Interview
Jobe Bellingham: „Man muss auf sein Herz hören – das habe ich getan“
Jobe Bellingham über seinen Start beim BVB:
„Es war wirklich gut. Ich habe die Jungs getroffen und unterschrieben, noch bevor ich hergeflogen bin. Deshalb habe ich das Gefühl, dass ich mich gerade wirklich gut in die Mannschaft einlebe. Es ist natürlich schwer, wenn man bei einem neuen Verein unterschreibt und dann sofort wegfliegt. Aber viele Leute haben es mir so leicht wie möglich gemacht. Also ja – ehrlich gesagt, es hat wirklich Spaß gemacht bisher. Es gibt einige Spieler, die Englisch sprechen. Pascal zum Beispiel hat mir auf dem Platz sehr geholfen. Ich genieße es, von ihm zu lernen und ihm Fragen zu stellen, weil er über eine enorme Erfahrung auf höchstem Niveau verfügt. Dann natürlich Jamie, Carney, Gio – die englischen Jungs, mit denen ich anfangs viel zusammen war. Jetzt spreche ich aber mit viel mehr Spielern und verbringe auch viel Zeit mit Felix. Es gibt eine wirklich gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, und ich genieße das sehr. Die Jungs kümmern sich gut um mich.“
...das Anpassen an die Bedingungen in den USA:
„Ja, das ist schwer – vor allem die Luftfeuchtigkeit und die Hitze. Das ist natürlich ganz anders als alles, was ich in Sunderland oder Dortmund erlebt habe. Es ist etwas Neues, aber es ist ein einzigartiges Turnier, da muss man sich solchen Dingen eben stellen. Ich denke, wir haben das bisher ganz gut gemacht. Im Training sind wir weiterhin sehr intensiv unterwegs, also sieht es gar nicht so schlecht aus.“
...sein Debüt für Borussia Dortmund gegen Fluminense:
„Es hat sich ein bisschen surreal und ehrlich gesagt seltsam angefühlt. Warum? Naja, weil es eben in den Vereinigten Staaten war – das ist einfach ein ganz anderes Gefühl. Aber es war definitiv ein cooler Moment. Ein Stadion, in dem ich noch nie zuvor gespielt habe oder war. Es war wirklich cool. Und ich habe mich auf dem Platz ziemlich wohlgefühlt – also ja, ich bin zufrieden.“
...seine Lieblingsposition auf dem Platz:
„Am wohlsten fühle ich mich im Zentrum des Spielfelds, wo alles um mich herum passiert. Ich kann mich in verschiedene Richtungen bewegen und bin nicht an die Außenlinie gebunden. Vielleicht als „Box-to-Box“-Spieler im Doppel-Sechser-System – ja, das trifft es ganz gut. Ich mag es, überall dazwischen zu sein. Aber ich spiele auch gerne als Zehner, Achter oder Sechser. Jede dieser Positionen ist interessant. Hauptsache, ich bekomme viel zu tun – das gefällt mir. Wo auch immer der Trainer mich braucht, ist für mich in Ordnung.“
...seine Vorbilder:
„Ich schaue mir ständig Mittelfeldspieler an. Auch Dokus. Die Gerrard-Doku habe ich schon so oft gesehen. Auch Maradona – seine Doku ist großartig, aber ich kann von ihm nicht viel lernen, weil er einfach zu gut war. Auch Patrick Vieira schaue ich oft. Ich dachte immer, er sei eher defensiv, aber er konnte eigentlich alles. Gerrard ist auch einer, den ich ständig schaue. Und viele andere Mittelfeldspieler.“
...seine Zeit in Sunderland:
„Das war eine riesige Erfahrung. Ich würde es jedem jungen Spieler empfehlen. Es ist ein großer Club mit leidenschaftlichen Fans – einer der größten in England. Ich habe dort auf verschiedenen Positionen gespielt, große Spiele erlebt – es war enorm für meine Entwicklung. Vor allem, dass ich dort Führungsverantwortung hatte, schon in jungem Alter. Das hilft mir jetzt bei Dortmund, wo man solche Eigenschaften braucht. Man muss Herausforderungen bestehen – das ist bei einem Klub wie dem BVB essenziell. Ich denke, das kommt durch meine Erziehung und meine Umstände. Auch durch meine Eltern. Ich bin in einem sicheren Umfeld aufgewachsen, hatte bei der Schule und beim Fußball viel Unterstützung.“
...Fehler:
„Bei Birmingham habe ich viele harte Spiele gemacht, wir waren oft nicht das beste Team. Da lernt man Widerstandsfähigkeit. Man scheitert oft, aber man lernt daraus. Ich reflektiere immer, schaue mir alles noch einmal an. Und ich habe Menschen um mich herum, die mich unterstützen. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich zu Dortmund gekommen bin – weil ich spüre, dass die Leute hier sich wirklich um meine Entwicklung kümmern. Und sie haben die Expertise, das sieht man an vielen Spielern, die sie entwickelt haben.“
...seine Entscheidung für Borussia Dortmund:
„Es klingt vielleicht widersprüchlich, aber ich war lange voreingenommen gegenüber Dortmund – gerade weil Jude hier gespielt hat. Ich wollte meinen eigenen Weg gehen, hatte Ängste. Aber ich habe mit Hans-Joachim Watzke und Janni gesprochen – sie kamen nach dem Playoff-Finale nach England. Und Hans-Joachim Watzkes Satz war entscheidend: „Es geht nicht darum, anders zu sein. Es geht darum, das Richtige zu tun.“ Und das war für mich Dortmund. Es war keine Entscheidung aus Bequemlichkeit – es war die richtige. Es wäre ein Fehler gewesen, nicht zu unterschreiben, nur weil mein Bruder hier war. Man muss auf sein Herz hören – und das habe ich getan.“
...seine Entscheidung, seinen Vornamen auf dem Trikot zu tragen:
„Als ich bei Sunderland unterschrieben habe, wurde es mir von jemandem vorgeschlagen, einem besonderen Trainer, den ich dort und früher in Birmingham hatte. Ich war noch jung und fand’s einfach cool, meinen eigenen Namen auf dem Rücken zu haben. Es war keine große tiefere Bedeutung – aber es ist zu etwas Einzigartigem geworden. Es zeigt, dass ich meinen eigenen Weg gehe. Manche mögen es nicht – ist mir egal. Man kann seinem Ziel nicht folgen und gleichzeitig auf jeden hören. Ich höre nur auf Menschen, die Ahnung haben – keine Internetkritiker, die einfach was raushauen. Ich versuche einfach, jeden Tag besser zu werden. Und mein Name auf dem Trikot ist Teil davon.“
...das Abschalten vom Profifußball:
„FIFA spielen? YouTube schauen? Nein, aber im Ernst – ich hatte auch ein Leben vor dem Fußball. Ich bin ein Mensch, ein Junge. Ich habe mit meinem Bruder rumgealbert, ein glückliches Leben gehabt. Und das ändert sich auch als Fußballprofi nicht. Es ist wichtig, im Moment zu leben – auch wenn ich das nicht immer gut kann. Aber ich werde besser darin.“
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