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Story

Die Rote Erde: BVB-Heimat für 37 Jahre

Borussia Dortmund wurde erst spät mit der „Kampfbahn Rote Erde“ warm, und ein struktureller Standortnachteil ließ die Liebe trotz legendärer Spiele alsbald erkalten. Zu ihrem 100. Geburtstag ist sie nur noch die kleine Schwester des großen Nachbarn direkt nebenan. (Zu Teil 1 des Rückblicks)

Der bis 1936 unterklassige BVB war noch immer mehr ein Sportplatz- als ein Stadionverein, als er 1937 seine Heimat, den „Borussia-Sportplatz“, auf politisches Betreiben aufgeben musste, „ohne auch nur einen Pfennig Entschädigung zu erhalten“, so der Ehrenvorsitzende Franz Jacobi: „Schweren Herzens mussten wir die neben dem Borsigplatz zur zweiten Heimat gewordene Platzanlage hergeben und in die deshalb bei uns nicht gerade geliebte Rote Erde umziehen.“ Vom Nordosten ging es in den Südwesten der Stadt. Das fünfte Revierderby am 30. Januar 1938 gilt als Zäsur. Borussia Dortmund feierte vor 22.000 Fans in der Roten Erde erstmals einen Punktgewinn gegen Schalke 04, als die Mannschaft in den letzten zwölf Minuten einen 0:3-Rückstand aufholte. Endstand 3:3. „Ergebnis und Zuschauerzuspruch bedeuteten eine Annäherung zwischen Verein und Stadion“, heißt es in dem Buch „100 Jahre Borussia Dortmund“.

Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg, der schwere Zerstörungen auch in der Kampfbahn hinterlassen hatte, wurde aus Schwarzgelb und der „Roten Erde“ eine Symbiose. Legendär ist das „Jahrhundertspiel“ gegen Benfica Lissabon im Dezember 1963, das offiziell von 42.000 Zuschauern verfolgt wurde. Tatsächlich waren es viele mehr – einige verfolgten es aus den umgebenden Baumkronen. Dies zeigte auch: Die mittlerweile fast 30 Jahre alte Spielstätte war für die besonderen Spiele zu klein geworden. Für das spätere Halbfinale gegen Inter Mailand wurde ein Umzug ins Niedersachsenstadion nach Hannover in Erwägung gezogen. Auch in technischer Hinsicht hinkte die Kampfbahn den modernen Arenen der europäischen Topvereine hoffnungslos hinterher. In der Bundesliga verfügten neun Vereine über ein größeres Stadion als die Borussen, lediglich bei drei Klubs war es kleiner. Da die Zuschauereinnahmen in diesen Jahren eine besonders große Rolle spielten, geriet die „Rote Erde“ mit ihrem beschränkten Fassungsvermögen und Komfort zum Standortnachteil.

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Zwar gab es provisorische Ausbauten – zur Saison 1965/66 wurde die Gegengerade überdacht und um einige Sitzreihen aufgestockt, später die Südkurve mit dem Marathontor um eine Stahlrohrtribüne auf der Laufbahn ergänzt –, doch traten auch ersichtliche Baumängel zu Tage, die die Pläne für einen Aus- und Umbau der „Roten Erde“ in den Archiven des Bauamts verschwinden ließen. Stattdessen wurde ein Neubau zur Fußball-WM 1974 vorangetrieben.

Am 24. März 1974 absolvierte Borussia Dortmund letztmals mit der Profi-Mannschaft ein Spiel in der Kampfbahn. 9.000 Zuschauer kamen und erlebten im Regionalligaspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen ein 1:1. Nach dem Umzug ins direkt benachbarte Westfalenstadion wurde die Rote Erde zu einem Leichtathletikstadion umgerüstet und bietet aktuell sowohl der U23 als auch der Frauenmannschaft von Borussia Dortmund eine sportliche Heimat.
Boris Rupert

Die Rote Erde: Erbaut in nur 26 Monaten

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