr gehört der in Stockholm geborene schwedische Nationalspieler, der beim BVB mittlerweile zur Stammkraft avanciert ist und von seinem ehemaligen Mannschaftskollegen Jeppe Tverskov als „Maschine“ bezeichnet wurde, in fast jeder Partie zu den laufstärksten Profis.
Die Entscheidung des BVB, beim Leihgeschäft mit Svensson im Februar eine Kaufoption zu vereinbaren, hat sich ausgezahlt. Am Mittwoch zog Schwarzgelb diese Option und nahm den 23-Jährigen bis 2029 unter Vertrag. Für Sportdirektor Sebastian Kehl war das ein logischer Schritt: „Daniel hat unsere Erwartungen vom ersten Tag an voll erfüllt. Er ist schnell angekommen und hat unsere Mannschaft mit seinen Leistungen direkt bereichert. Seine Intensität und Flexibilität passen sehr gut zu unserem Spiel und geben uns viele Optionen. Obendrein ist Daniel auch noch ein guter Typ und ein vorbildlicher Profi.“
Ähnlich euphorisch fiel das Urteil von Trainer Niko Kovac aus – und das nur wenige Wochen nach Svenssons Wechsel in die Bundesliga: „Er ist läuferisch sensationell gut, balltechnisch sehr sauber, macht wenige Fehler und ist immer anspielbar. Er macht nach hinten alles, was gemacht werden muss.“
Mit dieser hohen Wertschätzung stehen der Sportdirektor und der Fußballlehrer nicht allein da. Über den Verein hinaus gilt Svensson längst als Transfer-Volltreffer. So wurde er bei einer Wahl von Fans, Vereinsvertretern und ausgewählten Bundesliga-Experten zum „Rookie des Monats“ April gewählt und setzte sich dabei gegen Michael Olise (Bayern München) und Leopold Querfeld (Union Berlin) durch. „Das zeigt, dass wir im Scouting richtig gut gearbeitet haben und dass wir dort wieder etwas entdeckt haben“, urteilte Kovac.
Auch eine rund vierwöchige Verletzungspause, zu der Svensson im März wegen einer Innenbandverletzung im Knie aus dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den OSC Lille gezwungen war, warf den Neuzugang nicht zurück. Seit dem 4:1 am 28. Spieltag in Freiburg gehört er wieder zur Startelf und trug dazu bei, dass sein Team am Samstag vor 81.365 Zuschauern im ausverkauften SIGNAL IDUNA PARK gegen Kiel nach 19 Punkten aus den vergangenen sieben Partien aus eigener Kraft die Champions League erreichen kann. Nach dem 26. Spieltag hatte der BVB als Tabellenelfter noch zehn Punkte Rückstand auf Rang vier.
Neben seiner läuferischen Stärke überzeugte Svensson durch seine taktische Flexibilität und bewährte sich in nunmehr 15 Pflichtspielen sowohl als Linksverteidiger in der klassischen Viererkette als auch als Schienenspieler im 3-5-2-System. Qualitäten, die der Spielphilosophie von Kovac entgegenkommen. „Er mag Spieler, die hart arbeiten, die sich immer anstrengen, die jeden Tag ihr Bestes geben und diszipliniert sind“, antwortete Svensson unlängst in einem Interview der Ruhr Nachrichten auf die Frage nach den Vorlieben des Fußballlehrers.
Angesichts der hohen Übereinstimmung mit dem Anforderungsprofil seines Trainers und der schnellen Integration in den Kader benötigte Svensson keine lange Bedenkzeit, um den Vertrag zu unterschreiben. „Es ist ein großer Verein mit großartigen Fans. Mein Ziel ist es, dass wir hier gemeinsam Erfolge feiern können. Dafür werde ich jeden Tag hart arbeiten“, verspricht er. (Zum Interview)
Bei einem Kämpfer wie ihm klingen solche Ankündigungen glaubwürdig. Aus dem vielen Lob für seine Willens- und Laufstärke macht er kein großes Aufheben: „Es ist Teil meiner Persönlichkeit. Ich habe einfach eine gute Grundkondition.“ Sticheleien wie die von Can bei seinem Champions-League-Debüt in Lissabon dürften ihm in Zukunft erspart bleiben.