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Borussia verbindet im BORUSSEUM: Fachvortrag zur Spurensuche unter den Westfalenhallen

Am 6. Juli 2026 um 19:09 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) findet im Rahmen der Reihe „Borussia verbindet im BORUSSEUM“ ein Fachvortrag zum Thema „Unter den Westfalenhallen – Archäologische und historische Spurensuche zum ehemaligen Kriegsgefangenenlager Stalag VI D“ statt.

Wo heute Messen, Konzerte und Sportereignisse stattfinden, befand sich im Zweiten Weltkrieg eines der größten Kriegsgefangenenlager in Westdeutschland: das Stalag VI D. Von September 1939 bis April 1945 war es Teil des nationalsozialistischen Systems von Kriegsgefangenschaft, Zwangsarbeit und Ausbeutung. Zeitweise verwaltete das Lager bis zu 79.000 Kriegsgefangene gleichzeitig. Etwa 10.000 von ihnen befanden sich direkt im Lagerkomplex an den Westfalenhallen, rund 69.000 weitere waren auf hunderte Arbeitskommandos in Dortmund, Westfalen und dem Rheinland verteilt – nahezu so viele Menschen, wie heute in den SIGNAL IDUNA PARK passen.

Das Stalag VI D fungierte als zentrale Verwaltungs- und Steuerungsstelle eines weit verzweigten Systems von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit, das nahezu alle Bereiche von Wirtschaft und öffentlichem Leben erfasste. Neben der großen Westfalenhalle wurde auch der angrenzende Volkspark von der Wehrmacht beschlagnahmt und in die Lagerorganisation einbezogen; die Nutzung des Geländes erfolgte auf vertraglicher Basis gegen eine jährliche Miete von 655.000 Reichsmark. Zahlreiche Unternehmen, Industriebetriebe und öffentliche Einrichtungen profitierten von der Zwangsarbeit der Gefangenen. Sie wurden in Industrie- und Rüstungsbetrieben, auf Baustellen, in kommunalen Einrichtungen und vielen weiteren Bereichen eingesetzt. Auch die Stadt Dortmund griff auf Arbeitskommandos zurück, etwa für Aufräumarbeiten nach Luftangriffen.

Heute ist von diesem historischen Ort oberirdisch kaum noch etwas sichtbar. Ein Findling mit Bronzetafel erinnert an das ehemalige Lager, doch viele Spuren wurden durch Erweiterungen und Umgestaltungen des Messegeländes seit der Nachkriegszeit zerstört. Erst die aktuellen Bauarbeiten für neue Messehallen und das Kongresszentrum eröffneten die letzte Chance, die im Boden erhaltenen Zeugnisse dieser Geschichte archäologisch zu erfassen. Die Ausgrabungen brachten überraschend gut erhaltene Überreste zutage: Fundamentreste von Baracken, Versorgungsstrukturen, Wegeführungen sowie zahlreiche Alltagsgegenstände wie Lederschuhe, Arzneifläschchen, Münzen, Knöpfe und eine französische Zahnpastatube. Sie machen deutlich, dass sich hinter den großen Zahlen konkrete, individuelle Lebensgeschichten verbergen. Sichtbar wurden zudem Spuren der Kriegseinwirkungen, etwa Bombentrichter von direkten Angriffen auf das Gelände.

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Parallel zu den archäologischen Untersuchungen werden nationale und internationale Archivbestände ausgewertet. Briefe von Kriegsgefangenen, Fotografien, Verwaltungsakten und persönliche Dokumente werden mit den Funden vor Ort verknüpft. So entsteht Schritt für Schritt ein immer dichteres Bild eines Ortes, der nach 1945 weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden ist – und der doch mitten in Dortmund liegt.

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Der Vortrag stellt die aktuellen Ergebnisse dieser archäologischen und historischen Forschungen vor. Er zeigt, wie moderne Archäologie dazu beiträgt, einen lange verborgenen Erinnerungsort wieder sichtbar zu machen, beleuchtet die Rolle des Stalag VI D als zentralen Knotenpunkt eines Systems von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit und fragt, welche Verantwortung sich heute aus dem Wissen um diese Geschichte ergibt.

Anmeldungen für die Veranstaltung am 6. Juli 2026 sind ab sofort bis zum 28. Juni 2026 um 23:59 Uhr hier möglich.

Die Kapazität der verfügbaren Plätze ist begrenzt. Ein Platz gilt daher erst mit dem Eingang einer Zusage-E-Mail als verbindlich bestätigt.

Der Veranstalter behält sich vor, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die nationalsozialistischen Parteien oder Organisationen angehören, der nationalsozialistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.

Fotos: Eggenstein Exca/Roland Gorecki 

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