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Mehr Spiel und Spaß: Neue Konzepte für U9 bis U11
Diese Szenarien erleben wir Wochenende für Wochenende auf tausenden Sportplätzen: Trainer gestikulieren aufgeregt und lautstark in der Coachingzone, Eltern und Verwandte reagieren hinter der Spielfeldumzäunung hektisch und mit teils unfeinen Zwischenrufen auf Pass-Fehler, verlorene Zweikämpfe und Gegentore. Denn es geht um viel, um Sieg oder Niederlage, um wichtige Punkte.
Damit soll nun Schluss sein. Brauchen wir Tabellen in der U9, U10 und U11? Diese Frage hat sich Borussia Dortmund gestellt und sie mit einem klaren „Nein“ beantwortet. Andreas Bath, sportlicher Leiter im Grundlagen- und Aufbaubereich im Nachwuchsleistungszentrum, Stefan Kolatke, Teammanager der U9-U11, Paul Schaffran, Sportwissenschaftlicher Leiter im Nachwuchsleistungszentrum und die Trainer der verschiedenen Altersklassen erarbeiteten gemeinsam für den BVB Reformen. Diese Veränderungen sollten das Spiel wieder in den Mittelpunkt rücken und den Leistungsgedanken aus dem Ausbildungsprogramm der Jüngsten tilgen.
„Die Kinder hatten bisher zu wenig Möglichkeiten, auf dem Spielfeld Dinge selbst zu gestalten, eigene Lösungen zu finden und Entscheidungen zu treffen, weil von außen zu viel Einfluss genommen wird“, erklärt Andreas Bath. Der Schwerpunkt liegt nun in einem – wie er es formuliert - „angstfreien Raum für Kinder“, in dem sie sich nach Lust und Laune betätigen können.
Das Fußballspiel findet auf kleinem Feld in diversen Gruppen und Mannschaftsstärken statt: Drei gegen Drei, Vier gegen Vier bis zu Sieben gegen Sieben. Gespielt wird auf zwei, drei oder vier Tore und auf Nebenfeldern, um alle Kids fußballerisch zu beschäftigen. „Wir halten das ganz flexibel. Es liegt im Ermessen der Trainer, Inhalte und Umfänge zu bestimmen,“ so Andreas Bath. Das Ziel bleibt das gleiche: Den Kids mehr Einsatzzeiten zu ermöglichen, die Anzahl ihrer Ballkontakte und die Chance auf Torabschlüsse und damit Erfolgserlebnisse zu erhöhen. Das Spiel wird nicht mehr von Trainern gesteuert, die Kinder entscheiden selbstständig, der permanente Wechsel zwischen Angriff und Abwehr fördert Freude und Lust am Spiel.
Trainer in „spielbegleitender Rolle“
Die neuen Formen und Regeln schließen ein Umdenken der Trainer ein. Bei Borussias Nachwuchstrainern sind die Gedanken und Überlegungen auf fruchtbaren Boden gestoßen: „Wir befinden uns ständig im Austausch und treffen auf offene Ohren. Sie setzen sich mit Anregungen und neuen Ideen sehr intensiv auseinander.“
Die Trainer übernehmen in diesem Konzept eine eher „spielbegleitende Rolle“. Auch die Trainerrollen wurden angepasst. Aus Chef- und Co-Trainer wurden Ausbildungs- und Techniktrainer. Andreas Bath erläutert: „Während der Spiele oder Turniere sollen die Trainer beobachten und nur in den Pausen coachen. In den Übungsstunden während der Woche tragen die Techniktrainer Verantwortung für die individuelle Ausbildung der Kids. Die Ausbildungs-Trainer erarbeiten Ausbildungspläne und sind zuständig für die Gestaltung der Spiele“. Zudem sollen U10 und U11 einmal pro Woche ein gemeinsames Trainingsprogramm absolvieren.
Der Wettbewerbs-Charakter steht zunächst hinten an, damit reduziert sich zugleich die Einflussnahme der Zuschauer. Deshalb ist es wichtig, auch die Eltern mit ins Boot zu nehmen und ihnen Hintergründe und Absicht des Lehrplans zu erläutern. „Es geht um Spaß und Spiel, um Begeisterung für den Fußball, um Erfolgserlebnisse“, sagt Andreas Bath. Oder auch ganz einfach um Fußball ohne Ergebnisdruck. Wie einst auf dem Bolzplatz oder beim Straßenfußball. (wiwi)
BVB-TV by 1&1: Mehr Spiel und Spaß: Neue Konzepte für U9 bis U11
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